28.02.11

Skandal beim Opernball

Doris Knecht | 02/11 | Kurier-Kolumne

Der Opernball hat auch heuer seinen jährlichen Skandal: Richard Lugner hat Ruby Rubacuori in seine Loge geladen, die Frau, die sich als Minderjährige für den italienischen Premier prostituierte. Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh sagte in einem TV-Interview, das sei „traurig, beschämend und pietätlos".
Sie hat recht: Es ist traurig und beschämend.
Aber nicht, weil die Institution Opernball durch den Umstand beschädigt würde, dass eine ehemalige Prostituierte in einer Loge sitzt. Sondern weil niemand Mitleid mit Ruby hat.
Lugner sowieso nicht. Lugner ist... Sagen wir es so: Lugner ist intellektuell und moralisch nicht satisfaktionsfähig. Lugner ist ein lächerlicher Greis, der für seine Publicity auch vor wachsender Widerwärtigkeit nicht mehr zurückschreckt. Und es ist widerwärtig, dass er Frau Rubacuori eingeladen hat, die ausschließlich wegen des Umstands bekannt ist, dass sie schon als Kind in die Prostitution getrieben wurde und sich von alten Männern betatschen und mehr lassen musste. Ja, sie schlägt jetzt soviel Kapital wie möglich aus ihrer Lage, und zwar aus einer nicht zuletzt von dieser bedauernswerten Sozialisation geprägten Weltsicht. Das ist traurig und beschämend: ein System, in dem die Prostition Minderjähriger zwar sanktioniert ist, aber tja.
Weil, apropos Prostitution. Der Opernball findet in einem Land statt, in dem Asylwerber keiner legalen Arbeit nachgehen dürfen, außer einer: Asylwerberinnen dürfen sich ganz legal prostituieren, Mindestalter: 18. Von den Politikern, die solche Gesetze machen, exekutieren und zulassen, werden auch einige in den Opernball-Logen sitzen, und der Champagner wird fließen, und niemand wird sich schämen.
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