Doris Knecht
| 02/11
| Kurier-Kolumne
Eine US-Mutter verklagt Nutella: Der Brotaufstrich sei keineswegs gesund und nahrhaft, wie die Werbung irreführenderweise behaupte, sondern das Gegenteil. Das mag überzogen wirken, aber nur wenn sich kritische Konsumenten
wehren, wird die immer dreistere Nahrungsmittelindustrie reagieren. Was
passiert, wenn nicht, zeigt das Beispiel Los Angeles: Die Kommune
verbietet nun die Errichtung neuer Fast-Food-Restaurants im Stadtteil
South Central L.A., weil ein Drittel der mehrheitlich
unterprivilegierten Bevölkerung nicht mehr nur übergewichtig ist,
sondern fettsüchtig. In der ganzen Gegend gibt es derzeit fast nur
ungesundes, hochkalorisches Fertig-Futter.
Aber auch, wer die Wahl hat ... Die Kinder erzählen, dass mittlerweile
ein großer Teil der Schulkollegen Fertig-Jausen-Sackerln der
Supermarktkette mit dem Hausverstand dabei hat. Kein Wunder: Das gibt's
ganz ohne Aufwand und plus kleinem Spiel für weniger als drei Euro. Das
will man sich auch einmal ansehen und bestellt eins an der
Feinkost-Theke.


Frage an den Mitarbeiter: Was ist da genau
drin? Eine Extrawurst-Semmel, eine Milchschnitte, ein Flascherl
Mineralwasser und ein Sackerl Pom-Bären. Und sind da immer dieselben
Sachen drin? Ja, eigentlich schon. Kann man sich das nicht, wie auf der
Website dargestellt, aussuchen und selbst kombinieren, also zum Beispiel
einen Apfel statt der Milchschnitte? Nein, eigentlich nicht. (Aber der
extrem freundliche Feinkost-Herr packt einfach noch einen Apfel dazu.)
Dass mindestens zwei der Produkte nicht in eine Schul-Jause gehören,
weiß mittlerweile jedes Kind. Aber Hausverstand kann man eben nicht
kaufen. Es ist ein Privileg, dass wir kritisch und wählerisch sein
dürfen: Seien wir es doch.
sd