6.02.11

Was ist da genau drin?

Doris Knecht | 02/11 | Kurier-Kolumne

Eine US-Mutter verklagt Nutella: Der Brotaufstrich sei keineswegs gesund und nahrhaft, wie die Werbung irreführenderweise behaupte, sondern das Gegenteil. Das mag überzogen wirken, aber nur wenn sich kritische Konsumenten wehren, wird die immer dreistere Nahrungsmittelindustrie reagieren. Was passiert, wenn nicht, zeigt das Beispiel Los Angeles: Die Kommune verbietet nun die Errichtung neuer Fast-Food-Restaurants im Stadtteil South Central L.A., weil ein Drittel der mehrheitlich unterprivilegierten Bevölkerung nicht mehr nur übergewichtig ist, sondern fettsüchtig. In der ganzen Gegend gibt es derzeit fast nur ungesundes, hochkalorisches Fertig-Futter.

Aber auch, wer die Wahl hat ... Die Kinder erzählen, dass mittlerweile ein großer Teil der Schulkollegen Fertig-Jausen-Sackerln der Supermarktkette mit dem Hausverstand dabei hat. Kein Wunder: Das gibt's ganz ohne Aufwand und plus kleinem Spiel für weniger als drei Euro. Das will man sich auch einmal ansehen und bestellt eins an der Feinkost-Theke.

Frage an den Mitarbeiter: Was ist da genau drin? Eine Extrawurst-Semmel, eine Milchschnitte, ein Flascherl Mineralwasser und ein Sackerl Pom-Bären. Und sind da immer dieselben Sachen drin? Ja, eigentlich schon. Kann man sich das nicht, wie auf der Website dargestellt, aussuchen und selbst kombinieren, also zum Beispiel einen Apfel statt der Milchschnitte? Nein, eigentlich nicht. (Aber der extrem freundliche Feinkost-Herr packt einfach noch einen Apfel dazu.)

Dass mindestens zwei der Produkte nicht in eine Schul-Jause gehören, weiß mittlerweile jedes Kind. Aber Hausverstand kann man eben nicht kaufen. Es ist ein Privileg, dass wir kritisch und wählerisch sein dürfen: Seien wir es doch.

sd
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