Doris Knecht
| 03/11
| Kurier-Kolumne
Es gibt ein bissl eine Gerechtigkeit auf der Welt. Dass toute vienne zugeben musste, dass Ruby eine der freundlichsten und charmantesten Damen war, die Lugner je auf den Opernball schleppte, ist sehr gerecht: angesichts des ganzen pikierten Igitt-Getues, das im Vorfeld über ihre Person hereingebrochen war.
Nicht nur, zum Glück: Ich habe sehr gern gelesen, wie Niko Fechter, die Designerin von Rubys Opernball-Kleid, die Sache in einem Interview kommentierte: „Wenn jemand eine moralische Schuld trifft, dann Herrn Berlusconi und den hätte man als Opernballgast sicher herzlich willkommen geheißen."
Wenn man sich, wie das News tat, die Verhörprotokolle der Mailänder Staatsanwaltschaft anschaut und liest, was Karima el-Mahroug, wie Ruby richtig heißt, in Interviews erzählte, ist Respekt vor der Gelassenheit dieser 18-jährigen eigentlich die einzig angemessene Reaktion. Im Alter von neun Jahren wurde sie von zwei Onkeln vergewaltigt. Als sie zwölf war, übergoss der Vater sie mit heißem Öl, weil sie katholisch werden wollte, und schlug sie auf regelmäßiger Basis mit Gürteln und Stromkabeln. Sie lief weg, man griff sie auf und steckte sie Heime für psychisch Kranke, wo sie belästigt wurde, bis sie wieder weglief. Um dann wiederholt, wie News schreibt, „in der Obhut bedenklich betagter Tröster" zu landen.
Und schließlich in der Prostitution. Als sie mit 17 wegen Diebstahls aufgegriffen wurde, lag ein Suchbefehl für sie vor: sie sei zu ihrer eigenen Sicherheit in einem Heim unterzubringen. Was nicht geschah, weil sich stattdessen der italienische Premier persönlich ihrer annahm. Wir wissen wie.
Am Opernball hatte Ruby offenbar trotz Lugner wirklich Spaß. Der sei ihr aufrichtig gegönnt.