6.03.11

Sehen wir es doch positiv!

Doris Knecht | 03/11 | Kurier-Kolumne

War irgendjemand überrascht, dass auf mehr als 20 Beamten im Justizministerium der Verdacht der Korruption lastet? Ach, wirklich. Wenn man hier soetwas hört, schaut man doch nicht einmal vom Schuhbandlbinden auf. Aha;  wo sind schon wieder meine Handschuhe?
Kürzlich sollte ich in Berlin ein paar Deutschen erklären, warum gegen KHG zuerst gar nicht und jetzt so schleppend ermittelt wird. Naja, ganz einfach: Weil die Gefahr, dass dabei etwas herauskommen könnte, einfach zu groß ist. Das will man lieber nicht riskieren. Am besten  gar nicht daran rühren. Erstens macht es viel extra Arbeit, Überstunden gar, da erwachsen dem Steuerzahler nur unnötige Kosten, und wir müssen schließlich alle sparen.
Und wenn zweitens tatsächlich etwas dabei herauskommt, kommt eventuell noch mehr heraus,  und macht Risse im Fundament und bringt am Ende vielleicht das ganze schöne, für viele so profitable und gemütliche System ins Bröseln. Korruption? Böses Wort, sagen wir es doch, wie in dem Erste-Bank-Vorfreude-statt-Vorsorge-Spot, lieber freundlicher. Sehen wir es positiv! Wir sind eine christlich geprägte Nation und fühlen uns der Nächstenliebe verpflichtet: Man hilft einander in guten Zeiten und lässt sich auch in schlechten nicht im Stich. Was soll daran schlecht sein?
Gut, dergleichen mag  anderswo, drüben bei den grummeligen Deutschen zum Beispiel, einen Gout haben, hierzulande aber gehört Einehandwäschtdieandere zur Folklore wie der Apfelstrudel, die Mozartkugeln und die Melange. Und unsere Traditionen lassen wir uns so wenig madig machen, wie wir uns von der EU die Paradeiser durch Tomaten ersetzen lassen. Das ist schließlich Österreich: ein gutes, liebes Land.

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