8.04.11

Die armen Kabarettisten!

Doris Knecht | 04/11 | Kurier-Kolumne

Auf youtube kann man sich immer und immer wieder das Interview anschauen, das Justiz-Ministerin Claudia Bandion-Ortner letzten Mittwoch in der Zib2 Armin Wolf zur Kritik an der Beendigung der Eurofighter-Ermittlungen gab. Oder besser gesagt: nicht gab.
Wenn man sieht, wie Bandion-Ortner hier lavierte, macht man sich ernsthafte Sorgen um das politische Kabarett in Österreich: Weil, wovon werden die Kabarettisten leben, wenn die österreichischen Ministerinnen und Minister ihnen weiterhin mit derart bizarren Wortmeldungen das Wasser abgraben? Wer geht noch ins politische Kabarett, wenn man nur die Nachrichten zu schauen braucht, um die originellsten und komischsten Begründungen frei Haus von  Politikern persönlich geliefert zu bekommen? Wo man zuhört und sagt: Hahaha, die meint das nicht ernst, oder? Sie glaubt nicht wirklich, dass uns das reicht?
Die Frage ist natürlich, ob man von solchen Lustigen auch regiert werden will. Und wer das will: Z.B, wenn  man sich einmal anschaut, wie viele Wählerinnen und Wähler allein auf Facebook in den letzten Tagen Bandion-Ortners Rücktritt gefordert haben, weil sie einfach nicht mehr fassen können,  wie in Österreich Politik gemacht wird. Und wie die Justiz hier arbeitet.
Und weil wir in Österreich zahlreiche solche Politiker und Ex-Politiker haben, die derartige Interviews geben, braucht der Kabarettist Florian Scheuba seine Programme jetzt gar nicht mehr selber zu schreiben, sondern montiert, wie in seiner nach wie vor erfolgreich im Rabenhof aufgeführten „Unschuldsvermutung", einfach Original-Zitate aneinander. Die Wirklichkeit lässt sich nämlich, wie gesagt, eh kaum mehr toppen. Vielleicht wird ja auch Bandion-Ortner bald im Rabenhof zu hören sein.
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