4.04.11

Ganz normale Wunder

Doris Knecht | 04/11 | Kurier-Kolumne

Folgendes. Die Klospülung funktionierte nicht. Fünf Tage lang. Das ist einerseits ein minderschweres Problem. Man stellt einen Kübel Wasser daneben, gemma.  Andererseits ein lästiges:  Der Kübel muss ständig in der Küche nachgefüllt  und durchs halbe Haus geschleppt werden, das Wasser schwappt über und daneben, der Boden der Toilette ist permanent feucht, den Kindern ist der Kübel sowieso zu schwer, undsoweiter.
Zwei Tage hofft man auf das Wunder der Selbstreparatur, soll ja vorkommen. Am dritten holt man die Rohrzange, schraubt daran herum, und erzielt außer einer überdrehten Schrauben keinerlei Effekt. Am vierten Tag überlegt man, ob man den Gartenschlauch rund ums Haus und durchs Toiletten-Fenster führen soll. Am fünften sucht man schon einmal die Telefonnummer vom Installateur heraus, ruft dann aber doch erst noch einmal den netten und allwissenden ehemaligen Besitzer von Haus und Toilette an, der einen freundlich und mit seit Jahren nichtendenwollender Geduld in den Keller schickt, mit der Aufforderung, dort an einem grünen Rad zu drehen und aufzupassen, dass daneben das Ventil zu ist. Das macht man, und die Klospülung rauscht wieder.
Und das ist so ein Moment. So ein Moment umfassender Dankbarkeit: Wenn eins der Dinge, die das Leben so selbstverständlich erleichtern, endlich wieder selbstverständlich das Leben erleichtern. Ganz kurz wird man gewahr, was alles nicht selbstverständlich ist: warmes Wasser und  Strom aus der Wand. Musik oder die Stimme des 700 km entfernten Vaters aus einem winzigkleinen Kasterl. Ein Wasserklosett. In zwei Tagen ist alles wieder normal, aber einen Moment lang ... ein Wunder, ganz klar. 
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