Doris Knecht
| 04/11
| Kurier-Kolumne
Leser Michael F. hat meine Radlerkolumne vom Samstag gelesen, die mit der Polly, der M. und dem Bürgermeister, die jetzt alle radeln. Herr F., ein Mann, der beruflich viel unterwegs ist, fühlte sich davon provoziert: „Wenn Sie mir jetzt verraten könnten, wie ich zum Beispiel meine heutigen Termine (Schwechat, 3. Bezirk, Schwechat, 1. Bezirk, 3. Bezirk, 9. Bezirk, 19. Bezirk) bei Regenwetter, im Anzug und mit zwei Hunden mit dem Fahrrad absolvieren soll: Dann reaktiviere ich meine beiden Radln gern. Herzliche Grüße, Michael F.".
Herr F.! Das verlange ich ja gar nicht. Ich habe nie gesagt: Verkaufen Sie Ihr Auto und erledigen fortan alle Wege mit dem Rad. Erstens weil ich niemanden Vorschriften mache, zweitens weil das ein kompletter, fundamentalistischer Blödsinn wäre. Ich meine allerdings, dass es in der Stadt Wege und Strecken gibt, auf denen es sinnvoller ist, das Rad statt dem Auto zu benützen. Wenn man zum Beispiel im zweiten Bezirk in der Nähe des Donaukanals wohnt und im dritten Bezirk in der Nähe des Donaukanals arbeitet, böte es sich an, bei dafür geeignetem Wetter morgens und abends den Donaukanal entlang zu radeln, und sich selbst etwas Gutes zu tun, weil das nämlich schön ist und Freude macht. Mehr Freude, als Auto suchen, Staufahren, Parkplatz suchen, Auto suchen, Staufahren, Parkplatz suchen. Ähnliches gilt für die meisten Strecken unter fünf Kilometern.
Gut, man kann dabei Radio hören oder ein schönes Hörbuch, aber. Es geht doch um eins: bei der Fortbewegung in der Stadt flexibler zu werden. Und sich ideologiefrei anzuschauen, für welchen Weg sich welches Fortbewegungsmitel am besten eignet: Auto, Fahrrad, Öffi, Haxn. Mehr Auswahl, mehr Freude, weniger Stress: garantiert.