15.04.11

Mutter abgeschoben, Kind da

Doris Knecht | 04/11 | Kurier-Kolumne

Es geschah ohne Ankündigung und ohne Information des Anwalts: Mittwoch früh erschienen sieben Polizisten, um die alleinerziehende Frau T. und ihre Kinder nach Armenien abzuschieben: Der 13- und der 14-jährige Sohn waren in der Salzburger Unterkunft anwesend, in der die Familie seit 2006 lebt. Der älteste Bub, 17, hatte, da er nichts von der bevorstehenden Abschiebung wusste, bei Freunden übernachtet und war nicht da. 
Die Mutter versuchte den Beamten klar zu machen, dass sie ihr Kind nicht einfach zurücklassen könne, was die  Beamten nicht beeindruckte: Zammpacken, wir fahren. Sie wurden nach Wien   ins Familienanhaltezentrum Simmering gebracht, von wo sie Donnerstag Nacht nach Yerewan abgeschoben wurden. Ohne den 17-jährigen, der erst von der Abschiebung seiner Familie erfuhr, als diese schon unterwegs war.  Es ist momentan unklar, wo er sich jetzt aufhält. 
Die Familie war gut integriert, die Kinder besuchten Hauptschule und Polytechnikum. Der 13-jährige Afo konnte noch mit einer Betreuerin telefonieren: Er bat sie, seine Lehrerin anzurufen und ihr zu sagen, dass er nicht mehr kommen kann und sich leider nicht verabschieden konnte. 
Um mit den Worten der Band Die Sterne zu sprechen: Was hat uns bloß so ruiniert? Was hat uns in Unmenschen verwandelt, die so mit anderen Menschen  umgehen? Denen die Ängste von Müttern und Kindern völlig egal sind, die einfach minderjährige Kinder von ihre Müttern trennen und  ihrem Schicksal überlassen?
Familienfreundliche Politik, Menschenrechte, Kinderrechtskonvention: Nur für echte Österreicher.  Asylwerber sind in diesem Land Menschen zweiter Klasse, wir beweisen es jeden Tag. 

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