Doris Knecht
| 04/11
Am Montag wurde hier gefragt: Wollen wir wissen, was wir essen? Und es kamen dazu viele qualifizierte Antworen von der Leserschaft. Z.B.von Karin B., 18, die auf einem Bauernhof lebt.
Sie hat in einer Silvesternacht beschlossen, ein Jahr lang kein Fleisch zu essen und fand es anfangs durchaus schwierigt: vor allem am Tisch mit ihrer hemmungslos fleischverzehrenden Familie. Doch nach zwei oder drei Monaten habe bei ihr ein Denkprozess eingesetzt. Sie begann sich dem Thema zu beschäftigen, las Jonathan Safran Foers „Tiere essen" und wusste auf einmal: „Ich werde nie wieder Fleisch essen können - und es macht mir nichts aus."
Sie lebe jetzt ohne schlechtes Gewissen und könne den Kühen und den Hendln auf ihrem Hof „wieder in die Augen blicken". Sie finde es nun „paradox, dass ein Huhn sterben und leiden muss, nur damit ich dann fünf Minuten darauf herumkauen kann. Sie würden ja auch nicht Ihren Hund oder Ihre Katze essen, oder?" Sie wolle, schreibt Karin B., niemanden bekehren, aber eins finde sie: Jeder Erwachsene müsse sich mit dem Thema Tiere essen auseinandersetzen.
Dass sie mit dieser Forderung nicht allein ist, zeigt ein neuer Ausdruck. Neue Denkweisen und neue Lebensstile verlangen ja nach neuen Begriffen, und so lernen wir heute den Ausdruck Flexitarier. Es erinnert nicht zufällig an Vegetarier und bezeichnet laut Wikipedia einen Menschen, der weitgehend, aber nicht strikt fleischlos lebt: In einer Zeit, in der das Töten und Essen von Tieren und ihre meist grausame industrielle Massenhaltung immer öfter als moralisch fragwürdig debattiert wird, ist der Flexitarismus ein starker Trend. Richtung bewusste Ernährung: Auch wir hier debattieren weiter.