11.04.11

Wollen wir wissen, was wir essen?

Doris Knecht | 04/11 | Kurier-Kolumne

Eine Chronik-Meldung von letzter Woche brachte mich ins Grübeln. In einer deutschen Schule schlachtete ein Vater  im Rahmen einer Ernährungs-Projektwoche, in einer Klasse ein Kaninchen.
Die Schlachtung war angekündigt, es stand den Schülern frei, teilzunehmen oder nicht. Die Kinder streichelten das Kaninchen zum Abschied, dann tötete es der Mann weidmännisch und den Tierschutzgesetzen entsprechend, zog ihm das Fell ab und nahm es aus. Ein paar der freiwillig anwesenden Schüler brachen in Tränen aus, es kam zu Protesten einiger Eltern.
So. Jetzt. Was halten wir davon? Würden wir unseren Kindern das zumuten wollen? Oder uns selbst? Was am Ende auf die Frage zielt: Wollen und sollen wir und unsere Kinder wissen, was wir essen? Und unter welchen Umständen das, auf dem Teller oder zwischen zwei Semmelhälften liegt, dort hin gelangte?
Ihre Kolumnistin hat auf der Suche nach einer etwas ehrlicheren und naturnaheren Lebensweise einmal einen Jagdkurs begonnen und ihn dann aus Zeit- und ein paar anderen Gründen wieder abgebrochen. Letztendlich vermutlich deshalb, weil ich doch auf kein Reh schießen möchte. Und ihm das Fell abziehen. Und es ausnehmen. Ich bin feig; und deshalb froh, dass das andere für mich tun: weil ich nach wie vor und allen moralischen Bedenken zum Trotz ab und zu gerne Fleisch esse.
Aber wenn möglich eben nur noch Wild oder Bio-Fleisch oder solches, von dem man weiß,  dass das Tier gut und artgerecht gelebt hat und in einer gewissen Würde zu Tode kam. Am liebsten ein Hendl von Freund Horwath, von ihm gefüttert, geschlachtet und geschmort. Oder eben ein Kaninchen, das davor noch von Kindern gestreichelt wurde.
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