Doris Knecht
| 05/11
| Falter-Kolumne
Wenn man starke Schmerzmittel mit Alkohol kombiniert, hört man endlich die Anleihen, die The National bei den Rollings Stones machen. Da! Eindeutig! Es geht mir gerade wie Zuckerman in der Anatomiestunde, minus die geilen Weiber. Man soll nicht zwei volle Gießkannen herumschleppen, wenn man eh schon Rücken-Probleme hat. Wobei, das Schleppen war gar nicht das Problem, aber absetzen hätte man sie nicht sollen. Schmerz durchschnitt das Rückgrat und warf einen ins Gras. Dort lag man am Rücken wie ein großer blaugrüner Käfer aus einer LSD-Halluzination, bis einen der Lange entdeckte, der es etwas exaltiert fand, wegen ein paar erfrorener Zuccinisetzlinge gleich in den Rasen zu schluchzen. Bringstumir bitte zwei Seractil und ein Glas Wasser, danke.
Aber jetzt, jetzt könnte es schlimmer sein. Ich könnte, so wie letztes Mal, die Sache nicht ernst genommen haben, so dass dann der Notarzt mit der großen Valiumspritze kommen musste. Stattdessen liege ich nur reglos am Rücken und dämmere im Schatten eines Birnbaums der Nacht entgegen. Der Lange ist ausnahmsweise ein braver Sklave und gibt nichts auf die Gerüchte, das man Schmerzmittel und Spritzwein nicht mixen soll. Was es sehr erleichtert, eben erst kürzlich postulierte Absichten mit Halleluja wieder in den Wind zu schießen.
Die Sache mit den Mimis nämlich: Nicht nur Leserinnen beklagen, dass sie hier nicht mehr vorkommen, auch die Mimis selbst. Sind wir nicht mehr interessant genug?? Doch, aber. Aber auch die Kolumnistin findet es zusehends schwierig, eine moderne Doku-Kolumne ohne ihre persönliche Reality zu scripten, äh schreiben.
Denn es gibt mannigfaltige akute Alltagsprobleme zu besprechen: Ab wann braucht ein Kind ein Handy? Was ist das, eine Wertkarte, und wie funktioniert es? Muss man Kinder zwingen, im Haushalt mitzuhelfen, wenn diese Zwingerei eine Million Mal nervenaufreibender ist, als es selbst zu tun? Wie reagiert man, wenn ein anderes Kind (unüberraschenderweise ein männliches) einem der Mimis in abschreckender Absicht die Genitalien zeigt? Die nette Lehrerin sah sich jedenfalls zu einem besorgten Mail veranlasst. Das Kind hatte allerdings bereits von der Sache erzählt, als ihm das Frl. Friseuse gerade das von der Mutter auf seinem Haupt verursachte Desaster (Man muss nicht alles können!) in einen (Man sollte es dann halt auch nicht tun.) Haarschnitt zurückverzauberte, und hatte untraumatisiert gewirkt. Was die Mutter veranlasste, die Sache ihrerseits nicht zu dramatisieren - auslachen!, ignorieren! -, möglicherweise beeinflusst von ihrem eigenen sozialen Umfeld, das die Präsentation von Genitalien auch zur Unzeit an dafür nicht vorgesehenem Ort durchaus toleriert, wenn es die Situation erfordert. Oder die Kunst. Oder... Da, kein Zweifel: die Stones! Das Riff eben! Hören Sie das nicht?