24.05.11

Schreiben die manchmal verliebte SMSe?

Doris Knecht | 05/11 | Falter-Kolumne

Studiere gerade die Bilder vom letzten Rapid-Match. Die Vermummten auf dem Spielfeld. Interessant. Spooky. Diese Männer leben unter uns. Was machen die sonst so? Wo arbeiten die? Wie wohnen die? Wie und nach welchen Kriterien kaufen die ihre Möbel? Haben die Sex? Wie sind die im Bett? Was wählen die? Schauen die heimlich Arztserien? Weinen die, wenn sie allein sind? Was ist ihre Lieblingsspeise? (Na gut, ok, das ist leicht.) Haben die Kinder, und wenn ja: wie und was reden die mit denen? Diskutieren die mit ihrer Frau, in welche Schule die Tochter gehen wird? Haben die überhaupt eine Frau, eine Freundin? Und wenn ja: Was schenken die ihr zum Geburtstag? Können die kochen? Nach welchen Kritierien suchen sich die die Vorlagen für ihr Peckerl aus? Schreiben die manchmal verliebte SMSe? Schauen die heimlich Dancing Stars? Schauen die heimlich schwule Pornos? Wie melden sich die am Telefon? Sind unter den Vermummten auch Frauen? Warum nicht? Und wenn man ein Kind hat, das Fussball mag, wie erklärt man dem sowas?

Und noch eine Frage: Kann man diese Trotteln sozialisieren? Ok, auch hier bietet sich eine Antwort an: offenbar nicht. Das ist ja jetzt nicht zum ersten Mal passiert. Das gehört ja offenbar zur Rapid-Folklore, kann man nichts dagegen tun. Ist so etwas wie das letzte Leo, in dem man weitgehend unsanktioniert rassistisch und gewalttätig sein kann. Man werde, habe ich heute früh im Radio gehört, gegen jeden, den man auf den Fotos und Videobändern erkennen könne, entschieden vorgehen. Was offenbar heißt, dass die, nachdem sie sich ausgetobt haben, einfach vermummt aus dem Stadion hinaus und heimgehen, ohne dass sie jemand aufhält oder verfolgt. Ist das so? Interessant. Auch interessant, dass es in den Wiener Stadien offenbar Räume gibt, in denen die Hools ihre Wurfgegenstände und Feuerwerkskörper zwischenlagern können, damit sie dann während des Matches gut Zugriff darauf haben. Wer ist für derlei verantwortlich? Und wäre sowas in, sagen wir mal, deutschen Stadien auch möglich?

Das Kind geht jetzt nicht mehr Fußball, eh schon länger, und wenn man das sieht, ist es einem total recht. Es will jetzt Karate lernen, und mit diesen Kerlen vor Augen hat findet man das als Mutter tendenziell eine Spitzenidee und unterstützt das sehr gerne.

Während die Mutter (Achtung, jetzt wird es erst richtig brutal) nun wahrscheinlich allmählich bereit wäre für Yoga. Innen in Ruhe, außen in Form, so in der Art. Die Frau mit den healing Hands, die einem den Lumbago wieder weggezaubert hat (sie selber nennt es Ostheopatie) findet das auch eine gute Idee. Andererseits: Was ist, wenn ich wirklich meine innere Ruhe finde? Wenn mich nichts mehr aufregt und ich mich nicht mehr aufpudeln will? Schon gar nicht öffentlich? Wenn ich plötzlich normal werde? Wovon lebe ich dann? Vielleicht doch noch mal darüber nachdenken, hm.
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