Doris Knecht
| 07/11
| Falter-Kolumne
An sich war die Idee gut. Eine exzellente Strategie zur Überwindung des innernen Faulsacks. Der heurige Sommer soll nämlich auch der körperlichen Ertüchtigung gewidmet werden, wofür es, wie sich im letzten Herbst bitter zeigte, leider nicht reicht, ein paar Mal täglich zum Gemüsebeet und zurück zu gehen und ab und zu hinüber zu den Horwaths auf ein Glas Wein. Es fing auch alles vielversprechend an, man war in Kroatien täglich kampfgeschwommen im Meer, tatsächlich täglich, bis auf einen von den Tagen, an denen wir alle herumlagen wie die erschlagenen Fliegen. Die Horwathin und ihre Schwester hatten Schädelweh, dem Langen war schlecht, der Horwath ging nach dem Frühstück wieder ins Bett und ich fand es um halbzwölf höchste Zeit für einen Mittagschlaf. Wir schoben die Schuld auf der Hitze, auf die Erschöpfung durch unmäßige Erwerbsarbeit und auf das kroatische Weißbrot, bis wir nach zwei hundskaputten Tagen endlich kapierten, dass wir alle auf Entzug waren, weil der Lange irrtümlich koffeiinfreien Espresso gekauft hatte, Oida. Danach schwamm ich wieder und dachte, während ich schwamm, über das Leben nach und darüber, wie ich ab nun täglich laufen würde, und zwar täglich, komme was wolle.
Nach einer Woche im Waldviertel hatte ich den Garten nicht verlassen, bis auf zweimal Weintrinken beim Horwath und einmal Pfau schauen bei Künstlers. (Weil Sie gefragt haben: Der Pfau wurde bekanntlich vom Horwath eingefangen, eingesperrt, benannt, gefüttert, nach drei Tagen freigelassen und spazierte eine Stunde später wieder bei Künstlers durch den Garten. Der Horwath will jetzt nicht mehr über den Pfau sprechen. Künstlers haben dem Pfau eine neue Frau gekauft, während wir in Kroatien waren. Der Pfau schreit jetzt nicht mehr, er juhut nur noch verliebt.) Ich erkannte: Ohne Personal Trainer wird das nichts mit dem täglichen Sport, ich brauche einen Personal Trainer.
Ich ging zu den Mimis und sagte: Wer hat Lust, mit mir laufen zu gehen? Das eine Mimi, das sehr nach dem Langen kommt, zeigte mir wie vorgesehen den Vogel, das andere Kind, das mit den Fetischen und dem Ritualisierungszwang, rannte ins Zimmer und zog sich ein Laufgewand an. Wir liefen los. Also, ich lief, das Kind rannte vor und zurück und fand, das sollte man öfter machen. Am nächsten Morgen stand das Kind um sieben im Schlafzimmer und fragte, wann wir endlich laufen gehen. Ich sagte: später vielleicht. Das Kind kam später wieder, und fragte, wann wir endlich laufen gehen. Ich sagte: Schau aussi, es schifft!, morgen vielleicht. Zehn Minuten später lief ich mit dem Kind, das die Nie-machst-du-etwas-mit-mir-immer-nur-leere-Versprechungen-Strategie angewandt hatte, durch tropfendes Grün. Ist doch schön, nur wir zwei im Wald, sagte das Kind, morgen laufen wir wieder, oder. Ich keuchte zustimmend. Es regnete mir in die Augen. In der Ferne juhute ein Pfau.