Doris Knecht
| 01/12
| Falter-Kolumne
Jetzt mal ein paar Worte zu Lana del Rey. Ihr wisst schon, das Mädchen mit den dicken Lippen und den Abermillionen You-Tube-Clicks für gerade mal zwei oder drei Songs. Und ja, die ist schon sehr gut, in ihrer charmanten Verrutschtheit, ihrer sexy Übersexyness: die Schlampenmanicure, der leere Schlafzimmerblick, das wunderschöne „Video-Games"-Video; flimmernder, verschwitzter, verkokster, californicationistischer L.A.-Style. Aber da ich mirs aussuchen darf, nehm ich stattdessen trotzdem lieber etwas anderes. Die puristische Wohnwagenfrau Laura Gibson („La Grande") zum Beispiel, im Moment aber vor allem die kleinen Skandinavierinnen von First Aid Kit, deren zweites Album jetzt gerade erscheint.
Der Titeltrack „The Lion´s Roar" läuft bei mir derzeit auf Repeat, man kann dazu, wenn die Kinder im Bett sind, schön betrunken und sentimental und missionarisch werden, also postete ich das Video auf Facebook. In dem Video gehen ein paar Mädchen mit interessanten Nasen im Mittelaltermodus durch einen kalten Wald und rudern in spinnerten Kleidern über kalte Seen, merkwürdig und altmodisch hippie-gothic, aber irgendwie auch sehr schön in seiner distanzierten Strenge und Ernsthaftigkeit. „Olsen Twins meets Enya meets Laura Nyro meets Kelly Family", kommentierte Campolongo. „Totaler Hippiemüll", befand Sedlacek, und ob dafür Ian Curtis sterben habe müssen, damit solcher Dreck wiedererstehe. „Lana del Rey hat beim Autogrammgeben nach dem Berlinkonzert immerhin gesagt: I think, i'm going to die", prahlte der Lange, „auf solche Ansagen wartest du bei denen vergeblich."
Natürlich kann man Del Rey und First Aid Kit und Laura Gibson einfach nebeneinander stehen lassen. Natürlich muss man das gar nicht vergleichen. Aber man kann. Weil hier hier zwei sehr verschiedene Frauentypen vorstellig werden, und weil die Herren Facebook-Kommentatoren voll klischee darauf reagiert haben. Na eh hört man lieber ein gehauchtes „It's you, it's you, it's all for you..." als ein hantiges "I´m a goddamn fool, but again: so are you."
Aber, Männer: Glücklich werdet ihr nicht mit Lana. Lana wird euch noch ein oder zwei Alben lang sexy Dinge ins Ohr flüstern und dann in eine schwere Depression sinken und vermutlich bei der Selbstmedikation verunfallen. Glücklich werdet ihr mit den komplizierten, strengen Mädchen mit den komischen Haaren, die sich und euch ernstnehmen, die mit euch streiten und euch einen Trottel heißen, wenn ihr wieder einmal besonders deppat warts. Während es Lana nach ein paar Hysterieanfällen wurscht sein wird, und das wird euch bald nicht mehr wurscht sein, und ihr werdet in der Leere ihrer Augen irgendwann nicht mehr das Verlangen sehen, ihr Leben mit Sinn (also euch) zu füllen, sondern Leere. Sagt also nicht, dass ich euch nicht gewarnt habe. Und, btw, der Lange hat gar kein Autogramm von ihr.