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Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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 moblog  picture - 17. June 2008 08:08 
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Soll doch bitte jeder glauben, was er will

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17.11.09

Wenigstens ist das Wetter schön

| Comments (0) | 11/09 | Arbeit & Wirtschaft

Was jetzt? Ich weiß nicht. Die letzte Woche war: Ich weiß nicht. An vielen Orten gewesen. Jägerschule, Prater-Schihütte, Büro, Hold, Laternenfest, Annas Sofa, Polly Adlers Sofa, Kunsthalle, Bett, Internet, Roter Elefant, Folio-Fest, Millis neuer Küche, Wetter, Novelli und hinter den Plattentellern vom phil. Mit vielen interessanten Leuten geredet oder leider nicht, aber ich weiß nicht. Das führt mich wieder nur geradeaus in eine Faustwatsche des Kollegen Dings, der mich rügt, dass ich neuerdings nicht einmal mehr die elementarsten Regeln des Kolumnismus berherzige, nichts als verschwommene Andeutungen, deppertes Namedropping, lose Enden und narrative Sackgassen, aus denen sich der Leser dann genervt wieder auf den Rückweg machen muss, und du kommst dabei im übrigen ziemlich unsympatisch rüber. Ja. Weiß ich. Aber wenn das nun einmal mein Leben ist?

Dann erfinde dir ein besseres, nein: erfinde mir ein besseres, ein schachtelsatzfreies, mit einer Struktur und guten Pointen an den richtigen Stellen, ist mir völlig powidl, ob das gelogen ist oder wahr. Ich weiß nicht. Ich weiß nicht. Erst einmal frühstücken. Und an etwas Schönes denken.

Schön ist zum Beispiel das Wetter. Also das neue Lokal am Yppenplatz, von Lea Redolf und Raetus Wetter, vormals Expedit. Dort stimmt alles so wunderbar (bis auf den, so die Mimis, höchst beklagenswerten Umstand, dass es zur Weißwurst kein Ketchup gibt), ich könnte dort tagelang versacken, was allerdings elementar damit zusammenhängt, dass man sich, nachdem man eine von Wetters Appenzeller Käsefladen gegessen hat, stundenlang nicht mehr rühren und gerade noch den Arm zum Verdauungschnapsordnern lupfen kann.

Wien wird ja augenblicklich von einem Bobo-Wettrüsten in Atem gehalten: Brunnen- oder Karmeliterviertel? Wo gibt es die lässigeren Lokale, die besseren Marktstände, das Slow-Food-Futter, die Bio-Artischocken, die selbstgepupsten Marmeladen, wo wohnen die cooleren Promis? Seit der Wetter das Wetter eröffnete, steht es 103 zu 102, wenngleich ich am Yppenplatz jetzt nur einen toten Schriftsteller weiß und am Karmeliter-Platz drei lebende; dafür am Yppenplatz viel mehr Musiker, und zwar von den guten; einer tauchte im Wetter auf, als ich gerade drohte, ob der Last der Käseflade unter den Tisch zu rutschen.

Überhaupt kannte ich im Wetter die halbe Gästeschaft, was Neo-Phobiker wie ich zu schätzen wissen, die vor Neuem scheuen und es gerne haben, wenn alles vertraut ist, wenn alles so bleibt wie es ist und es eine Woche oder drei immer das gleiche großartige Essen und den gleichen fantastischen Song gibt, die nie den Mann wechseln und sich die perfekte Jeans gleich dreimal kaufen. Die Pointe für den Dings wäre jetzt, dass sich das mit den Jeans bewährt hat, weil mir noch am Samstag, vermutlich käsefladeninduziert, das Hosentürl platzte, und es wäre zudem original wahr, aber das ist mir zu aufgelegt, sorry, echt nicht.
26.08.09

Das habe ich mir bitte redlich verdient

| Comments (0) | 08/09 | Arbeit & Wirtschaft

Allmählich erreiche ich den Punkt, wo es schwierig wird, etwas zu erzählen, weil das Sommerprogramm „Ereignisarmut“ seine Wirkung beängstigend effizient entfaltet. Seit zwei Monaten erschlage ich tagsüber Wespen und lausche abends dem Fluss, und es ist gut. Nichts fehlt. Ich bin soweit, dass ich dem McDings, der seine Ferien ebenfalls in vertrauter Umgebung verbracht hat, maile, ja, genau, das sei doch gut, die Menschen erlebten viel zu viel, allgemeines Mindererleben sei doch für die Menschheit und für den Klimawandel viel gesünder. Also quasi diesen Satz von Pascal, von dem Unglück, das allein daher rühre, dass die Menschen nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen, als Ökobilanzrechnung. Ich vermag das mittlerweile unglaublich gut, wenn man jetzt einmal das Zimmer etwas größer fasst und ein bisschen Wiese, den Fluss, ein paar Bäume und Kinder hineinstellt. Und etwas zu essen und zu trinken, was weil man nicht immer nur Holundersirup, Zucchini, Erdäpfel oder Paradeiser aus dem Garten zu sich nehmen mag, was zugegebenermaßen Autofahrten nach großzügig entfernten Das und Dorts erfordert. Der Dings mailte etwas überaus Bedachtes zurück, nämlich, dass das, was ich eben gemailt habe, ein kompletter Unsinn sei, man müsste im Gegenteil die Menschen dazu zwingen, viel mehr zu erleben und tüchtig was von der Welt sehen, weil das das Hirn erweitere. Ja ja! Ich meinte doch eh: uns. Wir haben uns das wenigstens temporäre Nichtserlebenmüssen unter selbstloser Gefährdung unserer Gesundheit redlich verdient. Ja, mailte der Dings. Damit war auch dieses Ereignis vorbei.

 

Es ist zudem schwierig, zu arbeiten, weil sich ein Arbeitszimmer hier nicht ausgeht und die Kinder sich den Satz „Ich muss jetzt arbeiten“ nicht länger als zwei Minuten merken. Merken können. Wollen. Dann verlangen sie ein Honigbrot oder stellen sich mucksmäuschenstill in einem 45-Grad-Winkel neben den Computer, treten von einem Bein auf das andere und strahlen mich mit ihren glänzenden Kinderaugen rücksichtsvoll an. WAS!!!! Es ist, weil sie diese Erstklässlerrechenaufgabe auf ihrem Nintendo nicht verstehen. Es gibt für den Nintendo ja auch pädagogisch unheimlich wertvolle Lernspiele. „Fülle die leeren Kästchen richtig aus. Rechne mit Plus oder Minus.“ Wie? Welche leeren Kästchen? Was rechnen? Versteh ich auch nicht, frag den Papa. Der Lange kapitulert ebenfalls, also spielen sie wieder Supermario.

 

Und zwar ohne den Nachbarsbuben, weil dem habe ich, damit es zu keiner Straftat kommt, ganz auf erwachsen eine freundliche Rede gehalten, dass er bitte ein paar Tage nicht kommen soll, weil uns das zuviel wird. Jetzt war er schon so viele Tage nicht da, dass ich Angst habe, dass ich seine zarte Nachbarsbubenseele nachhaltig gekränkt habe. Ich überlege schon, ob ich ihn mit einem Honigbrot herüberlocken soll. Nein, lieber nicht, der kommt schon wieder.



Boboville
Boboville - Residenz Verlag

26.03.08

Fick deine Mutter

| Comments (6) | 03/08 | Arbeit & Wirtschaft

Diese Woche brachte die erfreuliche Nachricht, dass die Mimis einen Platz an dieser kuscheligen, kleinen Schule haben. Es sind dort alle sehr nett und engagiert und pro Klasse gibt es, schätze ich, ungefähr zwei Ausländer, Schweizer oder Dänen oder so, deren Eltern vermutlich im Management eines BioFood-Distributors arbeiten. Oder bei der UNO. Wir haben den Kindern auch realitätsnähere Schulen gezeigt, mit rauchenden, kraftwörterspuckenden Hauptschülern am Schulhof, in die sie trotzdem nicht wollten. Zugegeben, es ist leicht, zwei Sechsjährige dazu zu kriegen, unbedingt an die kleine, engagierte Schule zu wollen, wenn sie dort beim Tag der offenen Tür zehn frühere Kumpels aus dem Kindergarten in den Klassen treffen und die Kinder der Freunde, der Nachbarn und anderer bildungsnaher Eltern, die ihren Nachwuchs ebenfalls gern an einer kuscheligen, kleinen, engagierten Volksschule ohne gewaltaffine 14jährige wissen.
  Und wo das schlimmste Wort, das die Erstklässler nach Hause bringen, etwas ist wie wie wie... wie Nutella. Mama, was bedeutet das: Nutella? Das, Kind, ist ein ganz böses ... weiter lesen ...
10.01.08

Das gibt nicht genug her

| Comments (2) | 01/08 | Arbeit & Wirtschaft

Nun wurde das neue, in Venedig erstandene Ledernotizbuch eröffnet: Eine herrliche und dabei preiswerte Handarbeit aus gutem, erstklassig gebundenen Papier innen und dickem, geprägtem Rindsleder außen, in das ich nur mit dem Akkuschrauber zwei Löcher bohren musste; für das Gummiband. Das Gummiband ist das einzige, was das alte Moleskine-Notizbuch dem venezianischen voraus hatte, ansonsten ist dieses gesamte Moleskine-Zeug völlig überschätzt und überpreist. Bei meinem musste ich schon nach wenigwöchiger Nutzung die Außenhülle mit Gaffertape reparieren, was nicht wundert, ist ja keine Maulwurfshaut, sondern offenbar chinesisches Polyester, und innen rissen die Fäden. Man müsste meinen, dass ein mit dem Etikett „legendär“ erworbenes Notizbuch die regelmäßige Aufnahme von Notizen verkraften können müsste. Allerdings stehen, was ich von dem venezianischen noch nicht behaupten kann, im alten Fetzenbuch verwendbare Notizen drin, und zwar nicht nur deswegen, weil ich sie  ... weiter lesen ...
05.09.07

War nur ein Schmäh

| Comments (0) | 09/07 | Arbeit & Wirtschaft

Wichtige Fragen müssen erörtert werden: Wird man tot, wenn man sich das Schnitzmesser in den Bauch rammt? Oder muss man nur ins Krankenhaus, wo sie einem die Eingeweide mit langen Nadeln zusammennähen? Das Schnitzmesser ist Teil des üblichen Russisch Roulette des Kindergroßziehens, welches dadurch verkomplizierrt wird, dass hundert Eltern von Fünfjährigen hundert Vorstellungen davon haben, was Fünfjährige können müssen oder dürfen sollen. Sollen beispielsweise Fünfjährige allein eine mittelstark befahrene Landstraße überqueren dürfen? Ich bin dagegen, was aber damit zu tun haben könnte, dass ich mit fünf auf einer mittelstark befahrenen Landstraße über den Haufen gefahren wurde, vier Wochen im Krankenhaus lag, dort von meinen Eltern nur einmal die Woche besucht ... weiter lesen ...
27.06.07

Sag es mit Binder & Krieglstein

| Comments (1) | 06/07 | Arbeit & Wirtschaft

Diesmal sind wir einen halben Tag vor den Horwaths im Landhaus der Horwaths und hallo, ist der Garten grün. Fett. Alles explodiert in Blatt, Blüte und Frucht und, schau, die Ribisel sind auch reif, sie sind so reif und süß, dass sie die Kinder freiwillig mit vollen Händen in ihre Mäuler schaufeln. Wenn die Ribisel im Garten meiner Oma selig so reif war, plegte meine Oma uns Kinder und wen sie sonst erwischen konnte, mit Küberln zu behängen, und die Ribiseln wurden, bevor sie die Sonne vertrocknen und die Vögel fressen konnten, abgenommen, abgebeerlt, zu Marmelade verkocht, tschüss bis nächstes Jahr. Und weil ich so eine Streberin bin und immer die Suprigste und Patenteste sein will, nehm ich mir gleich ein Küberl und brock die Ribisel, und noch ein Küberl und noch eins, und während ich meinen Rücken trotz Hexenschusswarnung nicht schone, fühle ich mich unglaublich gut: Ich bin nämlich keine von denen, die ... weiter lesen ...
16.05.07

Wo das Bewußtsein wohnt

| Comments (0) | 05/07 | Arbeit & Wirtschaft

Na klar ist der Einzelhandel gegen  den deutschen Vorschlag einer „Fettsteuer“: Damit sollen künftig Lebensmittel belegt werden, die dafür verantwortlich gemacht werden, dass immer mehr Menschen,  sprechen wir’s gelassen aus, fett und fetter werden. Wär’s ein individuelles Problem wär’ s ja keins, aber es ist längst ein gesellschaftliches, das das allgemeine Gesundheitskonto erheblich  belastet. Weil halt so viele Krankheiten damit zusammenhängen, wieviel wovon die Leute essen.
So argumentieren natürlich auch die Gegner der Fettsteuer: Liegt ja nicht an den Lebensmitteln an sich, an Schokolade und Chips, liegt an den Leuten, die es bei deren Verzehr über- und bei der Fettverbrennung untertreiben.  Und das stimmt natürlich.
Aber es sind ja sowieso alle Einzelmaßnahmen per se sinnlos. Notwendig wäre: Ein gesamtgesellschaftliches Bekenntnis zu einer besser ernährten, gesünderen Bevölkerung. Eine weitreichende  von Politik, Handel, Industrie und Medien getragene Initiative, die in absolut alle Bereiche dringen müsste: effizient dringen müsste. Was heißt: von der Kinderkrippe bis ins Altersheim müsste die Dreifaltigkeit Evaluierung, Aufklärung, Veränderung wirksam werden. Ein Ruck müsste durchs Volk gehen.
Weil es zum Beispiel nichts bringt, wenn Kinder im Unterricht  lernen, wie man gesund lebt und dann in der Kantine Schnitzi, Cola  und Schokoriegel snacken und zuhause vorm Fernseher oder Computer zu Abend essen.
Allerdings: Bei vielen Leuten wohnt das Bewusstsein nun mal im Portemonnaie. So gesehen ist eine Fettsteuer vielleicht eine sinnvolle Maßnahme. Aber eben nur eine unter vielen koordinierten.
13.05.07

Danke, Kinder, lassen wir das jetzt.

| Comments (0) | 05/07 | Arbeit & Wirtschaft

Meine Mutter hat den Muttertag schon vor Jahren abgeschafft: Danke, Kinder, lassen wir das jetzt. Sie braucht sowas nicht, sagt meine Mutter. Sie finde das eher lästig. Ehrlich gesagt habe sie das schon früher ziemlich unnötig gefunden, und als die  Phase der selbstgebastelten Muttertagspräsente von vier Kindern endlich vorüber gewesen sei, habe sie das, seid’s mir nicht bös, mit herzlicher Dankbarkeit erfüllt.
Natürlich habe sie sich über jedes aufgestotterte Gedicht, jedes schräg intonierte Lied, jede beschmierte Gipsschale, jeden schiefen Häkeltopflappen, jeden laubgesägten Kleiderbügel so aufrichtig gefreut,  wie man es von einer glücklichen Mutter erwarte, keine Frage. Aber jetzt sei sie über gleichmäßig übers Jahr verteilte Zeichen von Liebe, Zuneigung und  Respekt wesentlich glücklicher. Etwa in dem wir sie regelmäßig besuchen und anrufen und sie nicht über die Maßen mit Enkelkinder-Beaufsichtigungswünschen belästigen.
Denn meine Mutter ist der Meinung, dass sie sich nach mehr als 25 Jahren Kindervollversorgung inkl. beträchtlicher Aufopferung ein natürliches Recht auf ein wenig Selbstverwirklichung erworben habe, und falls wir ihr dafür unsere Dankbarkeit erweisen wollen, dann bitte, indem wir uns um unsere eigenen Kinder wenn möglich selber kümmern. Also, dass wir das nicht falsch verstünden, sie liebe ihre  Enkel, habe sie gern um sich und  nichts dagegen, hin- und wieder ein wenig auf einen oder zwei von ihnen aufzupasse, aber nicht auf einer täglichen Basis.
Das alles - besser: auch das alles - finde ich an meiner Mutter so großartig. Und auch zum Dank dafür rufe ich sie am Muttertag nicht an. Aber am Tag davor. Und am Tag danach.
11.05.07

Rudel-Komasaufen, Juhu

| Comments (0) | 05/07 | Arbeit & Wirtschaft

Alle freuen sich wie dulliö auf die Fußballeuropameisterschaft, nur ich nicht. Na ja, Ursula Stenzel auch nicht.  Frau Stenzel fürchtet die Massen, den Lärm und den Dreck, den die Euro 08 in ihre City spülen wird. Und mit was: mit Recht.
Nun erwägt die Innenstadt-Bezirksvorsteherin offenbar ein Pinkelverbot mit entsprechender Beschilderung  für die Parks entlang der geplanten Fanmeile am Ring, denn sie sorgt sich um die innerstädtischen Grünräume; um die Rosen im Volks- und die Bäume im Burggarten. Das tut sie auf der Basis schlechter Erfahrungen: Nicht eigener, sondern deutscher, denn bei der letztjährigen Fußball-WM, es beutelt mich schon beim bloßen Hinschreiben, wurde der Berliner Tiergarten, der unglücklicherweise entlang der Fußball-Fanmeile zu liegen gekommen war, täglich mit ca. 200.000 Litern Menschenurin getränkt. Ua.
Das  Urinieren an dafür nicht vorgesehen öffentlichen Orten wurde ja erst unlängst in den anschwellenden Unarten-Beschwerdegesang aufgenommen, der hier seit einiger Zeit erklingt, und den wir ab sofort  Liste lässlicher  Laster, kurz LLL, nennen wollen: Insofern ist ein Verbot  öffentlichen Herumbrunzens nur zu begrüßen. Befremdlich daran ist einzig, das es offenbar bislang nicht verboten war.
Was  einerseits natürlich als positiver Hinweis auf ein scheinbar   einigermaßen selbständig  funktionierendes Wiener Verantwortungsbewusstsein gewertet werden kann. Andererseits wundert gerade auch deshalb  die allgemeine Vorfreude-Euphorie auf ein Ereignis, bei dem das fröhliche Rudel-Komatrinken  mit allen bekannten Folgen  der Körperfunktionsbeeinträchtigung und (Verantwortungs-)Bewusstseinstrübung  ziemlich im Mittelpunkt steht.  Darauf könnte ich persönlich irrsinnig gut verzichten.
10.05.07

www.dahamisdaham.at

| Comments (0) | 05/07 | Arbeit & Wirtschaft

Nach Koch-und Deko-Dokusoaps sehen die Deutschen jetzt  gerne Auswanderer-Geschichten. Was die Prophezeiung zulässt, dass auch bei uns bald Auswandererdokus wie „Mein neues Leben“ laufen werden, in denen Menschen versuchen, Ausland Fuß zu fassen. Weil das Geschäft nicht   läuft oder  gar keine Arbeit zu finden ist, suchen  sie mit ihren Familien ihr Glück  an einem anderen, besseren Ort.
Da kann man sehen, wie die Exilanten, ist ja normal, mit Bürokratie, Sprach- und Anpassungsproblemen zu kämpfen haben und versuchen, ihr neues Leben zu  meistern, was nicht immer leicht ist. Aber  nie  wird in Frage gestellt,  dass jeder seines Glückes Schmied sein kann, dass jeder die Freiheit hat, selbst zu wählen, wo und wie   man sein Glück finden und maximieren will. 
Und keine Idee davon, dass diese deutschen Familien - und bei den österreichischen wird es nicht anders sein-, wenn sie sich über die Jahre  assimiliert, Existenzen aufgebaut, Steuern gezahlt,  in Gemeinschaften, Arbeitsstellen, und Schulen integriert  haben, plötzlich  aus der selbstgewählten, hart erarbeiteten Heimat vertrieben werden könnten.
Was Glück-Suchern, die es in Österreich gefunden, sich hier neue Existenzen aufgebaut, Steuern gezahlt, Kinder geboren, sich assimiliert, integriert und eine neue Heimat gefunden haben, jederzeit passieren kann. Sie werden auseinandergerissen, abgeschoben, aus der Heimat verjagt. Im Namen des Gesetzes.
Immer mehr echte Österreicher sagen: Nicht in meinem Namen. Diesen Namen kann man jetzt  unter eine Petition setzen, die die Grünen für ein faires, menschenwürdiges Bleiberecht initiert haben: www.dahamisdaham.at. 
Mögen es viele werden.
04.05.07

Sendung ohne Sendeplatz

| Comments (0) | 05/07 | Arbeit & Wirtschaft

Wenn jetzt noch ein paar Tausend unterschreiben, ist bald die Quote von „Mitten im Achten“ erreicht. Na, Witz, aber: Immerhin 1038 Unterschriften hat die „Petition ohne Namen“  im Moment beieinander,   ganz ohne mediales Getrommel.
Die Petition fordert, die Schlaumeier  ahnen es bereits, die Wiederaufnahme der „Sendung ohne Namen“. Die wurde nämlich soeben nach ihrer 114. Folge abgeschafft: Nicht wegen Erfolglosigkeit, nicht wegen mieser Quoten, nicht wegen  Abgenutztheit oder weil sie umstritten war, sondern aus dem offenbar einzigen Grund, dass die Sendung nicht  mehr ins neue ORF–Sendeschema passe.
Das ist schon möglich, aber natürlich eine interessante Begründung für die Absetzung einer Sendung, deren Grundprinzip sozusagen auf ihrer Contraschematik  basiert: Die „Sendung ohne Namen“ war immer auch die Sendung, die in kein Schema passt. Was genau ihren anarchischen Charme ausmachte, ihren Witz, ihr Überraschungsmoment: Dass in den 25 Sendungsminuten alles passieren konnte. Und meistens passierte ziemlich viel ziemlich schnell, was für gewöhnlich das  Gegenteil eines Garants dafür ist, dass das was geschieht, auch was Gescheites ist. Bei der „Sendung ohne Namen“ war es das aber praktisch immer.
Dafür gab es 2003 eine Romy, dafür wurde die Sendung beim New York TV-Film-Festival und in Luzern für eine Goldene Rose nominiert. Und das wollten am späten Abend immer noch bis zu 140.000 Menschen sehen. Was in etwa der  M.I.A.-Quote am prominenten Vorabend entspricht.
Jetzt wollen schon 1165 Unterschreiber die „Sendung ohne Namen“ zurückhaben. Und falls das neue ORF-Schema nicht dazu passt: Das stört die nicht.
02.05.07

Identitätsprobleme

| Comments (0) | 05/07 | Arbeit & Wirtschaft

Marketingtechnisch wäre es vielleicht keine schlechte Idee gewesen, sich beim Namen auf etwas Einfaches, Unzungenbrecherisches zu einigen. So wie: Sacher-Torte. Oder Mozart–Kugel; etwas das auch japanische Kindergärtler und Rednecks from Texas problemlos memorieren und artikulieren können. A Sacher-Torte, please. And twelve Mozart-Kugels.
Die werden sich in St. Pölten schwerer tun, wenn sie „das neue süße Wahrzeichen“ ordern, als das die dort frisch kreierte Nuss-Mandel-Schoko-Birnenmarmelade-Torte angepriesen wird: A Original-St.Pölten-Prandtauer-Torte, please. Und selbst, wenn man das „Ortginal“ weglässt... es bleibt ein Kampfausdruck. Was dem Erfolg der Süßspeise  abträglich sein könnte – und so dem Versuch, den Reisenden das schöne  St. Pölten mit Kuchen zu versüssen, das in der der Touristen-Gunst halt, Landeshauptstadt hin oder her, hinter dem idyllischen  Wein–Krems  liegt.
Das  Schicksal der Linksliegengelassenheit teilt St. Pölten mit Nicaragua, wenngleich nicht aus den selben Gründen. Gleichwohl hatte man in Nicaragua eine ähnliche Idee wie in St. Pölten, aber während die Niederösterreicher die Menschen nur an deren Zuckerseite packen, greifen  die Nicaraguaner auch zu viel härteren Mitteln: Neben Guaven-, Orangen- und Limonensaft, Zuckersirup, Eis und einer grünen Kirsche soll das neue nicaraguanische Nationalgetränk vor allem  weißen Rum enthalten. Der im Rahmen eines Wettbewerbs kreierte Drink heißt (St. Pöltner, aufgepasst) kurz, prägnant und  memorabel El Macua. Erfunden wurde er, so ein Jury-Mitglied, weil Nicaragua eine „neue Identität“ brauche, „die nichts mit Revolution zu tun hat“. Das Problem hat St. Pölten allerdings nicht.
20.04.07

Und jetzt zu Platz 3

| Comments (0) | 04/07 | Arbeit & Wirtschaft

Österreich habe, sagte Österreichs Kanzler  beim SPÖ-Parteitag „einen Aufholbedarf, was den Anstand betrifft“. Gusenbauer bezog sich auf die Sache mit den Eurofightern und die unschöne Angewohnheit einiger  Militärs, Politiker und  Berater, die  Herkunftsangaben auf Geschenken nicht so genau zu studieren oder sie sich legal zu schwindeln: Denn möglich ist es ja, dass einer wie der  Airchief Wolf sich wirklich einzureden vermag, er habe hier eine lautere Herzensentscheidung  für eine Fliegertype getroffen und dort ist  halt einer, der seiner Frau gern etwas Geld geben will; reiner Zufall, dass der so bussibussi mit dem  Fliegertypenkonzern und so weiter.
Anders kann man es sich ja eigentlich nicht erklären, warum die am Ende so leicht zu derwischen sind: Der Wille zur Vertuschung setzt ja  ein Vertuschungsbedarfsbewusstsein voraus, das Wissen über das  Kriminelle am eigenen Tun. Der Verdacht drängt sich auf, dass diese Leute glauben, sie handelten rechtens oder wenigstens im Rahmen einer im Ertappensfall geduldeten Kavaliersdelikthaftigkeit. Insofern ist des Kanzlers  Appell an Moral und Anstandsgefühl überaus notwendig, und es soll sich ihn bitte auch jener Herr hinter den Ohrwascheln notieren, den meine Freundin S. vor ein paar Tagen dabei beobachten musste, wie er in der U-Bahnstation Stephansplatz in eine Ecke urinierte.
Womit wir uns bequem auf Platz 3 der kürzlich hier begonnenen Unarten-Beschwerdeliste hanteln. Platz 1: auf den Boden spucken, Platz 2: überall Müll herumliegen lassen, Platz 3 also:  an Hauswände, Parkbäume oder in U-Bahnstationen brunzen. Böse! Denken Sie im Ernstfall an den Kanzler, der mahnt:  „Wir wollen nicht, dass hier saure Wiesen oder Sümpfe entstehen.“ Das gilt insbesondere für U-Bahnstationen.
16.04.07

Was vom Radl übrig blieb

| Comments (0) | 04/07 | Arbeit & Wirtschaft

Wie ich dann vor meinem Rad stehe, ist es mir doch  nicht egal. Weil von meinem Rad, meinem schnittigen, noch fast nagelneuen Rad ist  nicht viel übrig. Wenigstens ist es versichert, und immerhin: das Schloss ist noch da; braves Schloss. Und der Rahmen, den ich damit an einem Kellergitter befestigt hatte.  Und die Räder, bei denen die Diebstahlsicherung offenbar verfangen hatte. Der absolut diebstahlsicher festgenagelte Sattel: weg. Der diebstahlsichere Lenker: weg. Die Gangschaltung, die Zahnräder, der Lenker: weg, weg, weg. Ein paar gekappte Kabel schwankten  traurig im Frühlingswind. Als ich  das Wrack später in den Kofferraum  lade, fällt es auseinander. Hurra.
Zuerst aber: zur Polizei, Diebstahl anzeigen. Was eine freudvollere Sache ist, als zu erwarten war,  nachdem mir eine Freundin kürzlich erzählt hatte, die Anzeige des Diebstahls ihres Rads (bei ihr: das komplette) habe mehr als eine Stunde gedauert. Bei dem netten, fingerfertigen Beamten, an den ich gerate, dauert es nur  eine halbe. Schneller geht es  nicht, denn   dem  extrem sperrigen Computerprogramm ist es einerlei, dass ein Fahrraddiebstahl hierzustadt eine Routine ist, die  jährlich zehntausend Mal angezeigt wird. Sattelfarbe: äh, schwarz. Material: tja; Leder? Nein, warten Sie, war wohl irgendein Kunststoff. Ok: Kunststoff. Usw.  Danach wird der Polizist, sagt er, eine weitere halbe Stunde brauchen, bis der Anzeigendienstweg erledigt ist. Meistens für nichts, denn  die Aufklärungsquote ist minimal.
Danach bringe ich die Reste meines Rads zu meinem Händler,  der so etwas nicht zum ersten Mal sieht, aber angesichts  Gründlichkeit der Demontage trotzdem überrascht wirkt. Hui. Präzisionsarbeit. Am Mittwoch werde ich es komplettiert wiederkriegen. Und ihr Diebe: Denkt nicht mal daran.
11.04.07

Das Leben der Unteren

| Comments (3) | 04/07 | Arbeit & Wirtschaft

Drei Jahre wohnen wir jetzt in dieser Wohnung, sechs Mal hatten die Nachbarn das Wasser in der Decke. Jedesmal, wenn bei uns ein Abfluss gereinigt wird, klingelt es anderntags an unserer Wohnungstür, vor der dann die Nachbarin aus dem vierten Stock steht und sagt, Entschuldigung, sie stört uns ungern, aber es tropft ihr wieder von der Decke, haben wir vielleicht? Ja, wir haben, beziehungsweise nein, wir haben nicht, Fritz Schiller hat, der Installateur mit den Strähnchen. Denn wir greifen hier schon lang kein Rohr mehr an, wenn etwas mit einem Rohr ist, rufen wie die Hausverwaltung an, die schickt den Schiller, der schaut und dann wo stemmen lässt und die viel zu dünnen Rohre richtet, die ein Vormieter, der dafür kein Talent hatte, selbst in Wände und Böden verlegt hatten. Was auch die merkwürdige Terrassierung unserer Wohnung erklärt.
  Nachdem letztes Mal das Küchenabwasser in der Badewanne stand, kam der Schiller und machte mit Druckluft etwas, das dazu führte, dass das Smega, das innen in so einem Abflußrohr pickt, an der frischgestrichenen Decke von dem neuen Badezimmer landete, das wir bekamen, nachdem der Schiller auf der Suche nach einem Leck das alte ungefähr zur Hälfte weggespitzt hatte. Während ich den Dreck ... weiter lesen ...
09.04.07

Tour de Ringradweg

| Comments (0) | 04/07 | Arbeit & Wirtschaft

Unvorsichtigerweise prahlte ich hier im Herbst  einmal damit, was für eine brave, klimaschonende Radfahrerin ich doch sei, die sich leider regelmäßig über Autofahrer-Rücksichtslosigkeiten ärgern müsse. Worauf ich korbweise Leserpost erhielt, deren geringster Teil  von  applaudierenden Umweltschonern verfasst war.  Nachdem ich alles gelesen hatte, fühlte ich mich wie ein  neuer Mensch: Wie militante Außenseiterin, ja: eine gewaltbereite Minderheit unter Terrorismusverdacht.
Denn Ärger über Autofahrer, las ich, sei ein hochtouriger Motor für Tätlichkeiten gegen das Automobil, und die so viel wie ein Angriff auf Leib und Leben, denn: Das Auto ist ja nicht nur   Fortbewegungsmittel – es ist ein Symbol der Bewegungsfreiheit, ja: der Freiheit an sich! Ein Angriff auf diese Freiheit, und sei er auch rein verbaler Natur, muss also als Angriff auf das unser  Gesellschaftsprinzip u.s.w! Ketzerei allemal. Über meine Fortbewegungsmodalitäten schwieg ich seither.
Nun aber gestehe ich erneut: Ich fahre Rad! Täglich! Denn ich weiß jetzt  einen Minister an meiner offenen Pedalistenflanke: Umweltminister Josef Pröll ordnete kürzlich an, die Presse zu informieren; er wünsche  Rad zu fahren. Oho! Aha! Ein Raunen ging durch die Redaktionsstuben, und alle Fotografen eilten sogleich zum Ring, um am Ringradweg dem Minister zu lauern.  Und, pardauz!, da kam  er angeradelt und pedalte, ohne Pause und ohne einen einzigen Tropfen Transpiration, den ganzen  Weg von der Alma Mater bis zur Urania. Und wer wollte, konnte  hinter ihm in flammenden Lettern die Worte „Folget mir! Ich will euch  Vorbild sein!“ am Horizont erglühen sehen.
Seither pedale auch ich wieder stolz und erhobenen Hauptes durch die  schöne Wienerstadt.
08.04.07

Ruinös kommuniziert

| Comments (0) | 04/07 | Arbeit & Wirtschaft

Wenn drei Viertel  der Bevölkerung eine Sache nicht wollen: Soll man sich dann dem Wunsch dieser drei Viertel entsprechen ? Oder soll man die drei Viertel von der Sache überzeugen? Soll man versuchen, ihr die Notwendigkeit gesellschaftlichen Wandels zu vermitteln? Ich würde meinen: Kommt auf die Sache an. Aber wenn sie es, wie die Kinderbetreuung, Wert ist: nein, ja, ja.
Warum ist es den Regierungen der letzten 35 Jahre (und die meisten davon waren sozialdemokratisch geprägt) nicht gelungen, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die Berufstätigkeit der Mütter den Kindern nicht schaden muss, dass ausreichende Betreuungsangebote notwendig sind? Vielleicht, weil man es halbherzig tat, oder weil Kinderbetreuung in der Sozialdemokratie stets beim Frauenministerium resortiert. Und Frauenministerin heißt: geht Männer nix an.
Die Meinung der Männer ist sicher mit ein Grund dafür, dass sich in der Studie der  Instituts für Familienforschung 43 Prozent der Frauen  gegen die Fremdbetreuung Unter-Dreijähriger aussprachen. So gesehen  könnte die SPÖ  allmählich zugeben, dass es falsch war, Kinderbetreuung  jahrzehntelang zur Frauensache zu machen. Das Studienergebnis ist auf jeden Fall ein Beispiel-Klassiker dafür, was passiert, wenn die Politik wichtige Anliegen zu wenig oder falsch kommuniziert.
Apropos mies kommuniziert: Verstörte JVPler mailen mir, bei dem vorgestern hier erwähnten Jugendabend in Markt Piesting gebe es selbstverständlich nur Antialkoholisches! Auch die Cocktails: total alkfrei!! Liebe JVPler, die Einladung vermittelte exakt das Gegenteil. Aber  ich stelle die Sache gerne richtig: Es liegt mir fern, ein gutes Anliegen zu bestrafen, weil es ruinös kommuniziert wurde. Das macht, s.o., eh der Wähler.
06.04.07

Kiosk

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05.04.07

Nur nicht nachgeben

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Es ist natürlich klar, warum der Bund, warum Infrastrukturminister Werner Faymann auf stur schaltet: Wer einmal nachgibt undsoweiter.  Und wer sagt: In Bregenz ist die Situation aber speziell, da muss eine Sonderregelung her, der schafft einen Präzedenzfall. Andererseits: Es nicht zu tun, ist auch verheerend. Im speziellen Fall (und richtig, ich bin gerade in der Gegend) für Bregenz.
Bregenz  ist eine Naturstadt  (der Bodensee, die Berge), eine Kulturstadt (Festspiele, Kunsthalle) und eine Autotransitstadt, und letzteres wollen die Bregenzer, nona, unbedingt ändern. 
Und das könnte man: Das enorme Verkehrsaufkommen in Bregenz entsteht durch die Vignettenpflicht im Pfänderautobahntunnel, der  im Transitverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz eine  wichtige Rolle spielt.  Bevor sich die PKW-Fahrer, die die österreichische Autobahn sonst gar nicht benutzen wollen, wegen einer Fahrt von wenigen Kilometern eine Zehn-Tages-Vignette um Euro 7,60 kaufen, weichen sie, logisch, lieber auf die mautfreien Straßen aus, die durch Bregenz und die Umlandgemeinden führen. Während andere Städte mit Citymauten autofrei gemacht werden, lotst man im Ländle die Autos von der Autobahn, durch Bregenz und die Dörfer. Danebener geht’s  kaum.
29.000 Unterschriften wurden dagegen gesammelt, die Vorarlberger Bundesräte schlugen einen Pfändertunnel-Mautbefreiungspilotversuch vor, die Grünen wollen sowieso Roadpricing statt Vignette und der jetzige  Bundeskanzler Gusenbauer zeigte sich vor den  Gemeinderatswahlen 2005 angetan von der Idee einer Tagesvignette, kann sich aber jetzt nicht mehr erinnern. Minister Faymann verspricht: eine zweite Tunnelröhre. Wieder mit Vignettenpflicht. So unlöst man Probleme.
30.03.07

Ein Leben nach dem Plastiksackerl

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Als im November aus Paris zu vernehmen war, dass dort schon 2007 alle Plastiksackerl verboten würden, um jährlich 8000 Tonnen schwer belastenden Müll zu vermeiden, klang das wie eine Nachricht von einem anderen Planeten: Äh? Wie soll das funktionieren, ein Leben ohne Plastiksackerl? Wie tragen wir unsere Einkäufe, wie wiegen wir Obst, worin verpacken wir Lebensmittel?
Vier Monate und eine  volksübergreifende Klimawandel-Gehirnwäsche später klingt die gleiche Nachricht, diesmal aus San Francisco, ganz vernünftig: Dort hat der Stadtrat vorgestern das Verbot von Plastikeinkaufssackerln beschlossen: 180 Millionen dieser dünnen Sackerl werden von den Supermärkten in San Francisco jährlich zum Einkauf verschenkt. Das wird sich ändern: Künftig dürfen nur noch Papier- und Stoffsäcke abgegeben werden. Der feine leichte Kunststoff,  den der Wind  von den Müllhalden in die Luft und in  Bäume trägt und der die Meere nachhaltig verschmutzt (in einer Küstenstadt ist man da wohl sensibler), soll verschwinden.Für immer.
In Wien ist  außer grünem  Wünschen und vagem roten Absichtserklären  bisher nicht viel passiert. Höchstens in den Köpfen, wenn ich ausnahmsweise meinen Kopf als exemplarisch für die österreichischen hernehmen darf: Jedes neue Nylonsackerl erzeugt bei mir mittlerweile schlechtes Gewissen. Wenn ich im Supermarkt Gemüse in Sackerl packe oder Einkäufe, für die meine Bürotasche zu klein ist: automatisch Schuldgefühle. Seit neuestem finden sich deshalb in dieser Tasche stets  drei leichte Einkaufsnetze (solche wie in den 1970ern;  habe ich bei einer  Wiener Parfümeriekette endlich wieder entdeckt). Und  da schau her: Es gibt ein Leben neben dem  Sackerl. Nicht immer ganz erfolgreich; aber immer öfter.
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