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Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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6.05.10

Offiziell liest sie Arno Geiger.

| Comments (0) | 05/10 | Kinder und andere Mitbewohner

Jetzt habe ich 60 Stunden nicht geraucht, drei komplette Aufwachphasen ohne die je drei Aufwachzigaretten überstanden; die Rauchentwöhnung ist also so gut wie vollbracht. Und es war, wie ich prophezeit hatte, kollossal hilfreich, sie unter mütterlicher Aufsicht durchzuführen, denn wenn meine Mutter sagt „wie kann man nur?“, dann will man das, was man nur kann, zuverlässig lieber so schnell wie möglich nicht mehr können. Was sich auch abseits des Nikotinentzugs wieder zeigte: Man glaubt nur, man habe bestimmte Alltags- und Kulturtechniken längst soweit perfektioniert, dass ein relativ unfallfreies und gesetzestreues Überleben in Stadt und am Land möglich ist. In Wirklichkeit gibt es kaum eine Tätigkeit, die nicht massiv verbesserungswürdig wäre, kaum einen Handgriff, den man nicht sehr viel effizienter durchführen könnte. Dabei sind die meinen wirklich vorbildliche, offene, unübergriffige Eltern. Solange ihre Kinder glücklich sind, mischen sich diese Eltern nie in deren große Lebensentwürfe ein, selbst wenn die Weltanschauungsübereinstimmung ganz nahe an der Nullline herumhoppelt. Über die elementaren Ideologie-Differenzen können sie in gelassenster Großzügigkeit hinwegsehen. Über praktische Defizite nicht. So wie letzte Woche der Lange auf der Gartenbank saß und dem Gras beim Wachsen zusah, sitzt jetzt meine Mutter auf der Gartenbank und sieht ihrer Tochter beim Rasenmähen zu. Also, sie sieht nicht zu, und zwar sehr aufdringlich nicht. Offiziell liest sie Arno Geiger. Inoffiziell beäugt sie mich, und zwar so lange, bis ich den Rasenmäher abstelle und sage: Was!!! Ich will dir nicht dreinreden!, sagte meine Mutter. Was, Mutter, sage ich, werde es los. Ich will mich wirklich nicht einmischen, sagt meine Mutter, aber tätest du dir nicht leichter, wenn du nicht über das schon gemähte Gras drübermähst? Und wenn du das Ding da an der Seite vom Rasenmäher abmontierst, da verstopft sich ja immer das Gras darin. Und sie hat natürlich recht, und trotzdem oder gerade deshalb will ich die Hauswand hochgehen, weil egal, wie lange man brav bewiesen hat, dass man den Titel „erwachsen“ mit Fug und Berechtigung trägt: Kaum sitzt die Mutter auf der Gartenbank, weiß man wieder, dass man es nicht tut: Man ist nur eine Betrügerin, man hat das Erwachsensein nur vorgetäuscht und jetzt wurde man erwischt. Und es erwischt einen nicht nur Mutter, sondern auch das eigene Kind, das bei meiner moralischen Demontage etwas subtiler vorgeht, indem es seit neuestem ansprechende, kleine Geschichten verfasst, an deren Ende immer zuverlässig die Mutter stirbt: entweder aus Gram über den Tod ihrer aufgrund mütterlicher Vernachlässigung tragisch verreckten Kinder und/oder weil sie zuviel Algahol getrunken und Tschigg geraucht hat. Ja, ich weiß, dass mir das zu denken geben sollte. Immerhin, ich rauche jetzt nicht mehr.
27.04.10

Es wird alles ganz von selber gut

| Comments (0) | 04/10 | Kinder und andere Mitbewohner

Verzeihung, es geht gerade nicht. Ich muss den Kaffee aufwischen, den ich eben über meinen ganzen Kramuri geschüttet habe, zwei Kolumnen schreiben und dann mit den Mimis zum Zahnarzt und mich vom Zahnarzt schief anschauen lassen, weil mit dem einen Zahn von dem einen Kind ist eindeutig was, und der Zahnarzt wird garantiert erkennen, dass das schon länger ist. Auch wenn die Mutter schwören wird, das sei erst vor ein paar Tagen passiert, was gelogen sein wird. Jaaaa! Meine Schuld! Ich weiß! Aber was soll ich denn noch alles schaffen?? Arbeiten, kochen, Laudatio halten, auflegen, arbeiten, Kinder antreiben, Salat pflanzen, Radieschen säen, Gästebetten beziehen, Kinderfahrräder ersteigern, Mitteilungshefte lesen, Termine ausmachen, hässige Mails mit gelassener Gutmütigkeit beantworten, rauchen aufhören, die Hängematte flicken, aufräumen, gelassen sein, den Installateur anrufen, den Strom zahlen, Schiefer ziehen, Kind trösten, arbeiten, Steuern zahlen, eine gute Mutter sein, eine gute Lebensgefährtin sein, eine gute Freundin sein, nett sein, Kaffee aufwischen: Ja, ich schaff das eh alles!! Irgendwie!! Jetzt bis auf das mit dem Rauchen. Das mach ich dann nächstes Wochenende, unter dem traurigen, sorgenvollen Blick meiner Mutter, der hilft in manchen Situationen immer noch am besten. Immerhin: Das mit der Laudatio war fein. Also, der zugehörige Anlass, weil mein Lebenswirt, der Herb Molin, das silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien bekommen hat. Und mit was? Mit Recht. Viele Leute waren da und danach saßen die ganzen Nachteulen aus dem rhiz mit riesigen Sonnenbrillen am Maria-Treu-Platz, aßen Pizza und bekamen Sonnenbrand. Es war ein bisschen, wie wenn die Vampire in Rimini Urlaub machen. Nett war es. Und der Lange? Ach, der Lange. Wie ich gesagt habe. Nein, nicht ganz. Er hat mit dem Positiv-Denken nicht wieder aufgehört, er hat es diversifiziert. Er denkt jetzt spartenspezifisch positiv. Also, einerseits schimpft er wieder ganz normal. Andererseits sitzt er auf der Gartenbank, schaut in die Wiese, sieht, wie hoch das Gras steht und sagt: Der Rasen sollte dringend gemäht werden. Aber er lässt sich von derlei banalen Widrigkeiten nicht mehr belasten, soweit hat er den Glauben an die Kraft des Optimismus schon verinnerlicht. Er denkt jetzt positiv, dass der Rasen, wenn man nur mit radikaler, Richard-Fordscher-Gelassenheit daran glaubt, schon gemäht werden wird. Dass alles ganz von selber gut wird. Und das wird es auch, weil der Lange fährt jetzt erst einmal zehn Tage weg, und wenn er zurückkommt, wird vermutlich jemand den Rasen gemäht haben. Für den Erheiterungsprozess des Langen ist das natürlich gut, weil es gezeigt haben wird, dass das positive Denken zu konkreten, begrüßenswerten Resultaten führt. Für mich ist es schlecht, weil ich es getan haben werde. Aber ich mache das schon, jaja, ich schaff das irgendwie.
20.04.10

Das passt nicht zum Langen, dieses Lächeln

| Comments (0) | 04/10 | Kinder und andere Mitbewohner

Das war pädagogisch eher bedenklich. Gebe ich unumwunden zu. Ich habe auch gleich die Hortbetreuerin angerufen und gesagt, bevor du es von den Kindern erfährst, ich gestehe alles. Denn damit die Kinder uns nicht zwingen, am Sonntag in aller Herrgottsfrühe nach Wien hineinzufahren, damit sie beim Marathon einen Kilometer im Pulk laufen und dann eine Medaille abgreifen können, haben wir mit ihnen einen Deal gemacht: Ihr verzichtet auf den Marathon, wir bleiben im Waldviertel, und ihr bekommt dafür diese Nintendo-Speicherkarte, wegen der ihr uns permanent auf den Sack geht. Mit 25 Spielen darauf. Die Kinder haben gesagt: okay. So macht man das als echter Pharisäer: Man predigt Kinder-Bewegung und drängt ihnen dann ersatzweise etwas auf, bei dem sie blöd herumsitzen und fett und deppert werden. Bekannte mit frischen Säuglingen erklären mir, dass ihr Kind aber garantiert nie einen Nintendo bekommt, aber erstens kann das Baby halt noch nicht widersprechen, und zweitens halte ich das, ja, sogar für möglich, aber nur weil es in sieben Jahren wesentlich geileres Computer-Verblödungszeugs geben und der Nintendo dann im Subotron-Shop als Antiquität verkauft werden wird. Das Ergebnis war, dass mich das eine Mimi am Samstag um zehn nach sechs geweckt hat, damit ich die Nintendos herausgebe. Ich musste ihm drohen, dass es das Ding bis Weihnachten nicht mehr zu sehen bekommt, wenn es das noch einmal macht, und so konnte ich am Sonntag bis sieben Uhr ausschlafen. Aber bitte. Man muss das positiv sehen. Ich weiß im Moment gerade nicht wie, aber ich kann jetzt nicht plötzlich mit negativer Weltsicht kommen, wo ich den Langen eben erst dazu überredet habe, das Leben auch einmal ein bisschen positiver zu betrachten, es sei wahrlich nicht immer alles so geschissen, wie er es immer sehe!, man müsse nicht immer schimpfen!, man könne das auch anders betrachten, freundlicher! Worauf der Lange jetzt tatsächlich positiv denkt, und zwar auf eine so radikale Weise, dass ich mir heimlich wünsche, er möge wieder zu seinem alten Grumpyismus zurückfinden. Der Lange findet jetzt alles total super. Und er lächelt nun manchmal, das macht mich extrem nervös. Das passt nicht zum Langen, dieses Lächeln. Ich bin es nicht gewohnt, die Zähne des Langen außerhalb der Essenszeiten zu Gesicht zu bekommen. Er schreibt jetzt von Orten, von denen er gewöhnlich Ich-wäre-eigentlich-lieber-tot-als-hier-SMSe schickt, Botschaften mit Inhalten wie: es ist wunderbar hier. man muss nur auf die menschen zugehen, das ist das geheimnis. Und ja! Das finde ich wirklich! Ich glaube an Freundlichkeit und die Kraft ihrer Potenzierung! Aber wenn es vom Langen kommt, ist es irgendwie spooky. Andererseits glaube ich eh nicht, dass es anhält. Ich gebe ihm eine Woche, dann ist er wieder der Alte. Acht Tage, neun höchstens, dann schimpft er wieder ganz normal.
14.04.10

Können wir das schaffen?

| Comments (0) | 04/10 | Kinder und andere Mitbewohner

Am Donnerstag hat mich die Hausverwaltung angerufen: Ob bei uns zufällig eingebrochen worden sei, unten bei der Haustür sei die Scheibe neben dem Türknauf eingeschlagen worden, die WEGA sei bereits alarmiert. Das ist... Das ist saudeppert, weil die Koinzidenz es will, dass mir der Lange abends zuvor berichtet hat, er habe beim Heimkommen irrtümlich eine Scheibe an der Haustür eingedrückt, und jajaja, er werde die Hausverwaltung umgehend, sofort und gleich informieren. Eine Aufgabe, die nun an mir pickt, und die ich bravourös mit vielen Ähs, Öhs und Entschuldigen’S manage. Ich erledige auch den kurz darauf via Haussprech-Anlage einlangenden Auftrag, über die die Nachbarin freundlich anfragt, ob wir, wenn wir schon das ganze Haus in Einbruchspanik versetzen, wenigstens bitte die Scherben zammkehren könnten. Sicher. Können wir. Kann ich. Ich meine, ein normaler Mensch, der irrtümlich eine Scheibe im Haus einschlägt, würde danach wieder hinuntergehen und das Gescherbs entfernen. Aber. Man kann ersatzweise auch zweimal drübersteigen, und damit unseren Ruf als beliebteste Hausbewohner zementieren. Wir sind die, die bei der Balkonwässerung Hauswände, offene Fenster und ungünstig geparkte Cabrios mitgießen. Wir sind die, in deren Stockwerk aufgrund nachlässig geschlossener Lift-Türen immer der Aufzug steckt. Wir sind die, die den Aufzug ruinieren, in dem wir widerrechtlich das Wochenend-Gepäck damit hinunterfahren lassen, worauf dieses zwischen zwei Stockwerken umkippt, worauf der Lift stecken bleibt, worauf der Wochenend-Aufzugsnotdienst undsofort. Wir sind die, die immer vergessene Schlüssel vom Balkon werfen, die dann nicht in unserem Besitz befindliche Autodächer eindellen; die Cabrios parken in so einem Fall zuverlässig woanders. Wir sind die, die dafür verantwortlich sind, dass in allen Blumenkisteln des Hauses nur noch Löwenmäuler in allen Farben blühen. Wir sind die, die morgens um halbacht alle, die das noch nicht sind, wach machen, weil sich Erziehungsberechtige und Kinder durchs Treppenhaus noch etwas nach- beziehungsweise retourzubrüllen haben. Wir sind die, vor deren Tür sich ein Berg aus kaputten Elektrogeräten, ausrangierten Regalen, alten Rollern und zu klein gewordenen Kindergummistiefeln auftürmt, was, wie ich der Nachbarin mit mäßigem Erfolg klarzumachen versuche, Einbrecher keineswegs anlocke, sondern final abschrecke. Insofern ist es überaus bedauerlich, dass die zwei Depperten aus dem dritten Stock letztes Jahr ausgezogen sind und durch eine dezente, freundliche und ordentliche Familie ersetzt wurden, die, anders als die zwei Depperten, nicht beim Kochen einschläft, nie die Tschick auf der Stiege austritt, nie nicht grüßt und nie nachts betrunken durchs Treppenhaus marodiert. Jetzt hängt es an uns, die allgemeine Lebensqualität im Haus konsequent zu nivellieren. Und, yo, wir schaffen das.
23.03.10

Der Selbsthass steht erst bei den Brustwarzen

| Comments (0) | 03/10 | Kinder und andere Mitbewohner

Man muss die Dinge genau so lange liegen lassen, bis man vor Angst kurz vor dem Herzinfarkt steht und keine Nacht mehr durchschläft. Die Angst muss einem auf der Seele liegen und auf den Magen schlagen. Der Selbsthass muss einem bis einen Millimeter unter den Nasenlöchern stehen. Praktisch ist, wenn man in so einem Fall über eine gewisse Lebenserfahrung verfügt, die einen gelehrt hat, dass es dann, unmittelbar bevor man mit einer Panik-Attacke eingeliefert wird, auf einmal geht. Darauf vertraue ich jetzt erst einmal. Das große, das zukunftsweisende Projekt wurde projektiert, dingfest gemacht und auch letzte Woche wieder offensiv vertrödelt, ist ja noch Zeit. Der Selbsthass steht auch erst knapp bei den Brustwarzen, das reicht nicht, das ist für einen kreativen Schub noch lang nicht genug, da geht noch was. Das kleinere Projekt dagegen ist so gut wie im Kasten, nur eins der Mimis, die dafür je zwei völlig unschuldige Körperteile für ein Buch-Cover in eine Kamera halten sollten, ist jetzt doch nicht bereit, bei dem Unsinn mitzumachen. Sicher nicht, such dir ein anderes Kind. Will ich nicht, ich brauch dich. Nein. Du kriegst einen Euro. Hahaha. Drei Euro. Nein. Fünf! Trotzdem nicht. Aber der Fotograf hat schon gaaanz berühmte Leute fotografiert, zum Beispiel die Christina Stürmer und den Bundespräsidenten! Mir wurscht. Du machst da mit, Herrschaftszeiten! Nein. Ich werde Anna auf das Mimi ansetzen müssen, von Anna fühlt das Kind sich verstanden, ganz anders als von seiner blöden Mutter, die immer nur herumkeppelt, einen zum Essen, zum Baden und zum Schlafen zwingt, einen in der Früh aus dem Traum reißt, nie mit einem das "Frühlingsfest der Volksmusik" anschaut und einem nicht einmal Geschenke mitbringt, wenn sie verreist. Dabei ist es ein klares Geburtsrecht jedes Kindes, dass Eltern, die mit Koffern das Haus verlassen, mit Geschenken wiederzukommen haben. Das ist ein DJ-Koffer, Schatzl, ich verreise nicht, ich lege nur im phil auf. Es ist ein Koffer, bring mir was mit. Anna bringt mir auch immer was mit. Anna wird das machen, das mit der Fotosache, das ist sie mir auch schuldig, wenn sie schon unbedingt ihre perverse Veranlagung an den Mimis ausleben muss. Denn Anna schaut so gern das Dingsfest der Volksmusik, aber sie schaut es nicht gern allein, und außer den Mimis, die sich alles anschauen, solange es nicht gruselig ist, macht das ja keiner mit. Ich habe versucht, den Kindern zu erklären, dass das aber wohl gruselig ist, Entschuldigung, das ist womöglich das Gruseligste, was das Fernsehen überhaupt zu bieten hat, aber ich finde wie stets kein Gehör. Und in Anna diesmal keine Komplizin, sondern darf mir jetzt 24/7 volkstümliche Lieder aus Kinderkehlen anhören, Schwerpunkt Liebe im Frühling. Herrlich, vergeltsgott. Dafür regelst du das mit dem Foto, dankeschön, dann bin ich eventuell bereit, das zu verzeihen, e-ven-tu-ell.
17.03.10

Geht mich nichts an

| Comments (0) | 03/10 | Kinder und andere Mitbewohner

Nicht nur die Kirche muss derzeit darüber nachdenken, was man mit Kindern alles nicht tun darf, auch ich. Der Wunsch, mein Kind zu hauen, ist dieser Tage überwältigend. Ich tue es, wie immer, nicht, würde aber sehr gern. Es ist nämlich nicht so, dass Trotzphasen kommen und gehen und irgendwann aufhören, nein, das Kind performt jetzt einen Trotzphasen-Remix mit besonderem Engagement in den hohen Frequenzen. Die, bei denen ich leicht die Beherrschung verliere, was, wie mir einer meiner Psychiater am Samstag bei Wirtens erklärt hat, wahrscheinlich von einem selektiven Hörschaden herkommt: Wenn im Lokal der Geräuschpegel hoch ist, höre ich meinen Gesprächspartner zu wenig, wenn das Kind mich angreint, leider zu viel. Immerhin haben sie uns bei Wirtens das fantastische Abendessen zu Ehren von Horwaths nichtendenwollendem 50er nicht ruiniert, sie waren im Kinderzimmer damit beschäftigt, ihre Strategien im Geschlechterkampf zu verfeinern und Schuhe anzuzünden: nicht meine Wohnung, geht mich nichts an, ich muss mich mit dem Rindfleischsalat, den scharfen Garnelen-Nudeln, dem Steak mit Garnitura Dalmatinska, dem Tiramisu und der Jogurt-Panacotta beschäftigen, ich habe gerade keinen Kopf für etwas anderes. Und ich war auch zu dankbar, überhaupt endlich stabil an Wirtens Tisch zu sitzen, die Kinder wollten ja zuerst nicht hin. Nachdem sie sich die ganze Woche über bitter beklagt hatten, dass ihre grausamen Eltern ihnen ständig aus purem Egoismus den Kontakt zu anderen Kindern verwehrten, den und die und die und den hätten sie jetzt schon seit ewig, was heißt: seit Jahren praktisch nicht gesehen, NIE führe man sie anderen Kindern zu. Und wie wir am Samstag zu Wirtens und ihren Kindern aufbrechen wollten, erscholl großes Geheul, das sei ja wieder eine spezielle Grausamkeit, einem überarbeiteten, erschöpften Schulkind seine verdiente Wochenend-Freizeit zu rauben, nie könne man sich ausruhen, nie erholen, nie in Ruhe spielen (aka fernsehen), es sei eine unablässige Quälerei. Und nein, man gehe auf keinen Fall mit und ziehe sich jetzt sicher nicht die Schuhe an; überhaupt, was sei das für eine Art der Kommunikation, den ganzen Tag nur Befehle, Befehle, Befehle. Natürlich vernahmen wir, als wir sie um elf bei Wirtens einpackten, das gleiche, nur in anderen Worten, aber da hatte das viele Essen und Trinken meinen selektiven Hörschaden derart verstärkt, dass ich gar nichts mehr hörte. Der Horwath hatte bei Wirtens zu unser aller Erstaunen die Bregenzerwälder Kuhfell-Hölzler an den Füßen, in die er, gegen alle Prognosen - außer meiner - offenbar sofort nach Überreichung eingezogen ist. Der Horwath sagt, super, alles, was das Leben verlangsame, sei ihm gerade sehr recht. Mein Leben würde derzeit schon von einer partiellen Verleiserung massiv profitieren, und den Kindern ist das wieder einmal komplett powidl.
10.03.10

Das mit den Namen war keine gute Idee

| Comments (0) | 03/10 | Kinder und andere Mitbewohner

Drei Wochen lang hatten wir Lazarett. Kind krank, Kind krank, Mutter krank, Kind krank, Kind krank, und jetzt sind die Mimis komplett ruiniert vom Fernsehen. Sie singen und tanzen Werbespots nach, träumen schlecht, haben das Spielen verlernt und zucken wegen jedem Scheiß aus. Die Mutter im Übrigen auch. Die Mutter würde wieder einmal gern ein paar Stunden lang nicht angesprochen werden, von niemandem, einfach nur gar nicht. Nur den Sound of Silence hören, verziert mit paar Geräuschen von der Straße und aus dem Ballkäfig, die mit mir nichts zu tun haben und an denen keine Forderungen und Beschwerden appliziert sind. Wieder ganze Tage nur unter Erwachsenen verbringen, in Ruhe in der Redaktion schreiben, Mittagessen gehen mit dem C. oder dem T. oder der B., dazu Wein trinken, statt Nutella-Brote schmieren und magenschonendes Karottensüppchen nach dem Rezept von Dr. Urban kochen, das dann sowieso abgelehnt wird. Gemoser, den ganzen Tag. Dieses wurde immerhin am Samstag unterbrochen von Horwaths 50er, im Wetter, sehr nett. Wir schmissen die Kinder in der Ecke auf einen Haufen, warfen Nintendos und Weißwürste mit Ketchup hinterher (die vorbildlich guten Wetter-Menschen haben die Ketchup-Anregung sofort aufgenommen) und konnten so mehrere Stunden ungestört mit Erwachsenendingen verbringen, aka trinken, rauchen, reden und Blut- und Leberwürste vom Metzger Fontain in Dornbirn essen, ohne dass die Kinder dazu Würgegeräusche machten. Das war sehr schön, obwohl das Geschenk für den Horwath nicht rechtzeitig angekommen war, dabei hätte es so gut zu den Würsten gepasst. Und der gute Herr Devich war extra noch am Mittwochnachmittag in Bezau, Bregenzerwald, mit einem Paar wunderhübscher, lammfellgefütterter Rindsfell-Hölzler der Größe 45 zur Post marschiert, wo man es dann genau so lange liegen ließ, dass es dann pünktlich nicht ankommen, sondern erst Montag früh geliefert werden konnte. Danke, liebe Post. Deswegen kann ich auch noch nichts über die Horwathsche Reaktion erzählen, der uns exilierte Xiberger (plus dem Langen) jetzt seit Jahren wegen dem Schuhwerk verlästert, das wir im Waldviertel praktisch ausschließlich an den Füßen tragen. Aber heuer hat ja auch Lagerfeld Holz-Clogs, das überzeugt den Horwath vielleicht von der Sinnhaftigkeit seines Geschenks. Weil: Was schenkt man einem wie dem Horwath zum Fünfziger? Das Werkzeug, damit er endlich mal eins seiner fetten Sulmtaler mordet, hat er schon gekriegt. Gut: Die Felders schenkten ihm ein Kochbuch mit Hendl-Rezepten, das wird er hoffentlich bald benützten. Er nennt die Hendln jetzt auch schon „Hendln“ und nicht mehr bei ihren Namen, wir waren von Anfang an gegen die Namen, da wird doch das Verhältnis vom Bauern zu seinem Schlachtvieh viel zu intim und vertraulich. Wir halten es für einen Schritt in die richtige Richtung, dass der Horwath dieses Verhältnis jetzt allmählich auf eine prosaischere Ebene herunterschraubt, und hoffen sehr auf Ostern.
16.02.10

Ja, aber kann Palmetshofer auch skifahren?

| Comments (0) | 02/10 | Kinder und andere Mitbewohner

Zweimal haben sie diese Woche angerufen, einmal aus der Schule, einmal aus dem Hort: Dem Mimi gehe es nicht gut, das Kind liege blass und still auf einer Bank und sei sichtlich krank, könnte man es in absehbarer Zeit bitte abholen kommen. Sicher kann man, man braucht dazu nur die Erwerbsarbeit zu unterbrechen. Beim zweiten Mal marschierte die Mutter, vorbei an den Hortbetreuerinnen, auf das Kind zu, das blass und still auf einem Sofa lag und sagte: Verdammt noch Mal, du bist nicht krank, ich weiß es genau! Das hat auf die Hortbetreuerinnen, zumal es offenbar neue Frischlingspraktikantinnen waren, gewiss keinen guten Eindruck gemacht. Das Mimi aber nahm sofort Farbe an und sah sich in der Lage, sich zu erheben und Mantel und Schuhe anzuziehen.

Selbstverständlich war es - ich kenne mein Kind - kaum hatten wir die heimischen vier Wände betreten, wieder pumperlgesund und machte ein großzügiges Angebot: Um es Mutter zu ermöglichen, die unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen, wäre es bereit, sich den Rest des Tages vor den Fernseher zu setzen und sich mit Schokokeksen und Mozartkugeln als Nahrung zu begnügen. Ja, ganz gewiss, sonst noch etwas. Du spielst oder liest, und ich koch dir ein extra gesundes Mittagessen und schnippel dir Obst, auch wenn ich dafür überhaupt keine Zeit habe.

Immerhin: Es war richtig, dieses Mimi in den Schauspielkurs zu schicken, es bringt ideale Voraussetzungen mit, vor allem aber eine Veranlagung zur Hysterie, die es ihm ermöglicht, sich in die Einbildung, es sei krank, so glaubhaft hineinzusteigern, dass es wirklich krank wird. Und auch andere von seinen Einbildungen zu überzeugen, was kürzlich dazu führte, dass ein Übernachtungskind spätabends nach Hause gefahren werden musste, weil das Mimi sich und ihm erfolgreich eingeredet hatte, im Kinderzimmer habe es purgatorische Temperaturen, man verbrenne, schmelze, verglühe, vertrockne und ersticke. Die Kinder liefen nackt und hysterisch heulend durch die Wohnung und schrien; diese Hitze!, sie verbrennten!, und niemand – NIEMAND! - hülfe ihnen!, und es hatte nicht den geringsten Sinn, auf das Thermometer zu weisen, das laue 20 Grad Celsius anzeigte. Ob man denn die Glut nicht spüre?!? Man verbrenne, man verbrenne.

Das hat es genauso wenig von mir wie das andere Mimi das im Skilager von Experten diagnostizierte Talent zum skifahren: Es gewann auch sofort das Rennen seiner Gruppe. Und es ist eine typisch revanchistische Finte des Schicksals, dass meine Kinder genau in jenen Bereichen ausgeprägte Begabungen zeigen, die mir relativ stark am Arsch vorbei gehen. Wenngleich sich mein Verhältnis zum Theater in letzter Zeit vorsichtig entspannt hat, was vor allem an Ewald Palmetshofer liegt, aber kann der auch so skifahren, dass es mir mit einem Mal reizvoll erscheint? Das glaube ich nicht. Dennoch will ich fröhlich sein.

2.02.10

Ich bin irgendwie keine Rampensau.

| Comments (0) | 02/10 | Kinder und andere Mitbewohner

Es hat auch Vorteile, wenn die Kinder weg sind. Also, wenn dieser Scheiß-Bus endlich abgefahren ist. Bis dieser Bus abgefahren ist, mit den Kindern darin, die unununbedingt ins Schilager wollten, aber jetzt ihre Entscheidung schluchzend bereuen, durchläuft man allerdings den puren Höllen-Horror. Ich habe von Vätern gehört, die während dieser zwanzig Minuten final ergrauten. Es war so entsetzlich, dass schließlich mehrere Eltern am Gehsteig auf die Knie fielen und den Busfahrer händeringend anflehten, sein Gefährt endlich in Bewegung zu setzen. BITTTTEEEE! Die Qual ist UNERTRÄGLICH! Und wurde leider dadurch verlängert, dass manche Eltern noch ein achtes Mal in den Bus stiegen, um ihre Kinder zu beruhigen, was selbstredend den gegenteiligen Effekt hatte. Bittebittebitte, ich halt das nicht mehr aus, fahrt endlich! Als der Bus dann um die Ecke war, gaben sich die Eltern High Five und begannen umgehend, die ersten Stationen ihres lange vorbereiteten Halligallis abzuarbeiten. Der Lange und ich zum Beispiel gingen sofort wieder ins Bett, schoben am helllichten Tag GewaltDVDs ins Gerät, bestellten Pizza und Bier und ließen uns so grauslich gehen, wie wir es in der Prä-Mimi-Epoche jedes Wochenende getan hatten.

 

Leider verließen wir dann in der Dunkelheit noch einmal das Haus. Es hat auch Nachteile, wenn die Kinder weg sind, man geht fahrlässig zu vorher schlecht recherchierten Veranstaltungen und trinkt dort zuviel, anstatt wie gewöhnlich beim „Tatort“ einzuschlafen. Weshalb man anderntags dann müder ist als vorgesehen. Zudem hat der Lange nicht wie üblich um halb acht mit den Kindern das Haus verlassen, sondern liegt um halb neun noch neben einem im Bett und formuliert, während man gerade verzweifelt Kolumnenthemen aus dem Internet kratzt, Sätze wie diesen: „Du kommst mir ein bissl vor wie Elvis in Vegas.“ Ja, dankeschön! So fängt man den Tag gerne an! Kommt zurück, Kinder!

 

Allerdings war ich auch Elvis in Vegas, als die Mimis noch da waren. Palmetshofer, Heavy Trash und dann auch noch im Schauspielhaus Popismus predigen mit meinem alten Zürcher Nachbarn, Reverend Tobi Müller. Was interessant, aber insofern irritierend war, als wir vor 150 Leuten anfingen und vor 15 aufhörten. Während das Publikum in großen Trauben den Saal verließ, erhielt ich unablässig SMS vom lustigen Fotografen und vom lustigen Verleger, ich solle dalli im Dings erscheinen. Ich smste, ich könne nicht, ich säße auf einer Bühne und verrichte Erwerbsarbeit. „schleich dich runter von der bühne!“, smste der Fotograf, und das hätte ich gerne gemacht, beziehungsweise ich hätte mich gerne sub Bühnenboden verkrochen. Ich bin nicht geschaffen für die Bühne, ich bin lieber Publikum. Als Publikum bin ich, wie die Menschen, die ich beim Heavy-Trash-Konzert im Flex mit Bier beschüttete, bestätigen werden, richtig gut. „Is uuuuuuuu I want!“ Yes, Jon Spencer, yes, yes, yes.

 

23.12.09

Meine Nullerjahre sind jetzt vorbei, definitiv

| Comments (0) | 12/09 | Kinder und andere Mitbewohner

„Wann immer jemand in unserem Haus die Stimme erhebt, wird alles gestoppt, egal was wir gerade machen. Time-Out sage ich. Du hast etwas auf dem Herzen, nimm dir ein paar Minuten und rede mit mir.“

So ist das bei uns nicht. So ist das, jedenfalls berichtete das André Agassi kürzlich dem Kurier, bei den Graf-Agassis in Las Vegas. Wenn in unserem Haus jemand die Stimme erhebt, kommt gleich einer gelaufen und brüllt mit, um auf diese Weise seinen eigenen Ärger über was auch immer loszuwerden. Zu Spitzenzeiten brüllen vier Leute gleichzeitig.

Tagesanbrüche haben eine gute Anlage, Spitzenzeiten zu sein, wobei meistens ich die erste bin, die ihre Stimme erhebt, denn nach all den Jahren kapiert meine Familie noch immer nicht, dass, wer dauerhaft mit mir auskommen will, mich frühmorgends nicht anspricht. Nicht ansingt. Nicht einmal anschaut. Nicht seinen Kakao auf mein Kissen schüttet. Sich nicht darüber beschwert, dass in seinem Adventkalendersackerl schon wieder die ganz falschen Pickerl drin waren. Von mir keinen launigen Kommentar zu dieser abseitigen Zeitungsmeldung oder zur Lage der Nation erwartet. Mich nicht aus der Dusche holt, um mir eine voll lustige Stelle aus dem neuen Lottmann vorzulesen oder mich einen Gürtel suchen zu lassen. Mich nicht fragt, was ich abends essen oder kochen will. Mit mir nicht über die Autoversicherung spricht, die Gasrechnung oder einen Heftumschlag, den ich jetzt gefälligst endlich besorgen soll. Mich keine Fäden einfädeln lässt und mich nicht um Hilfe bei Häkelarbeiten bittet. Mich nicht anmotzt, weil ich schon wieder das ganz falsche Gewand herausgelegt habe und Schinken statt Salami in das Jausenbrot tue. Mich nicht fragt, wie viel kalt es heute eigentlich wird oder ob man noch schnell ein Ärzte-Video auf Youtube anschauen darf.

Auf all diese Dinge reagiere ich ab, sagen wir, elf, aufgeschlossen und gelassen, doch wer in der Früh gegen mehr als zwei meiner Gebote verstößt, muss mit einer Dezibel-Erhöhung rechnen, angesichts derer man bei Agassis sofort die Cops rufen würde. Natürlich ist das meiner rücksichtslosen Brut völlig wurscht und man lässt mich unter vier Verstößen und ohne Gebrüll keinen Tag beginnen. Dankeschön. Aber so ist das bei uns eben. Und bei uns läuft es auch nahrungsaufnahmetechnisch etwas anders als bei Agassis, wo Steffi, so erzählt André, streng auf Ausgewogenheit achte. „Die Kinder dürfen nach einer Pizza nur Proteine und Gemüse essen. Zwei Kohlehydrate-Mahlzeiten hintereinander sind nicht erlaubt.“ Ja, du. Und ich bin sicher, wenn Steffi ihre mütterliche Autorität verströmt, hat das auf ihre Familie die vorgesehene Wirkung. Auf meine nicht, aber daran werde ich jetzt arbeiten, denn auch meine Nullerjahre sind jetzt vorbei, ja, definitiv. Wünschen Sie mir also bitte ein schönes, erfolgreiches, respektgeladenes neues Jahr voller friedlicher Morgen im Kreise einer liebenden, kuschen Familie, ich wünsche es Ihnen auch.

 

19.12.09

Ich kann nichts dafür, das Fernsehen ist schuld

| Comments (0) | 12/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Nachdem die Kinder tagelang kränkelten und von ihren erwerbstätigen und/oder ebenfalls kranken Eltern nervenschonend vorm Fernseher gelagert wurden, konnten wir live und vor Ort den Einfluss elektronischer Medien  auf den Familienalltag überprüfen. Denn leider macht das Kinderfernsehen die Kinder nicht nur pflegeleicht und gusch, sondern auch klüger, nicht immer im Sinne der Erzeuger. Im inkriminierten Fall entlud sich die neue Kinderklugheit in einer morgendlichen Konversation zwischen einem der Mimis und dem Langen. 

Der Lange „Zieh dir bitte die Jacke an.“

Das Mimi: „Glaheich.“ 

Der Lange: „Jetzt!“

Das Mimi: „Du hast mir gar nichts zu sagen, du hast ja nicht einmal ein Sorgerecht.“

Die Mutter, vom Langen mit einem irritierten Blick beworfen: „Ich kann nichts dafür, das hat sie aus dem Fernsehen“.  Hatte sie, Kindernachrichten, Thema EU-Sorgerechtsvereinheitlichung. Das hatte Fragen aufgeworfen. Die wahrheitsgetreu beantwortet worden waren.

Andere haben jetzt was aus dem Radio, den Frenk Lebel nämlich, den FM4 jetzt löblicherweise doch spielt, nachdem ich die FM4sche Ignoranz in der letzten Kolumne bitter beklagte. Bravo, sage ich jetzt und lasse mich von diesem Erfolg natürlich sofort dazu verleiten, hier weitere unerbetene Vorschläge zu machen. Was den FM4lern sicher ungefähr so taugt wie mir, wenn einer, wie am Sonntag im phil, mit einer CD am DJ-Pult erscheint, die er bitte jetzt gern gespielt haben möchte.  Tschaulitschau, baba und tschüss. Aber anhören kannst du es dir wenigstens. Nein! Jetzt  nicht! Immerhin ergings mir besser als dem Kollegen R. denn der Kerl verzog sich murrend, während beim R. ein adäquater Vorgang damit endete, dass der Kerl dem R. die Pappn panierte. Das war aber auch im Flex, nicht im phil: im phil wirkt noch die Kraft des Wortes: Zupfst du dich jetzt bitte? Pfff, na gut. Danke, ich muss jetzt nämlich noch einmal "America" von Simon & Garfunkel spielen, ist gerade mein Lieblingslied. Ja, lacht doch, ist mir powidl. 

Kraftderwortemäßig hat dann auch die Laokoongruppe am Sonntag hervorragend live ins phil gepasst, eine meiner diesjährigen Heimspiel-Lieblingsbands. "Walzerkönig", bitte!  Unfassbar großartige Nummer. Gehört auf FM4 täglich zur Stoßzeit gespielt. (Jaja, ich zupf mich eh schon.) Habe ich auch letztens im rhiz wieder aufgelegt, leider vor praktisch leerer Hütte, denn Eugene Chadbourne hatte sein zweieinhalbstündiges Solo-Set gerade mit einer eineinhalbstündigen Banjo-Session beendet. Ein sehr höflicher Mensch, der Herr Chadbourne und ein kraftvoller Performer, solange er nur die Finger vom Banjo lässt. Danach hab ich den "Walzerkönig" gebraucht wie die drei Liter Grünen Tee gegen den Kater anderentags. Den "Walzerkönig" schaut man sich erst auf Youtube an (großartiges Video von Adnan Popovic und dann noch "Komm und tanz mit mir" und dann rennt man sofort los und kauft die CD. ("Walzerkönig", konkord). Schon, um den Gröbchen ein bisschen zu ärgern, aber das verstehen Sie jetzt nicht.

25.11.09

Was sind denn bitte das für Leute?

| Comments (0) | 11/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Das passiert, wenn man sich nicht an die eigenen Regeln hält. Aktuell diese: Nie die Kinder mit ins Restaurant nehmen. Was auch hier wiederholt in missionarischer Absicht postuliert wurde. Am Samstag verstießen der Lange und ich dagegen und gingen mit ihnen  – aus!nahms!wei!se! Und nur weil ihr euch immer beschwert, dass wir euch abends nie mitnehmen! - zum ersten Mal seit zwei Jahren oder so abends ins Restaurant.

Der Tisch war auf sieben reserviert. Um zehn nach sieben bettete eins der Mimis – das eine, das man sonst nur unter Einsatz schwerster, mit der Menschenrechtskonvention nicht konformen Drohungen gegen halb neun oder neun ins Bett bekommt – sein schweres Haupt auf selbigen und flüsterte matt, es sei entsetzlich müde und würde gern nach Hause und zu Bett gebracht werden. Hallo?! Geht’s noch? Um viertel nach sieben fragte das andere, ob wir sie eigentlich in böser Absicht mit in ein Restaurant nahmerten, in dem es für ein Kind absolut nichts zu essen gibt? Um zwanzig nach sieben hatten wir uns mühsam auf Nudeln mit Tomaten und auf Ravioli mit nichts geeinigt. Um fünf vor halb acht fragten sie, ob es für uns ok wäre, wenn sich die Schuhe auszögen und sich zum Schlafen auf die Bank legten. Nein! Ist es nicht! Um eins nach halb acht zwang ich ihnen die Nintendos auf, die ich eigentlich nur als allerletztes Notprogramm eingepackt hatte und dann saßen sie uns mit abgewandeten Blick gegenüber und ließen ihre Daumen sprechen.

Dafür warfen uns Leute am Nebentisch genau die Blicke zu, die wir Leuten wie uns früher vom Nebentisch aus zugeworfen haben: Was sind denn das für welche, die ihre armen Kinder abends mit in ein Restaurant zwingen und sie dann deppert Nintendo spielen lassen? Nie was von Babysittern gehört?

Zweiter Fehler: Dazu auch noch technisch anspruchsvolles Essen bestellen, mit dem man dann nicht weiß wie umgehen. Ist das die Art Artischocke, die man Blatt für Blatt auszuzelt oder isst man die mit Messer und Gabel? Dieser Stiel: Ist der Deko oder essbar, und blamiere ich mich mehr, wenn ich ihn esse oder wenn ich ihn nicht esse? Ich aß ihn nicht und blamierte mich mehr, denn der war natürlich, wie ich beim abservieren lernte, das Beste an der Sache. Selbstverständlich aßen die Leute am Nebentisch ihre Artischocke mit bravouröser Eleganz und in der richtigen Reihenfolge und es rutschte ihnen auch nicht das Besteck zweimal in die Buttersoße. Ja, danke. Noch ein Fass Wien bitte. Und der Wildschweinbraten war fantastisch, aber ich kann nicht mehr. Die Mimis hatten derweil ihre Jacken angezogen und warf uns von unter den Kapuzen stabil vorwurfsvolle Blicke zu.

Um neun waren wir draußen. Und sollte ich es wieder vergessen, erinnert mich bitte daran, dass wird die Kinder erst wieder mit ins Restaurant nehmen, wenn sie uns einladen. Und das wird teuer, ich schwöre bei Gott.

 

17.11.09

Wenigstens ist das Wetter schön

| Comments (0) | 11/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Was jetzt? Ich weiß nicht. Die letzte Woche war: Ich weiß nicht. An vielen Orten gewesen. Jägerschule, Prater-Schihütte, Büro, Hold, Laternenfest, Annas Sofa, Polly Adlers Sofa, Kunsthalle, Bett, Internet, Roter Elefant, Folio-Fest, Millis neuer Küche, Wetter, Novelli und hinter den Plattentellern vom phil. Mit vielen interessanten Leuten geredet oder leider nicht, aber ich weiß nicht. Das führt mich wieder nur geradeaus in eine Faustwatsche des Kollegen Dings, der mich rügt, dass ich neuerdings nicht einmal mehr die elementarsten Regeln des Kolumnismus berherzige, nichts als verschwommene Andeutungen, deppertes Namedropping, lose Enden und narrative Sackgassen, aus denen sich der Leser dann genervt wieder auf den Rückweg machen muss, und du kommst dabei im übrigen ziemlich unsympatisch rüber. Ja. Weiß ich. Aber wenn das nun einmal mein Leben ist?

Dann erfinde dir ein besseres, nein: erfinde mir ein besseres, ein schachtelsatzfreies, mit einer Struktur und guten Pointen an den richtigen Stellen, ist mir völlig powidl, ob das gelogen ist oder wahr. Ich weiß nicht. Ich weiß nicht. Erst einmal frühstücken. Und an etwas Schönes denken.

Schön ist zum Beispiel das Wetter. Also das neue Lokal am Yppenplatz, von Lea Redolf und Raetus Wetter, vormals Expedit. Dort stimmt alles so wunderbar (bis auf den, so die Mimis, höchst beklagenswerten Umstand, dass es zur Weißwurst kein Ketchup gibt), ich könnte dort tagelang versacken, was allerdings elementar damit zusammenhängt, dass man sich, nachdem man eine von Wetters Appenzeller Käsefladen gegessen hat, stundenlang nicht mehr rühren und gerade noch den Arm zum Verdauungschnapsordnern lupfen kann.

Wien wird ja augenblicklich von einem Bobo-Wettrüsten in Atem gehalten: Brunnen- oder Karmeliterviertel? Wo gibt es die lässigeren Lokale, die besseren Marktstände, das Slow-Food-Futter, die Bio-Artischocken, die selbstgepupsten Marmeladen, wo wohnen die cooleren Promis? Seit der Wetter das Wetter eröffnete, steht es 103 zu 102, wenngleich ich am Yppenplatz jetzt nur einen toten Schriftsteller weiß und am Karmeliter-Platz drei lebende; dafür am Yppenplatz viel mehr Musiker, und zwar von den guten; einer tauchte im Wetter auf, als ich gerade drohte, ob der Last der Käseflade unter den Tisch zu rutschen.

Überhaupt kannte ich im Wetter die halbe Gästeschaft, was Neo-Phobiker wie ich zu schätzen wissen, die vor Neuem scheuen und es gerne haben, wenn alles vertraut ist, wenn alles so bleibt wie es ist und es eine Woche oder drei immer das gleiche großartige Essen und den gleichen fantastischen Song gibt, die nie den Mann wechseln und sich die perfekte Jeans gleich dreimal kaufen. Die Pointe für den Dings wäre jetzt, dass sich das mit den Jeans bewährt hat, weil mir noch am Samstag, vermutlich käsefladeninduziert, das Hosentürl platzte, und es wäre zudem original wahr, aber das ist mir zu aufgelegt, sorry, echt nicht.
27.10.09

Insofern wäre es nur gerecht, wenn wir auch Läuse hätten

| Comments (0) | 10/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Zwei Tage, nachdem der kleine Dings bei uns war, mit den Mimis eine Kissen-und Jackenburg zum Hineinköpfeln gebaut, sich mit ihnen in alle Decken eingewickelt, über jeden Teppich gewälzt und dann mit beiden Mimis in einem Bett übernachtet hat, informiert mich sein Vater am Telefon darüber, dass der kleine Dings Läuse hat. Hallo, das ist einmal eine gute Nachricht, speziell an einem Tag, an dem mir der Lange gerade aus dem 15. Stock eines Luxushotels in einer künftigen Kulturhauptstadt am Meer eine SMS geschickt hat, um die grandiose Aussicht und den vorbildlichen Zimmerservice zu loben.

Warum bin ich nie tausend Kilometer weit weg, wenn dergleichen passiert? Weil ich immer da bin. Ich sollte viel öfter verreisen. Haemmerli zum Beispiel habe ich schon seit mehr als einem Jahr nicht gesehen, ebenso die anderen Zürcher Spezis. Und in Berlin war ich auch schon ewig nicht, wieviele Jahre war ich bitte schon nicht mehr in Berlin? Und habe ich schon mal bei Pia in Paris besucht? Habe ich nicht. Du kannst schon einmal das Gästebett herrichten, Pia, ich komme jetzt. Ich muss vorher nur noch alle Textilien in der Wohnung bei 60 Grad waschen, alle Teppiche tagelang auf den Balkon hängen, alle 200something Kuscheltiere in luftdicht verschlossenen Müllsäcken am Dachboden verstauen und alle Mimis mit scharfzinkigen Nissenkämmen zerkratzen. Dann komm ich aber sofort, Pia, verlass dich darauf.

Aber es hülfe eh nichts. Wenn ich einmal 1000 Kilometer weit weg bin, sprechen die Kinder ihr erstes Wort, machen ihren ersten Schritt, verlieren ihren ersten Zahn, haben endlich genug von der Bernhard-Fibich-CD, schießen ihr erstes Tor oder spielen erstmals fehlerfrei „Stairway to Heaven“. Wenn der Lange weg ist, bekommen sie Scharlach, fallen vom Hochbett, schlagen sich Zähne aus, verlieren ihr Lieblingskuscheltier, ihren Impfpass oder ihr Fahrrad und bringen, ich wette darauf, ihren ersten Fünfer heim. Und ihre erste Geschlechtskrankheit, irgendsowas. Sowie ihre ersten Läuse.

Natürlich sind wir eh priviliegiert. Alle anderen hatten schon Läuse, beziehungsweise: hatten schon oft Läuse. Auch die Horwaths, mit der Verschärfung, dass nicht nur der kleine, sondern auch der große Horwath Läuse hatte, was beim Horwath seiner Frisur, also dem, was  vom Horwath seiner Frisur noch übrig ist, original in der Kategorie der echten Wunder resortiert. Insofern wäre es nur gerecht, wenn wir jetzt auch einmal Läuse hätten, ja, tatsächlich sind Läuse bei uns überfällig, wie schaut das denn aus, wenn wir als einzige nie welche hatten. Und es ist ja eh schon wurscht, jetzt wo ich eh schon jedes Stück Heimtextil in geradezu lehrbuchmäßiger maternaler Präventiv-Hysterie gewaschen habe; meine Oma selig wäre mächtig stolz auf mich. Zürich, Berlin, Paris habe ich mir jedenfalls verdient; weil wann krieg ich schon einmal etwas umsonst: nie. 

13.10.09

Was bei den Goldenen Zitronen nie nötig ist, nie.

| Comments (1) | 10/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Ich will nichts mehr hören. Keiner von euch braucht deppert herumzutstsen, weil: IHR seid Schuld. Und IHR wart auch letztes Mal, bei der weihevollen Schalko-Buchpräsentation im Rabenhof Schuld, denn einer von EUCH hat mir jedes Mal, wenn ich gesagt habe: HEIM! JETZT!, noch einen Spritzer hingestellt, einer geht ja immer noch, und das ging, typisch Rabenhof, auch diesmal wieder so lange, bis die Grenze der Vernunft spürbar überschritten war. Und am nächsten Tag konnte ich dann im Blumenau-Journal ein Gespräch nachlesen, das ich bis zu diesem Augenblick vollständig vergessen hatte, woran IHR Schuld seid, und wenn Blumenau behauptet, ich hätte geschrien (und ich habe allerhöchstens milde gebrüllt), dann seid auch IHR daran Schuld, keine Frage, also ich will kein ts ts hören, still jetzt.

Außerdem ist nun alles besser. Ich habe am Wochenende auf den Fluss geschaut und bin im Wald marschiert. Ich habe eine komplette Staffel von „The Wire“gesehen. Ich habe entgiftet, gekocht, geräumt und dabei die neue Goldenen Zitronen gehört. Ich habe mir überlegt, wie es möglich ist, dass zwei CDs wie die neue Distelmeyer und die neue Goldenen Zitronen gleichzeitig erscheinen können, und trotzdem halten alle Distelmeyer für einen großen Dichter, ja: den Dichter der Stunde. (Entschuldigen bitte, der Mann ist nackt, und ich erlaube mir, das dem Chor der geblendeten, bäuchlings sabbernden Bewunderer zuzurufen: NAHACKT! Aber auf mich hört ja sowieso keiner. Ist ja jedem wurscht.) Immerhin die zweite Nummer, die mit dem Hass, die rockt ganz gut beim Auflegen. Also, wenn man es schafft, den Text zu ignorieren. Was bei den Zitronen nie nötig ist, niemals.

Jedenfalls war das Wochenende im Vergleich zur Vorwoche mönchisch, also ich würde fast sagen: eine Form der Meditation. Wenngleich das Besuchskind, das mit uns am Land war, zuhause schon etwas zu erzählen hat, nämlich wie laut der Lange und ich uns anbrüllen können: DAS, Blumenau, war laut, ungefähr so laut wie ein sehr großer Traktor mit einem mit Stahlrohren beladenen Anhänger, wenn er in einem Tunnel über große Steine rumpelt. Der Grund für das Gebrüll steht in so krassem Gegensatz zu meinen einleitenden Worten, dass ich mich nicht in der Lage sehe, ihn hier auszuführen, aber, wirklich, wer bitte stellt einem Kater Futter in einem handbemalten Schüsserl aus einer urseltenen, nur in Vorarlberg gebräuchlichen und dort in Museen konservierten Porzellanserie, welche die Frau seit Jahren mühsam zusammenschnorrt und -sammelt, vor die Haustür, so dass das nächstbeste Kind zuverlässig hineinsteigt? Der Lange, wer sonst. Drei Kinder standen in der Küche und hielten sich die Ohren zu, und die Besuchskindeltern haben diese Woche wieder einiges zu tstsen. Und was lernen wir daraus? Wurscht, wie ich lebe, getstst wird sowieso immer, eh egal, ich geh jetzt schwimmen.
30.09.09

Es fließt eben doch Mädchenblut in seinen Adern

| Comments (2) | 09/09 | Kinder und andere Mitbewohner

  Das Bubenmädchen ist immer noch ein Bubenmädchen, jetzt schon drei Viertel ihres Lebens lang. Einmal habe ich gelesen, aktuelle Forschungen hätten ergeben, an Transsexualität sei die Mutter Schuld, zuviel Stress in der Schwangerschaft. Nur frage ich mich dann, warum das Zwillingsmimi das gar nicht hat. Jetzt habe ich gehört, das könne am Hormonhaushalt liegen, der sei beim einen Kind so und bei den anderen so. Erscheint mir logischer, aber im Grunde ist es mir powidl: So lange das Kind kein Problem damit hat, habe ich auch keins, und deswegen ist das eigentlich auch nie ein Thema. Alle paar Monate erkläre ich ihr, dass sie da übrigens jederzeit auch wieder heraus kann, falls ihr das Bubenmädchen-Konzept nicht mehr taugt, dass sie das jetzt nicht durchziehen muss, nur weil sie es einmal beschlossen hat, aber sie winkt immer ab. Alles ok, keine Sache.

 

Es war allerdings interessant, als das Bubenmimi jetzt sein erstes Fussballturnier spielte. Es ist ganz gut im Fußball, also es ist so gut und ein so verlässlicher Teamspieler, dass der Trainer ihm vor dem ersten Turnier die Kapitänsbinde um den Arm wickelte. Die Mutter rot vor stolz. Der Lange auch: unsere Tochter! Allerdings nahm die Tochter die Binde wieder ab und übergab sie einem anderen Kind, weil: Das sieht nicht gut aus. Passt farblich null zum Dress. Dieses Exempel beweist. dass eben doch weitgehend testosteronfreies Mädchenblut in seinen Adern fließt. Und ich finde das, ehrlich gesagt, beruhigend, nicht, weil ich kein Transenkind haben will. Sondern weil es mir für das Kind lieber wäre, es würde glücklich erwachsen werden und erwachsen sein, ohne zuvor eine Hormontherapie und eine Geschlechtsumwandlung hinter sich bringen zu müssen. Was, kein Witz, am Familientisch ein Thema war, seit das Bubenmimi vier ist, aber in letzter Zeit nicht mehr so häufig diskutiert wird.

 

Aber man tut ja stets, was gut für die Kinder ist. Zum Beispiel wurde das andere Mimi von seiner bekanntlich nicht so theateraffinen Mutter zu einem Theaterkurs angemeldet und zu einer Schnupperstunde begleitet. Es war vielleicht nicht so eine spitzen Idee, mich ausgerechnet an selbigem Tag mit Sedlacek zum Lunch zu treffen, der sich, halleluja!, entschuldigt hatte. Was wir dann ein wenig feierten, so dass ich um vier in nicht einwandfrei erziehungsberechtigem Zustand Zeugin werden durfte, wie mein Kind – ich! Ich! ICH!!! – peinigend überengagiert seine Berufung entdeckte, immer den Finger kerzengerade in der Luft. Aber hallo, sagte mit so einem Grinsen in der Visage der Herr Kabarettist neben mir, dessen Tochter ich auch in den Kurs geschwatzt hatte. Zum Glück kam dann ein Kind, das war noch viel schlimmer; danke, Gott. Später an dem Abend küsste mir ein deutscher Verleger nicht die Hand, sondern den Arm bis über den Ellbogen, aber das ist eine andere Geschichte, die passt hier null dazu.

2.09.09

Bitte, ich bin ja kein Bauer, aber.

| Comments (1) | 09/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Anderswo mag eine muhende Kuh als Sinnbild ländlicher Idylle gelten, hier tut sie einem leid. Die Kuh steht mit 30 oder 40 anderen in einem sogenannten Freilaufstall. Den hat die EU den Bauern aus Gründen des Tierschutzes verordnet. Der Stall gehört dem Nachbarbauern, und die Kuh kann dort so ein bisschen herumspazieren. Das könnte sie auch  auf einer der unzähligen Wiesen, die dem Bauern rund ums Dorf herum gehören, aber der Bauer fährt lieber mit einem seiner sechs Traktoren auf die Wiesen, mäht das Gras und bringt es der Kuh in den Stall. Bitte, ich bin kein Bauer und will auch keiner sein, aber das kommt mir ein wenig schwachsinnig vor. Plus es führt dazu, dass die Kuh ihr Leben lang nie ein Stück Grün oder Himmel sieht, sondern ihre gesamte Existenz in dem kuhfreundlichen EU-Freilaufstall mit Betonboden verbringt, aus dem ihr Muhen erbarmungswürdig durch das ganze Dorf hallt. Und zwar ab sechs Uhr früh. Die armen Viecher. Die Kühe von dem anderen Bauer vis a vis grasen friedlich auf der Wiese oberhalb von seinem Hof, weshalb der Bauer hier in der Gegend als kauziger Spinner gilt. Das macht hier sonst keiner. Hier siehst du praktisch nie und nirgendwo eine Kuh. Du hörst sie nur.

 

Nicht mehr lange, wir fahren bald in die Stadt. Es ist Zeit. Ich habe unstillbare Bedürfnisse nach schlechter Luft, Autolärm, Sushi, Schuhen (im Sinne von: Schuhen, die diese Bezeichnung verdienen), speckfreier Kost, meinem Friseur, einem erfolgreichen Shoppingerlebnis, urbanem Halligalli in zwielichtigen Tränken, honigbrotfreien Mittagspausen und einem klimatisierten, Kinder- und Langenlosen Büro. Wir haben uns jetzt neun Wochen am Stück auf einer 24/7-Basis ausgehalten, es war erstaunlich friedlich, und es langt jetzt. Ich will jetzt wieder egoistisch sein, autonom und Marmeladefleckenfrei, mindestens acht Stunden am Tag, dankeschön. Und es ist jetzt auch genug idyllische Natur und Gemuhe und Viecher aller Art: obwohl, die Kinder haben gerade das Angeln entdeckt. Die Pollaks waren da, und der Pollak fuhr mit seinen Buben und den Mimis an den Fischteich, Abendessen fangen. Wir waren ein wenig besorgt, wie die Kinder das Fischeerschlagen wegstecken würden, und als sie zurückkamen, zeigte sich auch tatsächlich eine gewisse Blässe, und zwar um die Nase vom Pollak, dem das überhaupt nicht taugt. Die Kinder dagegen hielten stolz und völlig untraumatisiert ihre selbstgekillten Forellen in die Höh, grillten sie am Feuer, verspeisten sie gewissenlos und schliefen danach gut und tief. Aha. Interessant. Der Lange versucht auch etwas zu fangen, nämlich die Maulwürfe, die unsere Wiese umgraben, wird aber täglich von neuen Haufen ausgelacht. Das macht ihn aggressiv. Und drüben muht noch immer erbarmungwürdig diese Kuh. Und irgendwo kräht jetzt auch noch ein Hahn. Aus, fertig, packts eure Sachen, Kinder, wir fahren in die Stadt.

 

26.08.09

Das habe ich mir bitte redlich verdient

| Comments (0) | 08/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Allmählich erreiche ich den Punkt, wo es schwierig wird, etwas zu erzählen, weil das Sommerprogramm „Ereignisarmut“ seine Wirkung beängstigend effizient entfaltet. Seit zwei Monaten erschlage ich tagsüber Wespen und lausche abends dem Fluss, und es ist gut. Nichts fehlt. Ich bin soweit, dass ich dem McDings, der seine Ferien ebenfalls in vertrauter Umgebung verbracht hat, maile, ja, genau, das sei doch gut, die Menschen erlebten viel zu viel, allgemeines Mindererleben sei doch für die Menschheit und für den Klimawandel viel gesünder. Also quasi diesen Satz von Pascal, von dem Unglück, das allein daher rühre, dass die Menschen nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen, als Ökobilanzrechnung. Ich vermag das mittlerweile unglaublich gut, wenn man jetzt einmal das Zimmer etwas größer fasst und ein bisschen Wiese, den Fluss, ein paar Bäume und Kinder hineinstellt. Und etwas zu essen und zu trinken, was weil man nicht immer nur Holundersirup, Zucchini, Erdäpfel oder Paradeiser aus dem Garten zu sich nehmen mag, was zugegebenermaßen Autofahrten nach großzügig entfernten Das und Dorts erfordert. Der Dings mailte etwas überaus Bedachtes zurück, nämlich, dass das, was ich eben gemailt habe, ein kompletter Unsinn sei, man müsste im Gegenteil die Menschen dazu zwingen, viel mehr zu erleben und tüchtig was von der Welt sehen, weil das das Hirn erweitere. Ja ja! Ich meinte doch eh: uns. Wir haben uns das wenigstens temporäre Nichtserlebenmüssen unter selbstloser Gefährdung unserer Gesundheit redlich verdient. Ja, mailte der Dings. Damit war auch dieses Ereignis vorbei.

 

Es ist zudem schwierig, zu arbeiten, weil sich ein Arbeitszimmer hier nicht ausgeht und die Kinder sich den Satz „Ich muss jetzt arbeiten“ nicht länger als zwei Minuten merken. Merken können. Wollen. Dann verlangen sie ein Honigbrot oder stellen sich mucksmäuschenstill in einem 45-Grad-Winkel neben den Computer, treten von einem Bein auf das andere und strahlen mich mit ihren glänzenden Kinderaugen rücksichtsvoll an. WAS!!!! Es ist, weil sie diese Erstklässlerrechenaufgabe auf ihrem Nintendo nicht verstehen. Es gibt für den Nintendo ja auch pädagogisch unheimlich wertvolle Lernspiele. „Fülle die leeren Kästchen richtig aus. Rechne mit Plus oder Minus.“ Wie? Welche leeren Kästchen? Was rechnen? Versteh ich auch nicht, frag den Papa. Der Lange kapitulert ebenfalls, also spielen sie wieder Supermario.

 

Und zwar ohne den Nachbarsbuben, weil dem habe ich, damit es zu keiner Straftat kommt, ganz auf erwachsen eine freundliche Rede gehalten, dass er bitte ein paar Tage nicht kommen soll, weil uns das zuviel wird. Jetzt war er schon so viele Tage nicht da, dass ich Angst habe, dass ich seine zarte Nachbarsbubenseele nachhaltig gekränkt habe. Ich überlege schon, ob ich ihn mit einem Honigbrot herüberlocken soll. Nein, lieber nicht, der kommt schon wieder.

19.08.09

Wartet, ich bin gleich wieder da

| Comments (2) | 08/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Die Frage, ob man alle Kinder mögen muss, wird täglich virulenter. Es ist kurz nach neun, draußen auf der Schaukel sitzt der Nachbarsbub, spielt Nintendo und wartet, dass sich einer erbarmt. Wenn sich einer erbarmt haben wird, pickt er bei uns, bis wir ihn abends heimschicken. Es macht ihm nichts aus, wenn Gäste da sind. Er gibt, das sind die Regeln, den Nintendo ab, hält ersatzweise kenntnisreiche Vorträge über Super Mario, Mario Kart und  Mario Party und erkundigts sich periodisch, wann es endlich wieder etwas zu essen gibt. Wenn es endlich wieder etwas zu essen gibt, nimmt er sich von den acht Marmeladebroten sechs und schöpft er sich drei Mal, bevor die anderen Kinder auch nur einen halben Teller ausgegessen haben. Er sagt nicht bitte und nicht danke, aber vorgestern beim Mittagessen meinte er während der dritten Portion Spagetti Bolognese, dass er so eine Soße bisher nur einmal schlechter gegessen hat, und zwar letztes Jahr im Burgenland. Bei einem niedlichen Kind wäre das möglicherweise, nun ja, niedlich. Der Nachbarsbub ist kein niedliches Kind. Einmal setzte er sich bei uns uneingeladen zum Abendessen und verfiel beim Coq Au Vin in ein derartiges Weah und Würg und dass das die grausigste Soße sei, die er je gegesse habe, dass ich ein wenig ausfällig wurde. Naja, sehr ausfällig, jedenfalls entschuldigte ich mich danach bei ihm. Der Nachbarsbub verzieh mir großzügig und brachte mir andertags ein von seiner Mutter handgeschriebenes Rezept einer anständigen Champignonsoße mit zwei Rindssuppenwürfeln und einem halben Liter Schlagobers mit.

 

Wenn wir mit den Kindern ins Schwimmbad oder an den See fahren wollen, verschwindet er für zwanzig Sekunden, und kommt dann wieder mit einem Handtuch, einer Badehose und der Information, seine Mutter hätte erlaubt, dass wir ihn mitnehmen, wenn wir gut auf ihn aufpassen. Ob wir Lust haben, ihn mitzunehmen, auf ihn aufzupassen, ihn mit Sonnencreme einzuschmieren und ihm ein Eis und Pommes zu kaufen, interessiert hier niemanden.

 

Die Mutter erscheint alle vier oder fünf Tage, jeweils kurz nachdem der Nachbarsbub seine drei Mittagsportionen gegesssen hat, um mitzuteilen, dass sie ihrem Buben jetzt etwas gekocht hat. Wir sagen ihr wie immer, dass der Bub schon gegessen hat. Sie sagt, aha, dann geht der Nachbarsbub mit hinüber, um endlich wieder einmal wieder etwas Anständiges in den Magen zu bekommen. Eine Viertelstunde später ist er wieder da. Gestern nutzten wir diese Viertelstunde, um heimlich ohne ihn ins Bad zu fahren. Nach einer halben Stunde ruft die Horwathin an, ob wir schon im Bad sind, sie kommen jetzt auch, fahren danach aber weiter zu einem Heurigen, ob wir bitte den Nachbarsbub vom Bad mit heim nehmen können, der ist nämlich vorhin aufgetaucht und geht sich jetzt nur schnell ein Handtuch und eine Badehose holen. Ich muss die Regeln ändern, sonst geschieht hier eine Straftat.

 

 

19.08.09

Ich hätte vielleicht nicht so lange schlafen sollen

| Comments (1) | 08/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Der Nachbar ist fertig mit Wiese sensen, jetzt verputzt er von morgens früh bis Abends spät sein Haus und hat auch damit nichts als Probleme. HUR! Meine Sippe ist schon wieder weg: was, HUR!, ernsthaft schade ist, denn der Besuch war sehr viel netter, als die Wirren der Vorbereitung es vermuten hatten lassen. Zudem festigte er die Kinder in ihrer politischen Sozialisation; denn um eine Verlängerung des Aufenthalts zu ertrotzen, gründeten sie eine Lobby; organisierter Widerstand in seiner unschuldigsten Form, mit Parolen, Plakaten und Sprechchören. Wer so weit fährt, bleibt länger da! Auch Kinder haben ein Recht auf Verwandschaft! Wir! Bleiben! Hier! Sie! Bleiben! Hier! Wir! Bleiben! Hier! Selbstverständlich fiel ich meinen Schwestern in den Rücken, die diese geballte Renitenz hinter ihren Prosecco-Gläsern zu ignorieren trachteten, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen, nämlich den prognostizierten Regentag zur Heimreise in ihre staubentstellten Häuser zu nutzen: Querulantismus, meine Kernkompetenz bitte.


Das muss man doch unterstützen, rief ich. Entschuldigung, Schwestern, habe ich gesagt, wenn ihr das jetzt abwürgt, könnt ihr euren Kindern gleich das Rückgrat herausoperieren, dann seid IHR Schuld, wenn aus ihnen devote Duckmäuser werden, mutlose, apathische Befehlsempfänger, unfähig, ihren legitimen Forderungen Gehör zu verschaffen! Stimmt!, riefen die Kinder. Wenn ihr ihnen dieses erste gemeinschaftliche Dagegensein, diesen Mut zum Einspruch jetzt zum Misserfolg macht, prägt das ihre Zukunft! Ihr macht sie schwach! Ihr macht sie klein! Ihr macht sie feig! Das könnt ihr doch nicht wollen. Ja!, riefen die Großeltern! Na gut, seufzten die Schwestern. Gib mir fünf!, brüllten die Kinder.


Allerdings hätte ich am nächsten Tag nicht so lange schlafen sollen, denn anders als tags zuvor, als ich, kein Scheiß, um 9.21 Uhr in der Früh von Sektkorkengeknalle meiner Morgenlektüre entfremdet wurde, zwangen sie diesmal, HUR!, ihre Kinder mit brutalen Bestechungmaßnahmen in einen Umdenkprozess, der in allgemeiner Abreise endete. Kinder sind ja so korrupt. Tja, schade, wenn ihr meint. Ja, wir meinen. Ich meinte dann auch, weil die Aussicht, meinen Schwestern einen Regentag lang beim anschwellenden Unrundsein Gesellschaft leisten zu dürfen, machte mir ein wenig Angst. Soviel Prosecco habe nicht einmal ich im Keller. Also stellte ich mich mit den Kindern an die Straße und wir winkten ihnen lange nach. Eins der Mimis weinte sehr, und wurde am Rückweg zum Haus, wohin ich es mit mit mütterlichen Trostworten leitete, auch noch, HUR!; von einer Wespe gestochen. Aber danach, als das Weinen mithilfe einer halben Zwiebel, zwei Packerl Gogos und einem Kinderfilm verebbte, war es: still. Ich lauschte dem Regen, den Birnen, die auf die Wiese platschten, dem Wind in den Bäumen und dem Nachbarn. HUR! Tja.

 

22.07.09

Ich bin eigentlich mehr der Ufer-Typ

| Comments (0) | 07/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Um sieben Uhr früh sitze ich mit einer Tasse Kaffee auf einer steinernen Treppe und schaue hinaus aufs Meer. Die Kinder schlafen noch. Das Meer ist unvorstellbar blau. Es ist still, nur die Zikaden brüllen in den Föhren und weit draußen tuckert ein Fischer vorbei. Von rechts nähert sich ein schlankes Ruderboot mit einer langen, dürren Gestalt darin. „Guten Morgen“, sage ich. „Guten Morgen“, sagt der Xaver. „Wo ruderst du hin“, sage ich. „Steig ein und finde es heraus“, sagt der Xaver.

Sie kennen den Xaver von daher, dass ich einmal mit einer goldenen Heugabel seine Wiese geheut und dabei mit ihm über Dylan und dergleichen geredet habe. Während ich jetzt mit meiner Kaffeetasse vor dem Xaver in seinem Faltboot sitze und mich der Sonne entgegenrudern lasse, erzählt der Xaver meinem Rücken, wo er und der Gery mit dem Boot schon überall waren. Einmal waren sie auf Teneriffa und haben in der Morgendämmerung nach Gomera hinübergeschaut. Der Xaver sagt, er hat gesagt, dass das höchstens 25 Kilometer sind, das packen sie in nicht einmal zwei Stunden. Der Gery, sagt der Xaver, hat genickt, wie es so die Art vom Gery ist, du kennst ihn ja. Ja. Also sind sie, sagt der Xaver, in das Boot gestiegen, mit einer Orange und einer Flasche Wasser. Wie es wieder dunkel geworden ist, hatten sie Gomera immer noch nicht erreicht und erst wie es schon ganz dunkel war, gelangten sie irgendwie an Land. Normal wären der Gery und ich jetzt tot, sagt der Xaver, und dass er das Faltboot danach drei Jahre nicht mehr zusammengebaut hat. Wann war das?, sage ich? Wart, sagt der Xaver, ich glaube, 1996. Aha, sage ich. Was ist das für eine Insel dort drüben, die mit dem Leuchtturm?, fragt der Xaver und deutet mit dem Paddel auf eine dunstige Erhebung am Horizont. Unbewohnt, soviel ich weiß, sage ich, soll einen schönen Sandstrand haben. Schauen wir sie uns an, sagt der Xaver, in einer halben, höchstens einer dreiviertel Stunde sind wir drüben. Ich denke, ich sollte einmal nachsehen, ob die Kinder schon wach sind und Hunger haben, sage ich. Na gut, sagt der Xaver, dann vielleicht morgen. Ja, morgen vielleicht, sage ich.

Ich bin aber nicht mehr in das Boot eingestiegen. Der Xaver hat irgendwann ein winziges Segel daran befestigt und ist um das Kap gesegelt, aber ohne mich. Ich habs nicht so mit Booten. Oder mit Abenteuern. Das Schlauchboot der Kinder, ja, passt, bissl über die Kindergeschreigrenze rudern, bissl in den Himmel schauen, perfekt, aber sonst ist Ufer als solches für mich absolut ausreichend. Am besten um sieben Uhr früh, wenn es ganz still ist.

Jetzt: The weißbrotfaced Woman ist wieder da. Zwei Wochen makelloser Strandurlaub, nothing to write home about. Das dachten sich auch die Kinder, die der Oma in der Autobahnraststätte Gralla mit erheblichem Widerwillen noch schnell eine Karte schrieben. „Liebe Oma, ich war in Krowazien. Mimi 1.“ „Ich auch. Mimi 2“. Brav, Kinder, und JAAA!, die Belohnung kriegt ihr dann.
24.06.09

Keine Angst, der bellt nur

| Comments (0) | 06/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Die 85jährige Nachbarin aus dem ersten Stock fragt mich, ob sie dem Langen etwas getan hat. Oder ob der Lange sie leicht nicht mag. Nicht dass ich wüsste. Weil immer, sagt die Nachbarin, grüßt sie den Langen freundlich und immer brummt der nur unfreundlich zurück.

 Ah ja. Kenn ich schon. Schon wieder nichts Neues in meinem Leben. Der meint das gar nicht so, erkläre ich der Nachbarin, der ist einfach so, der kann nicht anders, das Grummelige liegt dem in der Natur. Wenn der ganz normal aufgelegt ist, wirkt das auf andere so, als sei er auf dem Weg zu einer Bluttat, und wenn er glücklich ist, erkennt man das an dem leicht depressiven Zug um seinen Mund. Und das Brummen, das er Ihnen aus dem Gestrüpp seiner Kinnregion schickt, bedeutet: Ihnen auch einen schönen guten Morgen, liebe Frau Weiß, ist es nicht ein herrlicher Tag?

Eins der Kinder hat das auch. Klarer Fall von Vererbung. Grundstimmung: ruppig, muffig, spröde, mit viel Ausbau-Potential ins Saugrantige. Aber sonst sehr lieb eigentlich. Ich weiß noch nicht, wie ich das Kind beim Abreagieren unterstützen soll: Der Lange hat jetzt eine Spitzhacke, aber für eine Siebenjährige ist das suboptimal. Eine Freundin probierts bei ihrem ähnlich veranlagten Kind mit Lach-Yoga, aber ich bin ja eher nicht so yoga-affin. Wenn es bei anderen wirkt, toll; bei mir greift das nicht. Der Lange reflektiert auch wenig auf meditative Selbstkalmierungstechniken, jetzt einmal abgesehen von abendlichen Naturbetrachtungen bei Bier. (Immerhin, dabei entdeckt der Lange viel Schönes: Kinder, kommt schnell, schaut, da drüber ist ein Wildschwein! Wo. Da, da drüben, am Waldrand! Wo. DAS BRAUNE DA, GENAU VIS A VIS, KRUZIFIX! Das ist ein Hund. DAS IST KEIN HUND, SEIDS IHR ALLE KOMPLETT BLIND!? Papa, das ist ein Hund, hörst du, jetzt bellt er. Grummel, brumm.)

Nicht nur aufgrund einer vom Langen strikt ignorierten Sehschwäche begrüße ich es, dass er nun die Spitzhacke als sein neues Lebenswerkzeug entdeckt hat. Viel besser, der Lange reagiert sich mit der Spitzhacke ab als mit der Kettensäge. Man kann sich zwar auch mit einer Spitzhacke weh tun, aber mit der Kettensäge effizienter. Die Kettensäge steht in des Langen Werkzeug-Rangliste jetzt zum Glück auf Platz drei, erstens Spitzhacke, zweitens Danelectro, drittens Stihl, was mich stark beruhigt, weil ich zehndäumige Doppelinkshänder mit rustikalem Charakter und ohne besonderes Talent im Technischen plus Kettensäge für eine relativ erhebliche Gefahr für Leib, Leben, Haus und Garten halte. Mit der Spitzhacke dagegen hat er jetzt schon zwölf Thujen-Wurzeln und einen einbetoierten Zaun aus der Erde gehauen und einen Stein-Weg zum Schuppen gemacht, das tut ihm richtig, richtig gut: Ich sehs an dem leicht depressiven Zug um seinen Mund. Wenn wir jetzt noch dem Kind sein Werkzeug finden, werden wir noch eine richtig fröhliche Famile, passts auf.
4.06.09

Scheiße, ich bin schon wieder tot

| Comments (0) | 06/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Fk: Super Mario. Die aktuelle Niederlage im meinem niederlagsreichen Leben. Das kann ich nämlich auch nicht, wie ich Sudoku nicht kann, und den Zauberwürfel nicht. Die Mimis, und das sind die einzigen Konversationen, die wir derzeit mit ihnen führen, versuchen eh, es mir zu erklären: Da musst du hüpfen, das musst du kriegen, da pack es, neeeeiiiiiiin! Wieder keine zwei Leben erwischt, wieder kein Riese geworden, wieder nicht alles niedertrampeln dürfen. Wieder tot. Auch Super Mario ist nichts für mich.

Und Nintendos sind nichts für Kinder: Seit die Mimis je einen besitzen, weiß ich das noch besser. Nintendos sind etwas für Erwachsene, weil die sich nämlich, wie wir schon bei der Mimi-Geburtstagsparty feststellen konnten, in Ruhe alkoholisieren und anderen Erwachsenensachen widmen können, während sich alle Kinder in Trauben um die zwei oder drei versammeln, die auf einem Nintendo herumdrücken. Sie sehen dabei weit weniger intelligent aus, als wenn sie jetzt zum Beispiel eine Sandburg bauen; auch das weiß ich genau, denn davor waren wir mit der ganzen Party-Partie am Spielplatz. Einem kleinen Spielplatz. Die Siebenjährigen stellten sich an den Rand der Sandkiste und sprachen: Entschuldigung, aber was mache ich hier? Du spielst. Du meinst, ich soll da reingehen und mich schmutzig machen wie ein Kleinkind? Das wäre eine Möglichkeit; wir können aber auch Topfklopfen. Die Siebenjährigen starrten mich mit einem Was-will-die-Geisteskranke?-Blick an, weil Topfklopfen, Entschuldigung, babyischer geht’s ja wohl nicht. Rück die Süßigkeiten einfach so raus; und holst du bitte die Nintendos herunter? Nein. Dann gib den Topf her, wir brauchen Wasser, wir müssen den Dings einbetonieren. Bitte gern. Es wurde eine ausgefieselt schöne Sandburg, mit Wassergräben und Türmen und statisch einwandfreien Tunneln, und zwar völlig ohne mein Zutun.

Seit danach sind die Mimis praktisch nicht mehr da: Sie sitzen abwesend auf dem Sofa und sprechen mit ihren Computern. Jetzt geh da! Juchuuu! Scheiße, ich bin schon wieder tot! Es ist beängstigend, aber der Plan geht so: Eine Woche spielen sie, soviel sie wollen, danach brutales Reglement. Selbstverständlich hegte ich die Illusion, dass meine Kinder, meine Kinder nämlich, das Gerät schon nach wenigen Stunden weglegen und bekannt geben würden, das werde ihnen jetzt allmählich zu blöd, sie wöllen nun wieder etwas Kreatives tun. Passiert natürlich überhaupt nicht, und wieso auch, sie entstammen schließlich einer Klein-Dynastie von Computernerds und Süchtlern, denen das Talent zur Mäßigung nicht gegeben ist. Also zum Beispiel ihre Mutter musste sich mit schmerzhaften Schnitten zuerst vom Rauchen und danach vom Facebook abschneiden, weil ein bisschen geht einfach nicht. Es geht nur volle. Bis Mittwoch noch, Mimis. Dann will ich eure Gesichter wieder sehen, auch wenn schmerzverzerrt sein werden.
27.05.09

Let there be rock, wenn du mich fragst

| Comments (0) | 05/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Der Lange liegt mit dem kranken Mimi im Bett und zeigt ihm am Laptop AC/DC-Videos. Das Kind wirkt so glücklich, wie ich es von unseren Kindern, wenn sie ein AC/DC-Video sehen, erwarte, und will nun doch Gitarre lernen. Das ist gut; denn wenn sie im Herbst Gitarrenunterricht nehmen, muss ich nicht mehr mit dem schlechten Gewissen leben, dass ich meine Kinder vor allem zum Fußball und zum Judo schicke. Statt mich um die Förderung ihres musischen Talents zu kümmern, wie es gute, verantwortungsvolle Eltern tun würden, und zwar egal, ob in ihrem Kind ein musisches Talent verborgen liegt oder nicht. Und ich hätte ja gerne, dass die Mimis ein, zwei und dann vielleicht sieben Instrumente beherrschen, dass sie irgendwann virtuos Klavier oder in einem Orchester spielen können. Aber damit sie irgendwann virtuos Klavier spielen können, müsste ich sie schon jetzt jeden Tag vom Spielen, Fußballen, Balgen und Herumdüsen abhalten, und stattdessen mit ihnen das Instrument üben. Ich finde aber, dass siebenjährige Kinder ihre Nachmittage lieber mit Herumgespiele und sozialer Interaktion verbringen sollen, als mit konzentriertem Lernen und Üben, nur führt es halt wahrscheinlich dazu, dass sie keine Konzertpianisten werden. Allerdings können sie sich von ihrem Vater abschauen, dass es komplett unnötig ist, ein Instrument zu beherrschen oder auch nur singen zu können, um Frontman einer Band zu werden und wiederholt Tonträger zu veröffentlich; ja, dass zu große Kunstfertigkeit am Instrument im Gegenteil den Geist des Rock`n`Roll übel kontaminiert, wie der Lange gerne predigt. Oder hat man am Konservatorium je die Hells Bells erklingen hören? Eben. Es hat alles zwei Seiten.

Weil ich gerade die Zahl sieben erwähnte. Es naht das Wiegenfest der Mimis, und was ist? Am Tag der Feierlichkeiten, die dieses Jahr in einem Freibad stattfinden sollen, ist mit schweren Stürmen und Temperaturen unter zwanzig Grad zu rechnen. Das heißt, dass ich in der Wohnung Platz für ca. 22 Kinder plus ihre Erziehungsberechtigen schaffen muss. Wobei, das geht alles noch, richtig schwierig wird es, dann den heiteren und gelassenen Eindruck zu erwecken, den man von einer alltagsgestählten Mutter während der Party ihrer eh nur zwei Kinder erwartet, und leider sollte sie dabei nicht lallen. Und nicht mir ihrem Lebensgefährten streiten, was sich im Kinderpartystress gerne aufdrängt, wenn der Lange schließlich findet, er habe nun genug geschuftet, sich auf seine seine Kernkompetenz besinnt und mit den anderen Vätern beim Bier lustig plaudert. Die Eltern, die uns davor noch nicht gekannt haben, werden am Heimweg finden, dass der Vater ein heiterer und gelassener Kerl ist, aber die Mutter stresst leider entsetzlich, und hat die nicht gelallt? Die hat doch gelallt! I´m direkt on the highway to hell, aber das ist jetzt auch nichts Neues.
11.03.09

Zu Lasten der Herkunftsfamilie

| Comments (0) | 03/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Jetzt hat eins der Mimis zwei Mal bei bei meiner Freundin Anna übernachtet und ist darob zu der Erkenntnis gelangt, dass Elternschaft ein soziales Konstrukt ist. Anna, deren Sohn schon aus dem Haus ist, steht den Bedürfnissen kleiner Mädchen extrem aufgeschlossen gegenüber: man darf bei Anna schon zum Frühstück fernsehen, spät Nachts mit dem Handy für den favorisierten Dancing Star voten, Schokolade essen bis man in ein glykolisches Koma verfällt und wird in Milch und Honig gebadet. Die Anna sagt nie Sachen wie; jetzt nicht, geht’s noch?, räum dein Zimmer auf, zieh dich endlich an, dann gibt’s aber keinen Nachtisch, komm Flöte üben und beeil dich. Es ist dem Mimi klar, dass sein Wunsch, ganz zu Anna zu übersiedeln, vermutlich abschlägig beschieden würde, deswegen hat es jetzt realistischer verankerte Sorgerechtsverhandlungen aufgenommen: Wenn es ein- oder zweimal pro der Woche bei Anna übernachten würde, würde das das Verhältnis zwischen ihr und der ihrer Herkunftsfamilie doch sehr entlasten, das wäre doch für alle das Beste, da hätte doch jeder was davon. Geht’s noch? Und jetzt räum endlich dein Zimmer auf.

Immerhin glaube ich jetzt zu wissen, was des Mimis Frühpubertät ausgelöst hat: Dass wir es an das Schulsystem verraten und ausgeliefert haben. Dass wir den bösen Drachen Schule nicht mit güldenden Schwertern und unter Einsatz unseres nackten Lebens von unserem Kinde abgewehrt, sondern ihm dieses zum Fraße hingeworfen haben. Ich fürchte, das hat das Mimische Grundvertrauen in unsere Komplizenschaft stark erschüttert. Zur Strafe lässt es seine Hausaufgabenhefte in der Schule liegen, weil nicht gemachte Hausaufgaben natürlich nicht dem Kind angelastet werden, sondern den innerlich verwahrlosten Eltern. Das andere Mimi will auch nicht in die Schule, verarbeitet diese Tatsache aber mit weniger rebellischem Potential. Dabei ist es ja nicht so, dass es ihnen in der Schule nicht gefällt. Sie tun sich auch nicht schwer. Sie wollen nur nicht hin.

Der Fink wiederum fühlt sich von seiner Dreijährigen verraten. Es gäbe im Kindergarten seiner Tochter so viele nette Kinder aufregender und geiler Mütter, sagt der Fink, und wen hat sich das Kind zum Freund erwählt: den Justin. DER JUSTIN!, heult der Fink, AUSGERECHNET DER JUSTIN!

In dieser Hinsicht haben wir mit unseren Kindern mehr Glück. Wann immer eins der Mimis von einem der neuen Schulfreunde zum Geburtstag geladen wird, holen wir es hernach in Wohnungen ab, in denen man nicht von frostiger Pathologie-Athmosphäre oder exakten Kopien von Schöner-Wohnen-Trend-Dekos in die Flucht geschlagen wird. Nein, wo immer es uns hinverschlägt, verweilen wir auf ansprechend zerkratzten Fußböden, zwischen sich stapelnden Büchern und dekorativ herumlehnenden Stromgitarren gern auf alten Stühlen. Keine Justins, nirgends, nur unzickige Eltern, die einem ohne lang zu fragen, den Teller oder das Glas noch einmal bis zum Rand füllen. Wenn alles an dieser ganzen Schulsache so einfach wäre: halleluja.
4.03.09

Und mach die Tür hinter dir zu

| Comments (3) | 03/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Am Dienstag wollte ich zur Vernissage von der Frau Widauer gehen, Babysitter organisiert, mit einer Freundin ausgemacht, alles, wusch mir in der Früh die Haare, und die waren dann so fluffig und ganz abnormal ansehnlich, dass ich mir die Frisur nicht mit einer Haube runieren wollte, ich radelte also ohne Haube ins Büro und ging dann nicht zu der Vernissage, weil ich den Abend dann doch lieber mit hundert Schneuztüchern, einem Thermophor und einem Fieberthermometer im Bett verbrachte. Aber ich hatte dabei die Haare sehr schön.

Immerhin musste ich wegen Heiserkeit auch nicht mit meinem Kind herumstreiten, das mit sechseinhalb in die Pubertät gekommen ist und nicht mehr mit uns spricht. Also noch weniger mit uns spricht als vorher schon nicht. Es schmust nicht mehr, es will nicht mehr gekitzelt werden, es will nur noch in seiner Hängematte liegen und ganz für sich und ganz laut „Was-ist-was“-CDs-hören, und wenn ich ihm zwischendurch eins von Schiepeks hübschen Melamintellerchen mit einem Buttertöstchen ins Zimmer stelle, brummt es: Hm, und jetzt geh wieder. Und mach die Tür hinter dir zu. Zuweilen kuschelt es sich an mich und drückt mir warme Küsse auf die Backe, dann will es außerhalb der verabredeten Zeiten einen Film anschaun. Wenn sich diese Investition nicht lohnt, reduziert es den Kontakt wieder auf böses Geschau und pampigen Befehlston. Jetzt heult es gerade „Papa, du verlangst zuviel!!“, und zwar, weil der Lange nicht und nicht einsehen will, dass einmal in der Woche baden völlig reicht.

Ich will nicht undankbar sein, aber andere Eltern haben nettere Kinder. Und oft zudem noch begabtere. Wo immer wir derzeit hinkommen, haben Eltern nette, begabte Kinder, die auf dem Klavier unaufgefordert fehlerfreie kleine Etüden spielen, anstatt gemein zu ihren Eltern zu sein. Na, gut, es sind auch welche darunter, die vorher und nachher gemein zu ihren Eltern sind, wofür die Etüden aber einigermaßen entschädigen. Was habe ich? Ich habe zwei Kinder, die sich an den Gastgeber-Tisch setzen und sagen, es tue ihnen leid, aber jedes der angebotenen Gerichte sei auf seine spezielle Weise grauslich und ungenießbar, verzehren oder auch nur probieren sei ganz ausgeschlossen. Nein, stimmt nicht, das tut-mir-leid lassen sie weg, sie sagen nur das mit dem ungenießbar und dem grauslich.

Auch im Unterschied dazu haben andere Eltern Kinder, die ihnen permanent Anlass geben, verzückt über diese zu sprechen, ungefragt zu betonen, wie gut sie dies und das können, diese Eltern zeigen auf ihre Kinder und rufen: Ist er nicht süß? Ure. Dabei sind meine Kinder schon auch süß, auf ihre ganz eigene Weise, und deppert sind sie auch nicht, sie können auch Sachen total gut, aber das Verklären von Kindern ist, finde ich, eher eine Oma-Disziplin. Ich komme ja mehr vom Sudern; und das, bei dem Weg, können meine Kinder absolut prima. Plus, sie haben sehr schöne Haare; nicht, dass Sie glauben.
3.02.09

Sag ich nicht, aber es wird dir gefallen

| Comments (0) | 02/09 | Kinder und andere Mitbewohner

Wie ich aus dem Bett gehüpft bin, hat es mich gleich längelang auf die Gosche gehauen und ich habe mir das Knie aufgeschlagen. Was erstens daran lag, dass ich mir tags zuvor schön die Füße geraspelt hatte, und jetzt babypopschzarte Füße plus glatter Parkett, gemma. Zweitens war eiliges Eingreifen von nöten, ich musste nämlich sehr schnell um die Bett-Ecke und aus dem Schlafzimmer bohren und das Schlimmste verhindern, weil ich gerade gehört hatte, wie der Lange dem einen Mimi sagte, na gut, wenn es denn so gar nicht mag, braucht es nicht in die Schule zu gehen. Das Mimi war fast die ganze Woche krank und erst einen Tag wieder in der Schule gewesen und hatte festgestellt, dass es, obwohl Schule nicht schlecht, wesentlich mehr Spaß macht, den ganzen Tag im Bett zu liegen und Filme anzuschauen. Nun war das zweite Mimi, das die ganze Woche in der Schule gewesen war, abends zuvor auch krank geworden, und würde nun, um Mutter die Erwerbsarbeit zu ermöglichen, den ganzen Tag im Bett liegen und Filme schauen müssen. Da fand das erste Mimi, es sollte das Herz seines Vaters mit ein wenig bitterlichem Geschluchze erweichen, was gelang. Leider rechnete es nicht mit dem leichten Sieben-Uhr-Früh-Schlaf seiner Mutter.

Hatte es auch keinen Grund dazu. Schließlich hatte sich die Mutter abends zuvor Richtung Austrofred-Buchpräsentation aus der Wohnung entfernt, mit dem Langen, mit Lippenstift, Stöckelschuhen und den Worten, wehe, man lasse sie morgen nicht ausschlafen, wehe ein Kind käme, wie letztens nach dem Auflegen im rhiz auf die Idee, nicht zur Schule gehen zu können, ohne zuvor an der geliebten Mutter gerüttelt und ihr einen innigen Abschiedskuss auf das stinkende Maul gedrückt zu haben. Die Oma ist eh da, also: WEHE!!!!

Aber jetzt wieder nix; sondern mit blutigem Knie und brutalem Schädelweh aussi, den Langen fragen, ob er deppert geworden ist und dem heulenden Kinde sanft, aber eindrücklich Informationen über die allgemeine Schulpflicht in Österreich nahebringen, die es nun einmal verbietet, einfach zu Hause zu bleiben, weil man gerade keine Lust hat. Buhuhu. Und warum, buhuhu, darfst du dann liegenbleiben? Wie du siehst, darf ich eh nicht. (Dafür hatte sich der Lange aus gekränkter Vater-Eitelkeit wieder ins Bett zurückgezogen und schnarchte bereits weiter.) Komm, du ziehst dich jetzt an und am Nachmittag, wenn du heimkommst, hab ich eine Überraschung für euch. Was für schluchz eine schluchz Überraschung? Sag ich nicht, siehst du dann, aber es ist eine gute und sie ist DVD-förmig.

Auch das habe ich bereut. Schon nachmittags um vier musste ich die Antwort auf die um zwei gestellte Frage, ob in „Mamma mia!“ Monster vorkommen, vollumfänglich revidieren, weil: Ja, es kommen in „Mamma mia!“ doch Monster vor. Ich werde jetzt, suupapa, truupapa, in einem ABBA-Umerziehungslager festgehalten; und das Knie schmerzt immer noch.
16.12.08

Wir haben noch genug andere Zimmer

| Comments (0) | 12/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Wenn die Kinder noch einmal „Feliz Navidad“ auf ihren Pu-der-Bär-Casios spielen, entleibe ich mich. Ich weiß nicht, woher sie diese Besessenheit haben; aber sie muss jeweils über ein saisonal oder kulturindustriell vorgegebenes Ereignis gestülpt werden; aktuell: Weihnachten. Unsere Wohnung wird von einem Adventkranz geziert, unzähligen Kerzen und Sternen plus einem bereits fixfertig geschmückten Christbaum, den, auf Wunsch des Bubenmimis, die ganze Familie an Tag eins des Wiener Christbaumverkaufs gemeinsam aussuchen und singend nach Hause tragen musste. Das Kind hat, abseits ihres Fußballwahns, eine stark idyllische Ader.

Ossi, mein Alter Zürcher WG-Kumpel, hat das noch vor sich: nicht nur ehemalige Arbeitskollegen (neun), auch ehemaligen Mitbewohner (jetzt: zwei) zeigen eine auffällige Tendenz, ebenfalls Zwillinge zu bekommen; Ossis Zwillingsmädchen kommen im April zur Welt. Es spricht aus seinen Mails die übliche, präparentale, geistesgestört verklärte Ahnungslosigkeit: Er hat keinen Tau, was auf ihn zukommt, weiß aber mit Sicherheit, dass es überhaupt kein Problem wird. Ich erkläre ihm vorsichtig, dass er sich die ersten drei Jahre sogar die Zeit, die er zum Atmen braucht, gut einteilen wird müssen und er sich weitere drei Jahre später wegen anhaltender Weihnachtsliedfolter harakirien wird wollen, aber das hört er gar nicht. Hat er auch Recht, bringt ja nichts. Immerhin ist er realistisch genug, mir seinen Maserati zum Kauf anzubieten; weil dafür hat er vorläufig tatsächlich keine Verwendung. Obwohl ich ihm vielleicht erzählen sollte, dass einer der neun Arbeitskollegen einen Ferrari mit zwei Kindersitzen fährt.

Und ja, wir könnten ein neues Auto brauchen: Unseres hat ein Problem beim Starten. Einen Wackler in der Zünd-Elektronik, was weiß ich. Für das Auto ist der Lange zuständig, und er könnte es in eine Werkstatt bringen und das Problem beheben lassen, aber aus irgendeinem, vermutlich finanziellen Grund, widerstrebt ihm das. Wir machen es jetzt einfach so, dass wir das Auto nur noch auf abschüssigen Straßen abstellen, oder wenn verlässlich Leute in der Nähe sind, die beim Anschieben helfen können. Der Lange kennt mittlerweile alle Tankstellen zwischen Wien und Waldviertel mit einer Neigung von plus zehn Prozent, und er findet, damit ist die Sache erledigt. (Wenn es bei uns in einem Zimmer schlecht röche, würde der Lange ein Dutzend mal anmerken, dass es in dem Zimmer schlecht riecht und schließlich zum Baumarkt fahren, Abdichtklebeband oder Silikon kaufen und das Zimmer von außen luftdicht verschließen. Wir haben ja noch genug andere Zimmer).

Apropos Kulturtechniken und Besessenheit befinden wir uns gerade in einem Experiment, wie oft sich Sechsjährige „Kungfu Panda“ anschauen können, bevor ihnen das zu fad wird. Bislang können wir sagen: Nicht vor dem 8. Mal. Versuch 9 verschafft uns soeben eine lebenserhaltnde Pause von „Feliz Navidad“. Merci, Po. Und merci bien, Christkind, ich habe gehört, du bringst ein neues Kolumnenbild.
19.11.08

Zuviel Unklarheit in der Zusammensetzung, leider

| Comments (0) | 11/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Anderntags muss ich um elf im Fürstenhof gestellt sein, die Schellinskis, die alten Haberer, präsentieren ihre neue CD „Herz Schmerz Hotel“. Wie ich den Fürstenhof betrete, sitzt dort Hermes (nicht der Hermes von nebenan, der andere Hermes) hinter einer dunkeldunklen Sonnenbrille; man kann nicht sagen, ob er wach ist oder schläft, er wirkt aber so, als würde er, wenn er nicht schläft, selbiges gerne tun. Ich sage, haha, mir geht’s auch schlecht, weil ich war gestern bis drei im Jenseits, und Hermes sagt, da sei insofern interessant, als er gestern bis fünf im Jenseits aufgelegt hat. Ach, echt. Hab dich gar nicht gesehen, war in der andern Ecke mit der Ruth und dem Herrn Verlagschef und der Frau Lektorin, es war überaus anregend. Der Lange kommt, der Fink und noch ein paar andere und dann geben die Schellinskis zu Gulasch und Bier ein kleines Konzert mit Liedern, die nur der Fink und ich verstehen, aber die anderen finden es auch ganz prächtig. Weil die Schellinksis sind ungefähr so etwas wie der Ernst Molden auf vorarlbergerisch, der mir übrigens nach der letzten Kolumne einen nagelneuen Track gemailt hat: pvau, danke, echt nett. Aber im Unterschied zum Molden hat mir der Schellinski-Sänger, der damals die coolste Sau zwischen Kummenberg und Schweizer Grenze war, schon Bluese vorgesungen, wie ich selbst praktisch noch ein Kind war; das prägt. Es ist also sehr nett im Fürstenhof, und das Bier käme mir jetzt unglaublich gelegen, aber danke nein, ich muss noch arbeiten. Und dann noch ausgehen.

Das Leben ist derzeit so, dass uns die Babysitter ausgehen. Ständig ist etwas. Immer muss man wo sein, und wenn man nicht muss, dann will man. Hab ich nicht letztes Jahr den ganzen Herbst und den ganzen Winter gekocht und Kuchen gebacken? Und war das nicht schön und ungemein befriedigend? Kann mich nicht mehr erinnern. Kochen spielt derzeit in meinem Dasein eine so untergeordnete Rolle, dass die Anna, wie sie kürzlich am frühen Abend zum Babysitten herüber kam, bis auf die Tiefkühlerbsen und 1 Pommes rundheraus das gesamte Essen ablehnte, das ich ihr auf den Teller schaufelte: zuviel Unklarheit bei der Zusammensetzung der Hühner-Nuggets, die die Kinder serviert bekamen, und zuviel Klarheit beim Inhalt der Garnelen-Wantan aus dem Tiefkühlsack. Anna sagt, Entschuldigung, sie verträgt leider kein Glutamat. Ich schon; magst vielleicht ein Brot?

Immerhin kann ich den Einzug der Realität ins Leben meiner Kinder verlautbaren, denn als ich das Haus verlasse, zeigen die Mimis der Anna gerade, was sie in der Schule gelernt haben, sie können jetzt nämlich auf Türkisch „Arschloch“ sagen. Gottseidank, ich dachte schon, sie lernen da gar nichts fürs Leben.
12.11.08

Und Fionn Regan soll mich Hase heißen

| Comments (1) | 11/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Der Lange sagt, er kann keine weißen Schmerzensmänner mehr hören, aber ich verehre die weißen Schmerzensmänner. Ich finde, es ist die Jahreszeit für weiße Schmerzensmänner. Ich bin in der Stimmung für weiße Schmerzensmänner, kömmet zu mir und singet mich an, ihr wundervollen Heulboyen. Ryan Adams, Fionn Regan, Vic Chesnutt, Conor Oberst, Fink, M. Ward, Mica P. Hinson, und auch (was der Lange gerade noch akzeptiert) Bernhard Fleischmann und Ernst Molden: Erschallet, bis die Krokusse wieder erblühen, bis mich des Morgens wieder fürwitzige Sonnenstrahlen wachkitzeln statt nachtschwarzer Frühwinterbrutalität. Und darüber hinaus gerne auch noch. Ich wölle, dass Adams mit seinem neuen Album „Cardinology“ mein Leben fixt und Regan sölle mich Hase heißen. Und natürlich soll mir Bob Dylan die Ballade vom Girl from the Red River Shore noch drei-, vierhundertmal vorsingen; glücklicherweise zählt der Lange Dylan zum Guten in der Welt. Dreihundertmalige Wiederholungen dagegen leider nicht, das bekamen auch die Mimis und Peter Fox zu spüren. Peter Fox haben wir gern gehört („Haus am See!“ Jess!) jetzt haben ihn die Mimis in die Finger gekriegt und wir hören ihn nicht mehr: Jetzt werden wir gehört, tagaus, tagein, auf einer 24/7-Basis. Mein Verständnis haben sie, wenn etwas wirklich wirklich gut ist, muss man es wieder haben und wieder tun. Plus, ich habe einen eigenen Kopfhörer, fett wie zwei doppelte Cheeseburger TS Royal.

Die Meinung, dass etwas Gutes wiederholungspflichtig ist, vertritt auch das Bubenmimi, das schon vor längerem ein zentrales Motiv in sein Leben implantiert hat, und das ist: Fußball, der Fußballverein, das wöchentliche Fußballtraining. Kann man ein Training auslassen, weil Laternenfest ist? Nein. Für einen Hort-Ausflug ins Schokolademuseum? Sicher nicht. Furchtbare Erkältung? Nix. Weil man seit einem Dreivierteljahr praktisch unmöglich zu ergatternde Karten für das Fest der Pferde hat? Nicht einmal daran denken. Und obwohl das Bubenmimi in dieser Familie die einzige ist, die Interesse daran hat, einen Ball mit dem Fuss zu treffen: es macht das Leben mir ihr doch einfach. Es ist leicht, sie glücklich zu machen. Das hat uns der Polz zuletzt im Garten der Horwaths vorgeführt, als es zu Tränen und Geschrei kam, weil wir das Bubenmimi aus dem Zimmer mit dem TV-Gerät entfernt haben. Und nachdem ich bei dem Kinde auch nach zehn Minuten mit vielen klugen, besänftigenden, pädagogisch wertvollen Worten, mit Versprechungen und Erpressungsversuchen genau nichts erreicht hatte, sagte der Polz, der keine Kinder hat und in seinem Leben mit Kindern überhaupt nichts am Hut, zum Mimi: Komm, wir spielen ein bisschen Fussball. Zwei Sekunden später war das Mimi wieder froh. Ach: so geht das.
29.10.08

Schön sprechen, Kleiner!

| Comments (0) | 10/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Permanent muss man aufpassen, dass die Kinder nicht mit irgendwelchen völlig degenerierenden Medien und Medienprodukten in Kontakt kommen: es ist total nervig. Am Samstag am Land schaffen wir es endlich einen Tisch in einem der Handvoll akzeptabler Gasthäuser im Waldviertel zu bekommen; gemeinsam mit den Polzes und den Horwaths und den Hofingers, die auf Besuch sind, und wir müssen nicht einmal die Kinder mitnehmen, weil der Nachbarsvierzehnjährige hat sich zum Babysitten überreden lassen. Vierzehnjährige brauchen immer Geld. Leider beginnt der Abend suboptimal; denn der kleine Horwath ist ein liebes, nettes Kind, solange er seinen Willen bekommt. Wenn nicht, nicht. Zum Beispiel ist es nicht der Wille des kleinen Horwath, dass während der Eltern-Abwesenheit „Bullerbü“ geschaut wird, weil er der Ansicht ist, „Bullerbü“ sei etwas für Babies und kleine Mädchen; der kleine Horwath ist härteren Stoff gewohnt. Und der kleine Horwath ist gewohnt, dass geschieht, was er bestimmt, bloß steht es diesmal drei zu eins für „Bullerbü“. Der kleine Horwath hat eine sehr niedrige Frustrationstoleranz, und ich muss erst einmal in die Knie gehen und ihm mit großer Eindringlichkeit klarmachen, dass er zu mir sicher nicht „Blödmann“ sagt. (Früher, als der kleine Horwath drei oder vier war, bebrüllte er den jeweiligen Diskursgegner als Seistwodl: Schön sprechen, Kleiner, das heißt Scheißtrottel, und das sagst du auch nicht zu mir.) Es ist aber unwahrscheinlich, dass er mich hört, weil er gerade sehr viel Blut im Kopf hat, das rauscht in den Ohren, und die Mimis fangen auch noch an zu weinen, weil das Gederwische und Gekreisch des kleinen Horwath sie erschreckt.
Deshalb auch „Bullerbü“; die Mimis haben eine sehr niedrige Gewaltaffirmationstoleranz, medial und real, und als sie im Sommer einmal, eh gegen meine Überzeugung, „Harry Potter“ geschaut haben, weil die Mosers gesagt haben, das wäre ein total harmloser Babyfilm, den auch ihre dreijährige Tochter schon schaut, brachen Sie danach spontan in Tränen aus und hatten nächtelang Alpträume. Und ich verstehe das überhaupt nicht und werde das nie verstehen, warum aufgeklärte Eltern ihre kleinen Kinder bewusst solchen Bildern voller Bedrohung und Gewalt und Angst aussetzen. Ich bin ein großer Fan der netten Harmlosigkeiten von „Bullerbü“, und beabsichtige, es zu bleiben.
Diverse Drohungen der Horwathin später ist auch der kleine Horwath bereit für „Bullerbü“, der Nachbarsbub hat die DVD und vier Telefonummern schon in der Hand und ist über Allfälligkeiten instruiert. Wie wir drei Stunden später heimkommen, sitzen alle Kinder um des Nachbarsbuben Laptop (der vorher noch nicht da war), und als ich das Zimmer betrete, sagt der kleine Horwath gerade: „Kannst du den noch schnell töten?“ Nein, kann er nicht. Weil jetzt ist erst einmal er dran.
8.10.08

Andere wären einfach mit dem Schaufelbagger rein

| Comments (1) | 10/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Dafür finde ich es im Gegensatz zu praktisch allen anderen Eltern fantastisch, dass die Schule schon um acht anfängt. Es bedeutet, dass der Lange, der in der Früh dafür zuständig ist, Kaffee und Kakao ans Bett zu liefern, sich zu duschen, sich anzuziehen und drei Mal wöchentlich die Kinder zur Schule zu bringen (ich mache den winzigen Rest) jetzt nicht mehr bis um neun in Unterhosen durch die Wohnung hoppelt: da in einem Buch blättert, hier ein Zeitschrift aufschlägt und dort einen Song herunterlädt. Die Kinder warteten derweil angezogen und schwitzend an der Wohnungstür und kriegten schlechte Laune. Jetzt sind sie um halb acht aus dem Haus; und Mutter widmet sich in aller Ruhe der Ruhe.

Wie ich letztes Mal bis drei Uhr früh im rhiz aufgelegt habe und die Young Gods waren da, durfte ich ausschlafen. Die Kinder gingen ohne Frühstück, ohne Regenjacke und ohne Frisur in die Schule, und ich erbaute mich später sehr an des Langen Gestöhn, wie wahnsinnig anstrengend das denn alles sei, was da in der Früh zu erledigen anstünde . Ach wirklich. Dieses Erledigen bringt mich nämlich täglich an den Rand meiner Möglichkeiten, und wenn die Kinder abends um acht im Bett sind, will ich auch ins Bett. Nein, eigentlich will ich schon um halb zwölf wieder ins Bett.

Halb zwölf ist ungefähr die Zeit, zu der Haemmerli an normalen Tagen in Zürich aufsteht, und wenn ich abends bereits mit meinen Augendeckeln kämpfe, ist er gerade schön warmgelaufen und würde jetzt gerne telefonieren. Haemmerli und ich leben in verschiedenen Zeitzonen, dabei müssen gerade jetzt akut Sachen besprochen werden. Essen verabredet. Adressen ausgetauscht. Denn Haemmerlis Dokumentar-Film über seine Messie-Mutter hat heute, Mittwoch, im Top-Kino in Haemmerlis Beisein Premiere. Der Film heißt "Sieben Mulden und eine Leiche", die Schweizer kennen ihn schon, die Deutschen kennen ihn auch schon, denn Haemmerli war bei Kerner, eine offenbar semilässige Erfahrung, weil Kerner wollte wohl immer nur über die grausigste Stelle in dem Film reden. Dabei ist der Film, in dem Haemmerli zeigt, wie er mit seinem Bruder die Wohnung der verstorbenene Messie-Mutter aufräumt, die darin durch einen Treppensturz zu Tode gekommen und leider ein paar Tage lang dort auf der Bodenheizung lang, eigentlich überraschend heiter. Und wirklich gut, ich habe ihn schon bei der Zürcher Premiere gesehen. Haemmerli sagte, das Kerner-Publikum habe ihn für herzlos gehalten, aber herzlos ist Haemmerli nicht: Die Akribie, mit der er die Lebensgeschichte seiner Mutter aus dem Material zusammenpuzzelt, das er in dieser unfassbaren Müllhalde fand, in der sie lebte, zeigt eine Zuneigung, die man einer Mutter, die einen mit zehn ins Internat steckte, nicht zwingend entgegenbringen müsste. Andere wären einfach mit dem Schaufelbagger rein, man hätts verstanden. Haemmerli hat einen Film gemacht, der ist extrem sehenswert. Gut, ein bisschen grausig auch.

„Sieben Mulden und eine Leiche“ von Thomas Haemmerli. Ab Fr im Top-Kino
4.10.08

Verbieten bringt doch überhaupt nichts1

| Comments (0) | 10/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Zwei Wochen lang fanden die Kinder die Schule supsi: neu, spannend, interessant, uraufregend. In der dritten wurde ihnen klar, dass das jetzt immer so sein wird. Immer so früh aufstehen, immer rechtzeitig da sein, immer vier oder fünf Stunden Unterricht und danach immer Hausaufgaben. Es ist praktisch ein Schock. Macht sie muffig, patzig, aggressiv und wenn man einmal die Stimme auch nur ein halben Milimeter erhebt, fangen sie hysterisch an zu heulen, aber so hysterisch. Dabei sind sie Lautstärke gewohnt, bei uns sind alle laut, aber jetzt muss man als Erziehungsberechtige ganz leise sein. Ganz sanft. Meine Mutter sagt, das schadet nichts, das senkt euren Gebrüllpegel endlich ein bisschen, und dass ich vom Hinunterschlucken von dringlich veräußerungswürdigem Hochdruckgekeppel wahrscheinlich ein Magengeschwür kriege, ist ihr wurscht. Und die Mimis geben mir zu Gekeppel vielerlei Anlass: Ess ich nicht, trink ich nicht, mach ich nicht, will ich nicht, zieh ich nicht an, räum ich nicht auf. Nein, nein, nein, nein; wenn man überhaupt eine Antwort kriegt. Eine der Mimis hieß mich gestern dumme Kuh, das hätte sie früher nie gemacht, ich bin bitte ihr Idol, und ich habe sie, wie ich es aus der TV-Debatte HC gegen VdB gelernt habe, hypotisch angeflüstert: wenn ich das noch einmal höre, gibt’s kein kein kein... kein Irgendwas, du wirst du es jedenfalls bereuen. Die Schule macht uns fertig. Führt dazu, dass ich mir Sanktionen ausdenken muss. Aber wie sanktionierst du Kinder, die sowieso nicht computerspielen dürfen.

Computer, by the way, Abt. Gameboy: Es gibt im Hort einmal im Monat einen Gameboytag, da dürfen alle, die einen haben, ihren Gameboy mitbringen, und alle die keinen haben, wollen am Abend auch einen. Ich habe beim Elternabend gesagt, wenn ich einmal etwas sagen darf, ich bin unheimlich dagegen. Alle anderen schauten nicht mal hoch; nächster Punkt. Ich sagte noch einmal, ich bin übrigens strikt gegen den Gameboytag, und da erbarmte man sich meiner und erklärte mir in mitleidigem Ton, wie wichtig es sei, die Kinder einen vernünftigen Umgang mit modernen Massenmedien zu lehren. Gehöre nun mal zum Alltag; verbieten bringe nichts. Verbieten bringt wohl was, ich verbiete seit Jahren mit großem Erfolg und beabsichtige nicht, mein Konzept zu ändern, was durch den Gameboytag allerdings massiv verkompliziert wird. Im Gegenzug werde ich beim nächsten Elternabend vorschlagen, auch einen monatlichen Drogen-Tag einzuführen, an dem die Kinder ihre Zigaretten und Alkopops mit in den Hort bringen dürfen, was ich circa gleich schädlich finde wie Computerspiele: aber sie kommen ja doch früher oder später doch in Kontakt damit, besser man lehrt sie rechtzeitig einen vernünftigen Umgang mit dem Zeug. Verbieten bringt doch nichts.

Und Sie brauchen jetzt gar nicht zu sagen, dass die Kinder ihren Hang zum Hysterischen schon irgendwo herhaben... Ich habe schon eine Mutter, die mir revanchistische Referate hält, herzlichen Dank.
21.09.08

Das glaubt dir normal nicht einmal eine Zweijährige

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Wie uns der Fink am Land besuchte und doch kein Haus kaufte, trug er ein pakistanisches Nationalgewand; weiße Pluderhose, knielanges weißes Hemd, dazu Bregenzerwälder Kuhfell-Hölzler und eine Siebzigerjahre-Pilotenbrille. Er klapperte einmal quer durchs Dorf und wieder zurück, und jetzt großes Aha. Aha, die gehören also zu einer Sekte! Die ganze Partie, die Horwaths, der Polz und seine Freundin, und die neuen da; alle Sektenheinis! Haben wir gleich gedacht, dass mit denen was nicht hui ist.

Dabei sind wir bestensfalls eine Art WG auf ein paar Tausend statt 237 Quadratmeter wie früher; und jetzt halt eine WG mit den Mitteln einer Wochenendagargemeinschaft: Früher haben wir mit illegalen Lustigmachern experimentiert, jetzt experimentieren wir mit Honigschleudern und Saftpressen. Plus es gibt jetzt auch Kurze, das gab es früher auch nicht, weil früher hätte keine Mutter mit einem Eitzerl Verantwortungsbewusstsein einen Minderjährigen in unsere Nähe gelassen und wir keinen Minderjährigen in die Nähe unserer Gitarren-, Platten- und Fanzine- und Tätowiernadelsammlungen. Wenn du das angreifst, Kleiner, bist du erledigt. Wie Leute wie wir an eine Erziehungsberechtigung kommen, kann ich mir bis heute nicht genau erklären, aber am Wochenende saßen 13 Kinder unter der Laube vom Horwath, aßen Nudeln mit Bambisoße und ließen sich von uns belügen. Das war ein irre altes Reh, eine Rehgreisenurli! Die hatte ein urlustiges Leben mit ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln und ist dann von selber im Wald tot umgefallen! Das glaubt dir normal nicht einmal ein Zweijähriger, aber je hungriger das Kind, desto empfänglicher ist es für Lügen, selbst wenn sie so miserabel sind wie die. Und ich bin der Meinung, dass manche Wahrheiten noch warten können: beziehungsweise: Sie wissens in Wirklichkeit eh. Und sie finden es selber entlastend, dass sie noch so tun dürfen, als wüssten sie´s nicht. Wie beim Christkind; wenngleich meine Idee, ihnen heuer in aller Vorsicht die Wahrheit zu sagen, von der Realität bösartig hintertrieben wurde: Vorgestern in der Früh wurde uns auf nüchternen Magen mitgeteilt, man wisse übrigens wer das Christkind sei: IHR! Öh, aso, naja, hm, stimmt; seid ihr jetzt traumatisiert? Waren sie aber nicht. Scheint ihr Weltbild nicht zu ruinieren. Hätte man wohl schon früher machen können, wollte man auch, aber andere Eltern baten einen händeringend, derlei zu unterlassen, weil was eins weiß, wissen alle. Also, wenn es jetzt dann alle wissen: ich kann nichts dafür; von mir haben sie es nicht.

Was jetzt auch alle wissen, also im Dorf: Dass diese Wiener, die das Dings-Haus gekauft haben, die von der Sekte, an Sonntagen noch zu Mittag vollzählig in fleckigen Pyjamas anzutreffen sind, vor Bergen Geschirrs: der örtliche ÖVP-Mann, der mit einem pröllvollen Papiersackerl unvermittelt in unserer Küche stand, wird schon berichtet haben. (Bitte, die Pumpe hat nicht funktioniert! Wir hatten kein Wasser!) Na, ich sags euch, mit denen ist was nicht hui.
7.09.08

Hier drängen sich ein paar Fragen auf

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Es fielen in der ersten Schulwoche Entscheidungen. Erstens wählte ein Mimi für den ersten Schultag ein blumengemustertes Frottee-Kleid, das die Hofingerin, 42, im Alter von fünf Jahren sehr oft getragen hatte. Auch das andere Mimi bediente sich in den frühen Neunzehnsiebzigern und entschied sich zum Schulantritt für ein schwarzes Leiberl mit dem Bildnis eines weltberühmten Drogentoten, verschieden 1971 an einer Überdosis Heroin. Die Horwathin hat ein bisschen geschaut.

Zweitens entschied sich das eine Mimi dafür, am Religionsunterricht teilzunehmen, während das andere Mimi – Gott gibt’s ja gar nicht, ist doch alles nur ein Märchen – zum Religiösen ein kritisches Verhältnis pflegt. Es gab zu diesem Thema vor ein paar Wochen im Waldviertel einen kleinen Disput zwischen dem Horwath und mir, was die Breußin einen „kollossalen Streit“ nannte, aber Horwath und ich sehen das gelassener. Weil der Horwath sagt, bei einem korrekten Streit ginge ja die eine Seite auf die Argumente der anderen Seite ein, und ich sagte, ja, wenn es ein Argument ist, aber das war kein Argument, das du da vorgetragen hast, das war geistesgestört. Siehst du, sagt der Horwath. Es wäre jetzt zu kompliziert, die Sache zu erklären, aber der Horwath wählte ein außerordentlich drastisches Bild, um klarzumachen, wie er, der sonst mit dem kleinen Horwath einen derart liberalen Umgang pflegt, dass er selbst das Wort „Erziehung“ engagiert verachtet, nicht einmal im Traum daran denkt, sein Kind selbst entscheiden zu lassen, ob es in Religion will oder nicht. Religion und alles Religiöse lehnt der Horwath umfassend ab. Religion kommt für den Horwath und somit auch für den kleinen Horwath nicht in Frage, und das, obwohl sich der kleine Horwath in erheblichem Maß für Religion interessiert. Was freilich wiederum damit zu tun haben könnte, dass der Horwath das Badezimmer seines Landhauses mit Dutzenden alten Bildern von nicht durchwegs glücklich dreinschauenen Heiligen quasi zutapeziert hat, und während ein Kind am Klo sitzt und auf diese Heiligen blickt und die Heiligen auf ihn, drängen sich dem Kind natürlich dazu ein paar Fragen auf. Die der Horwath aber auf keinen Fall von einer Religionslehrerin beanwortet wissen will.

Drittens entschied sich das eine Mimi dann doch gegen die Religion; und zwar ganz ohne mein Zutun. Aber es ist mir, marantjosef, eher sehr Recht.
23.07.08

Was machen wir jetzt?

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Im Kaffeehaus kriegen sich der Horwath und der Lange jetzt zum Thema Sonnenengergie in die Haare. Gut, wir sind alle ein wenig aufgewühlt, weil wir eben unsere Kinder in einen Bus gesetzt und ins Sommerlager verschickt haben. Es war nicht unser Wunsch, es war der Wunsch der Mimis. Ich hatte viele Einwände, die ich ihnen gegenüber unausgesprochen ließ: Was, wenn etwas passiert? Was, wenn ihr Heimweg bekommt? Weil ich hatte im Lager immer Heimweh, und es war immer schrecklich, und am zweiten oder dritten Abend musste ich immer abgeholt werden. Aber zumindest im Vorfeld zeigten die Kinder keinerlei Anzeichen von übermäßiger Sentimentalität gegenüber ihrer Herkunftsfamilie; zählten wochenlang die Nächte bis Sommerlager und wachen am Abreisetag mit leuchtenden Augen auf. HEUTE! Die Mutter hat sauschlecht geschlafen und muss sich das angemessene Strahlen mit einiger Anstrengung ins Antlitz schnitzen. Heute. Was, wenn ich Heimweh bekomme?

Dann stehen wir am Reisebus und winken unseren Kindern zu. Eins weint; zum Glück keins von unseren, sondern das von den Szene-Wirten, die ihrem Kind, obwohl ihnen gar nicht danach ist, entschlossen entgegenstrahlen: Durch die begeistert gefletschten Zähne zischt der Szene-Wirt, dass der blöde Bus jetzt bitte bitte bitte endlich fahren soll, er hälts nicht mehr aus, gleich heult er auch. Eins der Mimis winkt nicht einmal zurück; keine Zeit, aber wie der Bus endlich startet, bin ich trotzdem froh, weil lange hätte ich mein Grinsen auch nicht mehr derhalten.

In dem Moment kommt auch der Kabarettist unter Gekeuche um die Ecke gerannt und kann seinem Kind, das von dessen Mutter geliefert worden war, gerade noch zuwinken. Wir applaudieren herzlich: schöne Vorstellung, Herr Künstler, Gott zum Gruße! Der Kabarettist kommt akut von irgendwo am Land, er hat einen Rucksack mit Gehstöcken dabei, sieht aber das Gegenteil von erholt aus und formuliert im Kaffeehaus entschiedene Einwände, als der Ober findet, die Bestellung werde erst aufgenommen, wenn alle parat seien. Nix da, gleich Kaffee. Dann geraten der Horwath und der Lange aneinander: kriegt man jetzt, wo der Photovoltaik-Klimafonds leer ist, noch eine Förderung für eine Strom- oder Warmwassersolaranlage? NEIN, ruft der Horwath, JA! ruft der Lange!, und wieder einmal fallen die Worte Dummkopf, Dodel und Depp. Muss man aber nicht so ernst nehmen. Ihr seid jetzt Nachbarn, da im Waldviertel, oder?, grinst die Szene-Wirtin, und der Horwath brummt, dass, na, zum Glück noch ein alter Bauer seinen Hof dazwischen habe, der sei nämlich geistig weit flexibler als dieser Sturschädel da. Wer redet, sagt der Lange.

Denn als Nebenniederösterreicher ist man umweltbewusst, macht sich Solarzellen aufs Dach, und es werden, wie wir später recherchieren werden, beide Sturschädel Recht gehabt haben. Aber jetzt  im Kaffeehaus reden wir dann lieber wieder über die Kinder, und was wir machen, nun, wo sie nicht da sind.
19.06.08

Lernen vom Langen

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Erstens: Wenn Ihr Kind seit einer halben Stunde geräuschlos im Kinderzimmer bastelt und mit einem Mal einen irrsinnigen Schrei ausstößt: Laden Sie nicht in Ruhe weiter Musik herunter, fragen Sie nicht über die Schulter: Was ist denn? Sondern springen Sie vom Sessel auf und rennen Sie hinüber, denn das Kind hat sich verlässlich weh getan und braucht Ihre Hilfe.

Zweitens, wenn Sie sehen, dass sich das Kind tatsächlich weh getan, nämlich sich mit dem Klammerapparat eine Acht-Millimeter-Klammer in den Finger gejagt hat, verfallen Sie nicht in lautes OHGOTTOHGOTTOHOIOIOIDASISTJAGRAU!EN!HAFT!!!-Gekreisch, das könnte das Kind zusätzlich beunruhigen und ihm das Gefühl geben, die Sache sei noch schlimmer, als sie eh schon ist. (Mensch, Langer, beruhige dich, lass mich das machen, hol ein Pflaster. OHGOTTOHGOTTOHGOTT!)

Drittens: Wenn Sie zum Beispiel gerade eine Wohnung oder ein Haus zu renovieren planen, und das Projekt befindet sich in jener Phase, in der zu klären ist, ob Mauern herausgerissen oder aufgezogen werden, sagen Sie nicht Sachen wie: Also, mir ist wichtig, dass der Läufer im Vorzimmer diesmal nicht aus Sisal ist, das schmutzt so. Das könnte in Ihrer Partnerin Zweifel an der Partnerwahl wecken: Ist er schwul oder blöd, und warum habe ich es bisher nicht gemerkt? (Apropos schwul, der geschätzte Kollege W., H.A.P.P.Y-Aktivist der ersten Stunde, schrieb mir auf meine Panini-Kolumne, nein, er sammelt nicht, aber wenn wir den Robin Van Persie doppelt haben, diesen schnuckeligen Holländer, den nehme er gern, und, nö, woher soll er wissen, was der für eine Nummer hat? Meine Bitte an dieser Stelle: Wäre es möglich, liebe Schwule, dass ihr hin und wieder ein bissl weniger dem Klischee über euch entsprecht? Das ist ja beängstigend.)

Viertens: Wenn Ihre Partnerin bereits wiederholt bewiesen hat, dass sie das Her- und Einrichten von Wohnstätten soweit beherrscht, dass Sie sich darin trotz (die Partnerin: aufgrund) des Verzichts auf eigenes Zutun pudelwohl fühlen, streiten Sie nicht mit ihr über die Form des Hangerlhakens. Überdies sind Aussagen wie „Dieses Zimmer möchte ich auf keinen Fall als Schlafzimmer, ich fand es unheimlich stickig“, geeignet, Ihre Kompetenz in allen Lebensdingen in Frage zu stellen, besonders wenn selbst für eine Zweijährige offensichtlich ist, dass besagtes Zimmer seit etwa acht Jahren nicht gelüftet wurde.

Fünftens: Wenn Sie gerade in den Urlaub fahren und Ihre Partnerin hat alles gepackt – die Kindersachen, die Familiensachen, die Badesachen, den Proviant und das Auto – sehen Sie großzügig darüber hinweg, dass Ihre Lieblingskekssorte nicht dabei ist. Speziell ab dem Moment, in dem Ihnen klar geworden ist, dass Sie in langen Hosen und Halbschuhen zum Strand müssen, weil Sie vergessen haben, Ihre kurze Hose und die Flipflops einzupacken.

Sechstens, sagen Sie nicht: England. Besonders, wenn Ihr Kind Sie fragt, wer Ihr Favorit bei der EM ist.
15.06.08

Es soll aufhören

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Bereits im ersten Drittel der ersten Halbzeit des ersten EURO-Matches erleide ich einen Hörsturz, dank ununterbrochenen Freudengeheuls der Mimis. Erstens, sie dürfen fernsehen. Zweitens, sie dürfen Fußball fernsehen; was vor allem das Bubenmimi in einen Begeisterungstaumel versetzt, für den ich Unterhaltungschemie im Gegenwert eines Designersofas benötigte.

Das Bubenmimi spricht von morgens um sechs bis abends um acht ohne Unterbrechung nur noch über Fußball. Mein Tag beginnt mit der Anhörung glühender Referate über tschechische Torwarte und schwedische Stürmer und endet mit der Akklamation aller fixfertigen Mannschaftspuzzles im Panini-Album. (Es sind acht. Ich weiß es. Sie hat mir die freudvolle Neuigkeit schon etwa 600 Mal überbracht.) Dieses verfluchte Panini-Album; das ich zugegebnermaßen selbst ins Haus geschleppt habe, und zwar mit einem kecken Grinsen, das, wie ich jetzt weiß, meine komplette, lückenlose Ahnungslosigkeit darüber illustrierte, was dieses Teufelszeug aus Kindern macht.

Kollegin B. hat mir erzählt, dass ihr Neunjähriger kürzlich vom Telefon der Lehrerin anrief, weinend, weil er den Aufhauser verloren hat, und beides ist im normalen Alltag eines Neunjährigen undenkbar: Weinen, die Mama anrufen, wie ein Baby. Ein Pickerl mit dem Antlitz eines österreichischen Nationalspielers machts möglich. Wir hatten den Aufhauser; spontan erklärten die Kollegin und ich die Tauschbörse „Mürbe Mütter, die wollen, dass es aufhört“ für gegründet und mailen uns seither gegenseitig lange Zahlenlisten zu, wie Verschlüsselungsspezialisten. Wie Verrückte.

Wobei ich sagen muss, dass das andere Mimi nicht unbedingt den nötigen Ernst für den Panini-Irrsinn mitbringt; einerseits: halleluja, lobet den Herrn. Andererseits zwingt das die Mutter dazu, in der ganzen Wohnung nachlässig gehortete Fussballstars einzusammeln und einzupicken: Sie schlafen in den Betten des Puppenhauses, lächeln nach Frisuren sortiert vom Badezimmerregal und rütteln am Gitter des Playmobil-Gefangenentransporters. Und sie erfüllen in keiner Weise mehr den Zweck, dessentwegen sie überhaupt mit den Mimis bekannt gemacht wurden: Denn sie waren, pro 5-Stück-Packerl, dazu rekrutiert, die Mimis dazu zu kriegen, freiwillig ihr Zimmer aufzuräumen. (Spießerin! Spießerin! Hören Sie auf. Ich bin bei der „Wunder von Wien“-Premiere von Herrn Rubinwitz deswegen bereits erschöpfend gedögelt worden, dankeschön.) Allerdings hat es sich als wenig moralisierend erwiesen, ein Kind eine halbe Stunde aufräumen zu lassen und ihm dann gönnerhaft ein Packerl Paninis zu überreichen, von dem es jedes einzelne schon hat; „Hysterie“ beschreibt die Folgen überaus unzureichend. Nun schmeiße ich ihnen jeden Tag freiwillig und ungebeten drei Packerl in den Rachen, renn mit ihnen auf Tauschbörsen und schreibe lange Zahlenlisten in emails und Blog. Es muss endlich aufhören; es reicht.
4.06.08

Es gibt Reis, Baby!

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Lassen Sie mich noch erwähnen, dass der Horwath tatsächlich 50 Schnitzel für die Kindergrillparty gebacken hat, ich kenn ihn doch, und dass wir das mit den Abschiedssackerl nächstes Mal lassen. Die Horwathin hat nämlich doch welche gemacht, aber da hat der Horwath Recht, das ist zuviel des Guten, das braucht kein Mensch. Nach der Party war ich aber so oder so relativ nah am Ende meiner Kräfte und habe drei Kreuze geschlagen, dass ich jetzt bis zum nächsten Kindergeburtstag 364 Mal schlafen darf. Also tatsächlich durfte ich nur drei Mal schlafen, aber da hatten nicht wir die Scherereien, sondern ein anderer Kindergartenkindsvater, dem wir an seinem Küchentisch zusehends beschickert dabei zusahen, wie er zügig dem Ende seiner Kräfte entgegenstrebte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er später drei Kreuze geschlagen hat, weil er jetzt bist zum nächster Kindergeburtstag 364 Mal und so weiter.
  Allerdings hat die Badesaison nun auch in Wien begonnen, die aber sehr viel weniger Falten macht, wenn der Nachwuchs endlich schwimmen kann. Die 400 Euro, die wir in mehrere Schwimmkurse investiert haben, machen sich nun in heiterer Entspannung mutterseits bezahlt: Ich sitze mit anderen Müttern gelassen unterm Schirm, während unsere Kinder in egal welchem Pool nicht ertrinken; das entstresst die Sommerzeit entschieden. Die Gelassenheit rastet kurz, wenn die Kinder aus dem Becken kommen und sich darüber in die Haare kriegen, wer die Sonnenschutzcreme mit dem höheren Lichtschutzfaktor hat (Ich hab nämlich  50! Und du nur 25! Aber ich kenn jemand, der hat 100, und der borgt sie mir!), wo man sich echt an den Kopf greift und fragt, woher dieser geisteskranke Konkurenzzwang bitte herkommt. Kauft euch sofort ein Eis.
  (Aber ich krieg das größere!). Jesusundmaria. Von uns haben sie das nicht. Naja, vielleicht haben sie es vom Langen und vom Horwath, die sich in Kroatien tatsächlich ernsthaft darüber zerkrachten wie man Basmati richtiger kocht. Ob man ihn ins kochende Wasser schmeißt oder glasiert und aufgießt, was als Die Große Reiskrise in die Kroatien-Annalen einging. Aber am achten Urlaubstag schuf Gott nun mal die Faustwatsche, da muss man durch, gelassen drüber, weitermachen, tun als wär nix gewesen, dann wirds schon wieder.
  Ich bin mit meinem Nicht-mein-Kind-Geht-mich-nichts-an-Mantra überraschend schmerzfrei über die zwei Wochen gekommen: Erst an Tag zwölf platzte mir einmal wegen einer Kinderessen-Sache der Kragen, was aber wohl vor allem damit zu tun hatte, dass ich es gewohnt bin, den Großteil meiner Tage still über Texten zu sitzen, und diese Gewohnheit nehme ich gerne in den Urlaub mit. Aber die schöne Idee, dass man wo hin fährt und dort die Klappe hält, ist vor allem bei Kindern extrem unpopulär, und wer mein mein Meeresrauschen lang genug in dieser bestimmten Frequenz zerkreischt, kriegt irgendwann die Rechnung. Zahlen, bitte! Nein, nicht Sie, der Kleine da hinten.
28.05.08

Heuer machen wir es anders

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Heuer, habe ich gesagt, machens wirs einmal anders am Kindergeburtstag. Der Horwath war gleich dagegen; sein kleiner Horwath hat drei Tage vor den Mimis Geburtstag, also gemeinsame Party. Eine Scheißidee, sagte der Horwath, da saßen wir noch in der Neptun-Bar in Kroatien, nachdem er zuerst gefragt hat, wie ich das meine und ich es ihm erklärt habe: dass wir heuer einen Kindergeburtstag machen, an dem es ausnahmsweise auch einmal Spaß für die Kinder gibt. Spaß, hat der Horwath gesagt und durch seine Cutler&Gross-Brille bitter aufs Meer geschaut, was für Spaß. Ein Clown oder was. Blödsinn, hab ich gesagt, ein Spiel oder eine Schnitzeljagd oder etwas in der Art, und Würstelgrillen am Feuer, und wir laden heuer nicht nur unsere Freunde ein, sondern die Freunde der Kinder, schau nicht so, mir gefällt es auch nicht besonders. Aber trotzdem machen wir es heuer so. Der Horwath hat gesagt, grillen hasst er. Schnitzeljagden auch. Die Horwathin hat gesagt, sie findet es aber eine super Idee. Der Horwath hat noch ein Karlovacko bestellt und gesagt, dass es für so einen Unsinn nicht den geringsten Grund gibt, weil bis jetzt hats immer gepasst.
  Normal laden wir am Kindergeburtstag alle unsere Freunde mit Kindern ins Schwimmbad oder auf den Spielplatz, schneiden den Kuchen an, singen Happy Birthday, rufen jöö und schööön, und schicken die Kinder dann spielen. Oder baden oder raufen, Hauptsache, sie stören uns nicht, während wir riesenschüsselweise Erdäpfelsalat und kleine Horwath-Schnitzis verputzen und Kühltaschen voller Bier und Wein leermachen. Bitte, die Kinder haben sich nie beschwert, aber dann war ich auf Kindergeburtstagen, die wirklich Feste für die Kinder waren, und zuerst fand ich das echt schischi, und dann habe ich mich geschämt. Heuer machen wir es anders.
  Jetzt ist heuer schon morgen und ich komm aus der Hektik nicht heraus. Ich habe Einladungen gemacht, kopiert, verteilt, der Lange und ich waren einkaufen und auf der Geburstagsfestwiese, die Schnitzeljagd auskundschaften, und wir haben gestritten. Ich habe zwei Blecher Schoko-Kuchen gebacken, nicht wie letztes Jahr mit einer schicken Zuckergussgraphik, sondern fußballrasendicht mit Smarties belegt, denn so und nicht anders wollen es Kinder. Aber es sind noch keine Schnitzeljagd-Aufgaben ausgedacht, keine Geschenke eingepackt, keine Schatzkiste und keine Partysackerl befüllt, und auch Erwerbsarbeit wäre noch zu erledigen. Weil ich mich in dieser Sache an den Horwath nicht zu wenden brauche, rufe ich die Horwathin an und sage, du, mir wächst der Kindergeburtstag gerade ein bissl über den Kopf, und sie sagt, oje, aber leider kann sie nichts tun, jetzt wühlt sie grad am Land im Garten und morgen kommt sie nicht vor fünf aus der Klinik, tut ihr echt leid. Der Horwath ist nicht zu sprechen, wahrscheinlich brät er gerade eine Scheibtruhe voll Schnitzel, aus lauter Wut über die Scheißidee, und ich bin kurz davor, ihm Recht zu geben.
21.05.08

Danke, dass ich abwaschen darf

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In Kroatien wird immerhin die heikle Morchelnudeln-Sache endlich entschärft. So welche hat der Horwath unlängst gekocht, als der Lange unabkömmlich war. Und das war nun, wie ich dem Langen hernach berichtete, ungelogen das beste Essen seit Wochen gewesen, worauf sich der Lange tagelang entschlossen vom heimischen Herd fernhielt, weil er kann bitte auch anders. In Kroatien aber kocht der Breuß das beste Essen seit Monaten, was nicht so sehr an seiner Busara liegt und mehr an den Scampi darin, die uns der Scampi-Fischer gerade frisch aus dem Meer geholt hat. Wir haben uns diesmal schamlos an die örtlichen Fischer zubigeschmissen, und die verkaufen uns nun fast jeden Tag etwas von dem, was sie aus dem Meer geholt haben, und während wir die tropfenden Säcke ins Haus tragen, lachen sie über uns.
  Der fesche Josip, dessen hundert Meter entferntes Ferien-Haus von den Kindern final gekapert wurde, weil Josip eine nette schwäbische Hildegard zur Frau hat, die endlich gerne Oma wäre, Josip also erzählt uns, dass die Sepie, die wir heute wieder von den Fischern gekauft habe, hier nicht einmal die Fische fressen. Geschweige denn die Einheimischen. Sowas kann man nur Touristen andrehen, grinst der fesche Josip, während er auf der Bank vor seinem Haus aufs Meer schaut und raucht, und erwähnt in diesem Zusammenhang auch, wie Eskimokinder tagelang auf einer Seehundhaut herumkauen.
  Am nächsten Abend gehen wir rüber zu Josip und seiner Bank, die Breußin schnorrt Josip eine Zigarette ab, und wir sagen, Josip, wir wissen jetzt, warum nur Touristen eure Sepie hier kaufen, weil von euch hier kann sie keiner richtig zubereiten. Wenn man die Sepie nämlich nicht eine Stunde oder zwei zu Semperit kocht, sondern nur kurz z. B. in einer Rosmarin-Tomatensauce mit weißen Bohnen ziehen lässt, schmecken sie nicht wie Flipflops, sondern sind sie zart wie ein Henderl, Josip, zart wie ein Henderl.
  Am nächsten Abend laden wir Josip und Hildegard, sozusagen als Kinderbetreuungshonorar, zu uns zum Essen ein, der Horwath paniert endlich die Wiener Schnitzel, ohne die er keine zwei Wochen am Meer überlebt, und wir fragen Josip, der aus der Gegend stammt, wie er nach Deutschland kam. Die Geschichte geht so, dass Jung-Ingenieur Josip in den späten 60ern nach Deutschland ging, weil er einen Sportwagen fahren wollte, und das tat er auch, einen BMW 2500 um 18.000 Mark, den er mit einem Monatsgehalt von 600 abzahlte und bald an deutscher Maurerhandwerkswertarbeit ruinierte. Leider übernimmt Hildegard dann den Erzählfaden und gibt ihn nicht mehr her, und wir erfahren wir alles über den Karneval in einer schwäbischen Kleinstadt, und das ist leidlich verstörend. Ich schleiche in die Küche und danke dem Herrn auf Knien dafür, dass ich heute den ganzen Abwasch machen darf. Andererseits soll eine Frau, die es mir ermöglicht, im Urlaub trotz Kindern fast drei Bücher zu lesen, im Karneval ihren Spaß haben: das ist nur gerecht.
14.05.08

Wir Langstreckenläufer

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Ich lese eigentlich keine Mails mehr, außer sie sind von meinem Chef oder von meinen Freundinnen. Leider generiert das Ignorieren von Elektropost nicht weniger, sondern mehr Mails, diesfalls solche, die mit der Zeile beginnen: Ich habe Ihnen am soundsovielten ein Mail mit einer Anfrage geschickt, auf die ich leider bis heute keine ... und soweiter; und es wird schlimmer, wenn man die nicht beantwortet. Keine Freude. Macht noch mehr Stress und lässt einen in der Nacht noch öfter wachliegen, geplagt von der Schuld, seine Pflichten nicht anständig erfüllt zu haben. Den Fleck kriegt nicht mal ein Hyper-Mega-Vanish aus einer Vorarlbergerin raus, da kann man sie zwanzig Jahre lang in Wiener Laissez-Fair eingeweicht haben, den sieht man noch.
  Auch habe auch schon lange keine Freude an meinem Handy mehr; aber das hatte ich eigentlich schon früher nicht, als mich Sedlacek ständig in der Nacht angerufen hat.
  Das war, wie ich noch zu den 30ern gehörte, die jetzt, wie ich überall lese, ganz anders drauf sind als wir damals, ohne Vertrauen in die Zukunft und alles, betrogene Gläubiger gebrochener Du-kannst-es-schaffen-Versprechen, aber immerhin mit einem neuen Zugang zur Welt: Sie wollen jetzt einmal durchhalten. Nicht immer gleich aufgeben, nicht mehr Teil der Instant- und Wegwerf-Generation sein, vor allem als Beziehungskonsumenten. Dieses wiederentdeckte Langstreckenläufer-Denken erscheint mir ein interessanter und partiell lobenswerter Zug an den neuen 30jährigen, wenngleich natürlich das Aufgeben-Dürfen gescheiterter Beziehungen, das Beendenkönnen unglücklicher Ehen eine großartige Errungenschaft der Neuzeit und des  Feminismus ist, die man nicht so einfach einem reformierten Durch-Dick-und-Dünn-Gequäle opfern möchte.
  Allerdings ist  die Halbwertszeit moderner Beziehungen und Ehen für eine genetisch determinierte Durchbeisserin wie mich immer wieder überraschend: Gerade kürzlich bin ich an einer TV- und Radiomoderatorin vorbeigeradelt, die feingemacht vor einem Bezirksgericht herumstand, daneben ihr Kindsvater, der stur in einem Winkel von 140 Grad von seinem Ex-Lebensmenschen wegschaute, denn offensichtlich war man gerade dabei, die intensiv in Medien beschworene Liebe des Lebens mit einer Scheidung zu finalisieren. Die Ehe hatte, inkl. Kindsproduktion,  neun Monate gedauert, aber das ist heutzutage höchstens noch Durchschnitt. Es geht auch kürzer.
  Und vielleicht liegt das genau am Internet und am Handy, weil früher musste man beim Schlussmachen in nässende Augen blicken oder telefonisches Geschluchze ertragen: das war sehr unangenehm, das wollten viele sich lieber nicht zumuten und ertrugen deshalb tapfer ein paar Jährchen moderaten Doppelunglücks. Heute schickt man ein formloses email oder SMS, don´t u w8 4 me oder sowas und, damit das Ganze nicht so brutal daherkommt, einen Smiley dazu. Wenn die 30jährigen daraus keine Tradition zu basteln zu basteln gedenken, habe ich nichts dagegen.
7.05.08

Schau mich nicht so an

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Als gute Idee hat es sich erwiesen, Buben in Mädchengruppen zu isolieren: Testosteron scheint sich zu potenzieren, wenn es auf anderes Testosteron trifft, neutralsiert sich allerdings ganz und gar, wenn man es isoliert. Buben allein unter Mädchen entwickeln mit einem Mal Fähigkeiten, die sogar ihre eigenen Mütter zu überraschen vermögen: Mädchen sind plötzlich auch respektable Spielkameraden, Scheren werden zu harmlosen Werkzeugen, mit denen putzige Figuren ausgeschnitten werden, ja selbst Puppenhäuser werden zu Spielzeugen, wenn weder Hohn noch Spott noch lebenslängliche Ächtung von Geschlechtsgenossen  zu befürchten ist. Aber kaum tut man einen zweiten Buben dazu, gibt es strikte Geschlechtersegregation, denn kein Bub, der auf sich hält, beschäftigt sich mit Mädchen, wenn richtige Menschen in der Nähe sind. Man kann gegen Testosteron - Bubenmütter versuchen es ständig – nicht argumentieren.
  Ich behaupte aber keineswegs, Mädchen seien das bessere Geschlecht. Das sind sie, meinerseel, nicht. Die Kindergartenmädchen haben sich kürzlich, als es hieß, zwei Gruppen bilden (nicht: zwei geschlechtshomogene Gruppen bilden) gegen alle Argumente der Kindergärtnerin zusammengetan, um es den Buben mal so richtig zu zeigen und stanken daraufhin beim Klobürstenhockey mit 1:7 oder so völlig ab. Worauf es sich die Mädchen, alles Töchter emanzipierter, berufstätiger Frauen, sofort in der Opferrolle bequem machten: sie seien nun mal die schwächeren und nicht so brutal, und woher sie denn auch Klobürstenhockeyspiel können sollten?, und überhaupt seien die Buben so gemein, buhuhu. Woher haben die das? Ist das biologisch?
  Dafür sind Mädchen nicht so anfällig für elektronische Infektionen. Der achtjährige Intelligenzbolzen von Freunden stand kürzlich, weil seine Eltern ihn lieber nicht mit zu IKEA nehmen wollten, mitten in einem Zimmer voller Spielzeug, auch bubenkompatiblem, und näselte völlig gelangweilt die Worte: Habt ihr auch irgendwelche Computer? Nicht für dich, Rotznase. Er entschied sich dann, mit dem Bubenmimi zwei Stunden lang einen Wasserball durch den Flur zu kicken; auch schön, ok. (Ich wäre eh mit ihnen in den nächsten Käfig gegangen, aber es wurden Gäste erwartet, und ich hegte den Wunsch, die Vorbereitungen diesmal rechtzeitig abzuschließen: Wie wir letztes Mal das Essen für Haemmerli gaben, erschien Haemmerli, als ich gerade noch die Servietten bügelte. Nie wieder möchte ich so angesehen werden.) Das war noch bevor das Panini-Fieber ausbrach, denn seither kann man die Kinder, Buben wie Mädchen, wunderbar damit beschäftigen, dass sie ihre Panini-Alben vergleichen und Pickerl einpicken. (Und die Mütter damit, dass sie, während sie längst woanders sein sollten, den Altpapier-Container im Hof durchwühlen, weil eins dieser Alben verschwunden ist.)
 Dafür ist jetzt jeden Abend das Kinderzimmer picobello aufgeräumt. Käuflich sind sie alle, unabhängig vom Geschlecht.
30.04.08

Du hast es versprochen

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Es war auch endlich warm. Man konnte die Hosen hochkrempeln und barfuss laufen und sich einen Sonnenbrand an den Waden holen und Bienenstiche an den Fussohlen. Das Bubenmimi hat sehr geheult, es war ihr erster Bienenstich, wir schmierten dick eine wichtig aussehende Creme darauf, und das Kind erholte sich schnell. Später gingen wir zur Waldlichtung, dort standen drei Gestalten in grotesker weißer Schutzkleidung in der Sonne und sahen aus, als drehten sie ein billiges Sequel von „Outbreak“. Spooky irgendwie. Es waren aber nur der Horwath und sein Freund, der Polz und die Freundin vom Polz an Tag eins nach der Absolvierung des Imkerkurses. Der Horwath macht jetzt auch Honig; soll mir recht sein. Wir fotografierten den Horwath und den Polz und seine Freundin mit dem Handys, später fotografierte der Horwath die Kinder und ihre Papp-Medaillen und ihr Siegerlächeln. Denn sie hatten alle die 400 Meter Ersatzmarathon geschafft, die wir ihnen ausgesteckt hatten, weil wir dann doch nicht in aller Herrgottsfrüh nach Wien gefahren waren, damit die Kinder an diesem Kinderlauf teilnehmen konnten. Stattdessen fand der Kinderlauf auf einem Waldviertler Kiesweg statt, es gab wertvolle-Panini-Preise, alle waren froh. Auch die Eltern, die sich nachher wieder in den Schatten von Horwaths Sonnenschirm in Horwaths Garten setzen, Zeitungen lesen, einen Sonnenbrand auf dem Hirn kriegen, deppert reden und überlegen konnten, was man als nächstes essen soll. Es wird viel gegessen im Garten der Horwaths.
  Später gab es eine kleine Krise, als der Horwath „elf“ antwortete, auf meine Frage, wie schrecklich das Ritterfest auf der zehnteiligen Schrecklichkeitsskala jetzt ehrlich gewesen sei. Elf! Wir hattens versprochen gehabt, aber ein gütiger Geist, der Lange nämlich, hatte mir die Klänge von Schalmeien und sich kreuzender Schwerter erspart. Und Bekleidung, neben der man sich freut, dass man eine elegante pestogrüne Wanderjacke tragen darf. Ich schaukelte auf der Hollywoodschaukel, während der Lange und der Horwath auf dem Burgfest den Horwath verfluchten, der seit Wochen am Spielplatz von diesem Burgfest geredet hatte, dass man dort unbedingt hin muss, und wie toll es die Kinder finden und alles. Der Horwath hatte wohl, wenngleich er normal nicht zu Kinderglücksverklärungsbedingter Bewusstseintrübung neigt, kurz verdrängt gehabt, wie arsch es die Erwachsenen finden. Jetzt weiß er es wieder.
  Dafür bekam ich Sonnenbrand auf den Fußssohlen, überlegte, warum verdammt ich mir eigentlich nichts kurzärmeliges Unschwarzes eingepacken hatte können, ärgerte mich über das Zeit-Magazin (Wolfgang Joop, Chef des teuersten deutschen Modelabels, in einer Geschichte über Mahlzeiten in seiner Potsdamer Villa: „Ich erzähle oft von Zeiten des Mangels und der Improvisation.“) und ein Vogel schiss mir aufs Handy. Es war ein aber kleiner Vogel, und seine Ausscheidungen trübten mein Frühlingsglück nicht.
23.04.08

Kampf der Geschlechter

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Dennoch: Wenn ich mir in diesen Tagen etwas Teures zum Anziehen kaufe, ist es eher  von Jack Wolfskin als von Marc Jacobs. Obwohl mich Wolfskin ein wenig enttäuscht hat, er konnte die bestellte Superduperfunktionsjacke nicht liefern. (Der Wunsch nach einer Funktionsjacke entstand, als wir unlängst in Horwaths Wald einen Baum zersägten und aufstapelten, und jetzt krieg ich die Harzflecken nicht mehr aus meinem Donna-Karen-Mantel.) Jedenfalls nicht wie gewünscht, denn ich wollte die Funktionsjacke in Schwarz. Also, die Erhältlichkeit in Schwarz war überhaupt der Grund, warum ich mich gerade für dieses spezielle Superduperjacke entschieden habe, denn es gibt, finde ich, keinen Grund warum man auf Wald und Wiese Zechenkasbraun oder Alle-um-mich-sollen-erblinden-Farben tragen soll. Ich finde außerdem, schwarz kleidet mich und geht immer. Der Lange findet, schwarz macht mich blaß und alt. Ich finde, Schwarz kleidet alle Frauen. Es sollten viel mehr Frauen schwarz tragen. Mädchen auch.
  Apropos Mädchen: man wird oft beneidet, wenn man Mädchen hat, und zwar mit Recht. (Was sich radikal ändert, wenn sie 12 werden; bis wohin ich jede Minute engagiert ... weiter lesen ...
18.04.08

Böse, alte Hexe

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Man sollte viel mehr ans Altwerden denken. Wenn sich die Jungen öfter das Altsein vorstellen würden, hätten nicht so viele Alte so ein Scheißleben in Pflegeheimen, wo nachmittags um sechs die Rollos dichtgemacht werden, damit man um sieben nicht mehr so viel teures Personal braucht. Das nur, weil sich Sedlacek darüber verwundert zeigte, dass ich eine relativ klare Vorstellung davon habe, wie ich meinen Lebensabend zu gestalten trachte, nämlich als schrullige Hexe mit ein paar dreckigen Hennen in einem schiefen Haus in einem weltvergessenen Kuhkaff. Wenn ich mit den schrulligen alten Horwaths die im selben Kuhkaff von der selben moldawischen Pflegerin betreut werden, nicht gerade übers Kreuz bin, werden wir uns am Küchentisch darüber beklagen, dass uns unsere Enkel nie besuchen kommen und darüber, dass wir schon wieder eine neue moldawische Pflegerin finden müssen, weil die aktuelle das Kuhkaff und uns schon wieder keinen Tag länger erträgt. Sedlacek sagt, ich spinne.
  Aber vielleicht blicke ich dem Alter deshalb derzeit offenenSinns entgegen, weil es mir gerade noch gelungen ist, meine galloppierende Frühvergreisung abzustoppen. Meine Freundinnen haben sich schon Sorgen gemacht, aber seit ich mal wieder in die Prä-Mimi-Jeans passe (voraussichtlich übernächste Woche werde ich damit auch sitzen können) und Sätze mit den Worten „Wie ich unlängst im Flex-Café aufgelegt habe“ (alternativ: „im rhiz“) beginnen kann, hat sich mein Zustand spürbar gebessert. Es hat sich auch herausgestellt, dass es beim Auflegen kein Schad ist, wenn man bissi älter ist als sein Publikum, weil es auch vor zwanzig Jahren schon ziemlich gute und immer noch funktionelle Musik über 130 bpm gab, ich sage nur Gun Club oder The Fall. By the way, Mark E. Smith, die böse Hexe: ein super Role-Model für nicht umweltschonende Altersverschrullung auf hohem Niveau. Sehr inspirierend in dieser Hinsicht auch das erste Kapitel von Rick Moody´s „Omega Force“ in seinem Novellen-Band „Paranoia“, während man sich die durchgebrunzten Windeln, die Nathan Zuckerman in Roths neuem Roman trägt, noch nicht unbedingt an den eigenen Hintern imaginieren möchte. Und sowas will man ebenfalls vorläufig nicht wahrhaben: So sehr spinne ich jetzt auch wieder nicht.
9.04.08

Das kam nicht gut an

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Das ist eine glückliche Familie auf Fahrrädern, Vater, Mutter, Kleinkind, sie strahlen, das Kind winkt, sie lachen, und das sehe ich alles nicht. Ich sehe: Das Kind trägt keinen Helm, und ich will rufen: Verantwortungslos! Total verantwortungslos! Aber ich habe das mal bei den Finks gemacht, als sie das Kind für eine Strecke von 200 Metern oder so nicht angeschnallt haben, und das kam nicht gut an. Auch Vater Breuß verdreht periodisch die Augen, er sagt, ich muss mehr Vertrauen zu meinen Kindern haben, weil ich tendenziell hysterisch werde, wenn die Kinder am Rande eines 100-Meter-Abgrunds Fangerl spielen. Der Breuß sagt, ich übertrage meine eigenen Ängste auf meine Kinder, und das kann schon sein, aber erklär das mal einer, die mit fünf von einem Auto überfahren wurde und vier Wochen im Spital liegen musste, Elternbesuchszeit zwei Stunden pro Woche. Das hat relativ hohes Angstübertragungspotential, was soll ich machen.
   Vielleicht hat auch mein Herumgeeiere mit der Schule der Mimis mit alten Traumata ... weiter lesen ...
26.03.08

Fick deine Mutter

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Diese Woche brachte die erfreuliche Nachricht, dass die Mimis einen Platz an dieser kuscheligen, kleinen Schule haben. Es sind dort alle sehr nett und engagiert und pro Klasse gibt es, schätze ich, ungefähr zwei Ausländer, Schweizer oder Dänen oder so, deren Eltern vermutlich im Management eines BioFood-Distributors arbeiten. Oder bei der UNO. Wir haben den Kindern auch realitätsnähere Schulen gezeigt, mit rauchenden, kraftwörterspuckenden Hauptschülern am Schulhof, in die sie trotzdem nicht wollten. Zugegeben, es ist leicht, zwei Sechsjährige dazu zu kriegen, unbedingt an die kleine, engagierte Schule zu wollen, wenn sie dort beim Tag der offenen Tür zehn frühere Kumpels aus dem Kindergarten in den Klassen treffen und die Kinder der Freunde, der Nachbarn und anderer bildungsnaher Eltern, die ihren Nachwuchs ebenfalls gern an einer kuscheligen, kleinen, engagierten Volksschule ohne gewaltaffine 14jährige wissen.
  Und wo das schlimmste Wort, das die Erstklässler nach Hause bringen, etwas ist wie wie wie... wie Nutella. Mama, was bedeutet das: Nutella? Das, Kind, ist ein ganz böses ... weiter lesen ...
12.03.08

And the rest will eventuell follow

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Weil gerade Frauentag war, und weil ich gerade im „Zeit Magazin“ eine Geschichte über moderne Familien gelesen habe, und weil auf fm4.at gerade eine Feminismusdebatte läuft: Also, da werden junge Frauen zitiert, die sagen, dass es diesen Feminismus nicht mehr braucht, weil die jungen Männer eh super sind und man alles kriegt, wenn man es nur will. So ähnlich habe ich, als ich etwa in dem Alter und unbekindert war, auch geredet, mit Inbrunst, weshalb mich die Hofinger bis heute Postfeministin schimpft: Aber, Hofingerin, du verwechselst mich mit jemandem aus den Neunzigern. Außerdem war ich keine Postfeministin. Ich war Neofeministin: Ich hielt den Feminismus nicht für überwunden, er war mir nur zu aus der Mode, den wollte ich genauso wenig anziehen wie Omas Kittelschürzen, nützlich hin oder hier. Ich wollte einen anderen Feminismus: nicht weniger kämpferisch, aber lässiger, mit mehr Rock`n`Roll.
  Doch nach wie vor respektiere ich das vorsätzliche Ignorieren von Emanzipationspipapo als bewussten feministischen Akt, in dem Sinn: die Beschäftigung ... weiter lesen ...
5.03.08

Will ich aber

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Ah, der Frühling ist da. Ich kann ihn hören. Andere werden vom Frühling mit knospenden Bäumen, blühendem Krokus und zarten Schneeglöckchen überrascht, mich begrüßt er Jahr für Jahr mit einer Schimpfkaskade vor der Wohnungstür. Myriaden verbotener Wörter, die die Kinder, ich sehs ihnen an, gleich gierig in ihren Wortschatz eingemeinden: Himmelherrgottsackkrutzitürkendugrauslichedummefut. Der Lange pumpt sein Fahrrad auf: der Frühling ist da. Gleich werde ich, wie jedes Jahr, hinaus vor die Tür gehen, gleich werde ich dem Langen, wie jedes Jahr, erklären, wie man ein Fahrrad aufpumpt; gleich werde ich sein Fahrrad aufpumpen. Aber erst will ich noch das Glück genießen, dass jetzt endlich Frühling ist. Bald wir es sprießen, blühen, duften. Der Frühling ist da, ich hör ihn schon.
  Später stehen wir ... weiter lesen ...
27.02.08

Bleib lieber sitzen

| Comments (0) | 02/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Wichtig ist, dass immer genug Essen im Haus ist. Das habe ich von meiner Mutter gelernt, die ihr Leben der Aufgabe gewidmet hat, Leute zu füttern. Falls bei uns plötzlich das gesamte Viertel vollzählig auftaucht, weil, ich weiß nicht weil warum, aber falls: kein Problem für uns, es ist genug für alle da. Der Kühlschrank ist voll, das Tiefkühlfach ist voll und das Vorratsregal ist voller lang haltbarer Nahrungsmittel, aus denen sich schnell 33 bunte Menüs aus drei Kontinenten zaubern lassen. Ist vielleicht etwas genetisches.
  Dennoch bringt mich die letzte Woche an psychische und phyische Grenzen. Am Montag finden wir, wir hätten die Horwaths zu lange nicht gesehen, also kommen sie zum Essen. Am Dienstag bitten wir die Breußes an unseren Tisch. Am Mittwoch haben die Mimis zwei Freunde zum Spielen zu Besuch, die von ihren Müttern wieder abgeholt werden, und das eine oder andere Glaserl und ein Teller Nudeln geht sich immer aus, auch für die Mutter von der Janine, die um halb sieben gleich gehen muss, und um neun muss ich sie aus der Tür treten. Ein Freund vom ... weiter lesen ...
5.02.08

Selber Schuld, Mutter

| Comments (3) | 02/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Mittlerweile wurden mir ungefähr 286 Gründe zugetragen, warum es super ist, keine Kinder zu haben. Einige davon stammen von Horwaths kinderlosen Freunden, die, wie mir der Horwath überbrachte, recht angespeist seien über meine letzte Kolumne. (Äh, tja, sorri. Ich weiß, das tut man nicht. Ich weiß, das war ein Bruch des Geheimvertrages zwischen Kinderlosen und Bekinderten.) 62 Gründe mailte Leser Simon F., der in der Gnade der Kompetenz steht, denn er hat drei Kinder. (Grund 2: Weil man Schlaf NICHT für überbewertet hält. 17: Weil man Familienferienclubs hasst. 28: Weil man nach der Arbeit Ruhe braucht. 29: Weil man Spongebob hasst. 34: Weil man eine saubere, ordentliche Wohnung schätzt. 41: Weil man nach einer Trennung die Chance auf einen Neuanfang haben will. 42: Weil man gerneeinmal auf ein Jahr verschwinden will, bevor man alt oder tot ist. 50: Weil man die Freiheit haben will, zu seinem Chef "Sie Riesenarschloch" zu sagen und zu kündigen.)

Auch von mir fiel während des Nähens von zwei Dschungeltier-Kostümen die Mutterschaftsverklärung vorübergehend vollständig ab, und ich darf die Liste wie folgt ergänzen: 287: Weil man keine Affen-Kostüme nähen muss. 288: Weil man keine Panther-Kostüme nähen muss, bis kurz bevor ... weiter lesen ...
30.01.08

Lügner, elende

| Comments (1) | 01/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Ich will jetzt wirklich nicht ewig auf der Sache herumreiten, aber die Kollegen H. und T. wussten nicht, was ein Tabuleh ist. Bitte: Kurz gesagt handelt es sich beim Tabuleh um den Nudelsalat des 21. Jahrhunderts. Oder der Bobos, wenn man gern diesen Begriff strapaziert.
Und, doch, ich habe diese Woche auch Interessanteres erlebt, möchte aber nicht darüber sprechen. Auch nicht über das Kindertheater. Auch nicht über die erste Vorführung in der Zirkusschule, gerade weil es nett und beeindruckend war. Auch nicht über die spontan einberufene Kinderfaschingsparty bei den Schwarzens, denn klischeehafter können sich die Insignien eines für Mutter praktisch vollständig versauten Nachmittags nicht aneinanderketten (liegengebliebene Arbeit, Streit mit dem Langen, Langeweile, Frust, Prosecco, Magenübersäuerung, mehr Streit mit dem Langen.) Und das hatten wir schon, das hatten wir schon.
  Die Geschichte wiederum, die Geschichte, die ich erzählen wollte, über Eltern, die Nicht-Eltern anlügen, geriet unfreiwillig irgendwie ketzerisch und ... weiter lesen ...
22.01.08

So ruinieren Sie den Journalismus

| Comments (1) | 01/08 | Kinder und andere Mitbewohner

Maria ruft an und sagt, sie glaubt, es heißt DIE Tabuleh. Philipp smst, es gehören aber unbedingt Rosinen rein. Mark mailt, schön und gut, aber ein Tabuleh wär doch schon eher ein Sommeressen. Die E. sagt bei der Geburtstagsparty vom D., danke, jetzt kann sie sich beim Tabulehmachen endlich das depperte Couscous-Einweichen ersparen, das hat sie eh immer so genervt.

Und sehen Sie, genau das ruiniert den Journalismus. Genau das korrumpiert die Journalisten, die hunderte messerscharfe Hintergrundanalysen über politische Ereignisse in die Zeitung schreiben können, tausende blitzblanke Blicke auf die Aktualitäten der  Realität werfen oder in Millionen Kolumnenzeilen die diversen Elende in der Welt beprangern: Auf all das kriegt man kaum ein Reaktiönchen. Nichts, praktisch. Man ist wie gar nicht da. Aber schreiben Sie einmal ein Rezept in Ihre Kolumne, dann wird ... weiter lesen ...
24.12.07

Nakiger Nepotismus

| Comments (0) | 12/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Der Advent war so prächtig, wie ich ihn mir bestellt hatte, und bis aufs Keksebacken sind die Vorgaben so gut wie erfüllt. Beim Keksebacken bin ich im Rückstand, dafür habe ich einen Bastelüberschuss, denn das ist eines der Privilegien der Mutterschaft, dass man basteln darf. Basteln ist für gewöhnlich geht’s-dir-noch. Kunsthandwerk für Lulus. Die Hofingerin hieß mich einst eine verhinderte Handarbeitslehrerin, und das war wenig respektvoll gemeint. Kartoffeldruck gehört nicht unbedingt zu den Dingen, die Promi-Frauen in den Farbbeilagen-Fragebögen bei „Wie ich am liebsten einen Abend verbringen würde“ notieren, aber wenigstens meine Kinder sind mit der Virtuosität zu beeindrucken, mit der ich einen kerzenbestückten Tannenbaum aus einem Erdapfel zu schnitzen in der Lage bin. Das kann bitte nicht jeder.
  Und weil das nicht jeder kann, müssen weite Teile meines Bekanntenkreises ... weiter lesen ...
29.11.07

Aus dem Eck kommst du nie mehr raus

| Comments (1) | 11/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Also gehe ich zur Eröffnung des Advents in der „Kabine“, und zwar obwohl mir der Grätzl-Faschismus der Leopoldstädter extrem auf den Sack geht. Leopoldstädter verlassen ihren Bezirk ja wenn irgendwie möglich nie, was nicht einfach ist, weil es dort in Wirklichkeit außer dem Karmelitermarkt, zwei bis drei Gasthäusern, einem Donaukanalufer und einer Handvoll lässiger Läden nicht viel gibt. Super Grünraum, schön und gut, aber das kann ja wohl in einer Großstadt nicht alles sein. Wenn ich super Grünraum will, zieh ich aufs Land. Trotzdem gehe in die „Kabine“, einem lässigen Laden in der Karmelitergasse, und zwar, weil ihre Mitbesitzerin mir über Dritte Drohungen übermitteln ließ, in denen die Wörter „Kopf“, „abreißen“, „persönlich“, „wenn“, „du“ und „nicht“ vorkamen. Es ist sehr ... weiter lesen ...
13.11.07

Ich bin noch auf Bewährung

| Comments (0) | 11/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Die Breussin ruft an; ich hebe ab und sage, Breussin, tut mir leid, ich kann grad gar nicht. Das ist untertrieben. Tatsächlich passiert gerade folgendes gleichzeitig: Das Mädchenmimi, das mit dem Langen im steckengebliebenen Lift gefangen ist, will mit einem Strohhalm durchs Gitter mit Saft gefüttert werden, die erste der drei eingeladenen Freundinnen hat gerade meine Küche betreten und ist zur Begrüßung spontan in Tranen ausgebrochen, die zweite Freundin begehrt unten an der Haustür Einlass, die Zwiebeln von den Kässpätzle sind am Herd gerade in ihrer kritischen Phase und der Mann von der Liftfirma ruft, unmittelbar nach dem ich der Breussin aufgelegt habe, nochmal an, um sich zu erkundigen, ob der Techniker schon da ist.
Zum Glück sind nicht alle Abende so. An anderen Abenden werde ich einfach ganz normal von Theaternerds beschimpft. Das ist in Ordnung: Niemand

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17.10.07

Was ich einmal werden will

| Comments (1) | 10/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Das Bubenmädchen ist übrigens immer noch eins. Das Mädchenmädchen trägt jetzt Leggins und Miniröcke, und wenn ich das Bubenmädchen frage: Soll ich dir auch mal sowas mitbringen?, dann weiß ich schon, was kommt, das Bubenmädchen lacht nämlich aus vollem Hals. Es lacht wie Peymann, wenn man ihm vorschlüge, ein Stück von Fellner zu inszenieren. Es lacht, als hätte jemand behauptet, Dichand würde jetzt Asylanten ins Land locken wollen. Es lacht von Herzen: Hahaha!, was für eine lustige Idee! Was für eine völlig abseitige Idee.
  Als ich unlängst meine schöne, lang nicht gesehene Freundin Klara wiedertraf, als wir uns ganz zufällig einen Abend lang feinstens unterhielten, und als Klara, die die Mimis vor zwei Jahren mal einen Abend lang erlebt hatte, nach dem Bubenmädchen fragte, da fiel mir erst wieder mal ein, dass ich ja eine kleine Transe

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3.10.07

Da wächst uns ein schicker Trend heran

| Comments (0) | 10/07 | Kinder und andere Mitbewohner


In Venedig gibt es keine Diskussionen. In Venedig gibt es meistens Pizza, Pasta oder Fisch; Pizza, Pasta oder Fisch sind offenbar ok., trotz der Salami auf der Pizza. Woraus wird Salami gemacht? Schwein, glaub ich. Die Phase der Moral ist angebrochen, der ethischen Bedenken gegen das Töten und Verzehren von Lebenwesen: aber Schwein ist ok, denn Schweine fallen, so die Mimis, wie die Fische in die Kategorie der nutzlosen Tiere, wohingegen Hühner Eier legen, Kühe Milch geben, Hasen kuschelig und Lämmer süß sind, also alle auf ihre Weise nützlich, also nicht mehr verzehrt werden dürfen. Also neue Probleme in einem Haushalt, dem ein Oberösterreicher angehört. Denn ein Oberösterreicher braucht seine regelmäßige Zufuhr großer Fleischstücke, er wird sonst unrund. Der Oberösterreicher isst an fleischlosen Tagen Huhn, und Fisch nennt er ... weiter lesen ...
26.09.07

Kommen Sie doch mal bitte mit

| Comments (0) | 09/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Die Koch, eine Freundin von der Urban, war kürzlich auf Dienstreise. Frühmorgens hin, spätabends am nächsten Tag zurück. Dazwischen Termin, Termin, Termin, und wie sie endlich mit allem fertig war und dann langsam mal wieder den Flughafen und die Heimat anpeilte, ist ihr glühend heiß eingefallen, dass sie für das arme, arme Kind daheim kein Geschenk besorgt hat. Der Rabenmutterpegel in der Koch ist, nona, flutgleich bis knapp unters Schlüsselbein gestiegen, heiliger Himmel, so kann sie nicht heimkommen. So braucht sie nicht heimkommen; denn auch wenn die Vorstellung der Mütter über den Sehnsuchtsquotienten ihrer daheimgebliebenen Brut nicht immer mit der Realität korreliert, so ist doch eins gewiss: Ein Elternteil braucht nach mehrnächtiger Abwesenheit nicht ohne Geschenk wieder erscheinen.
  Die Erfahrung hat mich daheim eine heimliche Kiste mit kleinen Geschenken anfüllen lassen, periodisch wird mit Playmobil-Manderln, Pixi-Büchern, Aufblas-Dinos, Matchbox-Autos, Disney-Unterhosen und Plastikschmuck aufgestockt, und wenn der Lange

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12.09.07

Wir: nicht

| Comments (0) | 09/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Dass die dumme Herman jetzt auf die Fresse gefallen ist, nehme ich, obzwar ich sonst nicht zur Schadenfreude neige, mit viel Wohlgefallen zur Kenntnis. Dagegen möchte ich alles zurück nehmen, was ich Sehnsüchtigtes über den Herbst gesagt habe. Sommer ist super. Schwitzen, stinken, freie Sicht aufs Bauchfleisch, alles ure super. Beziehungsweise erlaube ich mir, den Herbst, insbesondere den Frühherbst, mit sehr viel netteren Eigenschaften zu konnotieren als mit grauskaltem Dauerregen: süße, reife Früchte, bitte! Betörend schön verfärbte Blätter, der Glanz auf den Kastanien, der feine Nebel des Atems, wenn man in kühler Früh auf die Straße tritt! Dünne, bunte Hauben auf den Köpfen der Kinder, feste Turnschuhe an ihren Füßen, gesundes Rot auf den Backen und die Taschen ihrer strapazierfähigen und wasserabweisenden Herbstjacken voller Kastanien mit tüchtig Glanz darauf! Ein Glas Sturm (ich) und eine heimliche Zigarette (der Lange) abends am Balkon, wenn die Mimis schlafen (tagsüber weisen sie ihn stets erbarmungslos darauf hin, dass man vom Rauchen übrigens tot wird, TOT, Papa!), unter einer kuscheligen Wolldecke... Aber. Nix: Die Kastanien schwimmen in dreckigen Lachen, die Kinder unter Ganzkörpergummi tropfen uns die ... weiter lesen ...
5.09.07

War nur ein Schmäh

| Comments (0) | 09/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Wichtige Fragen müssen erörtert werden: Wird man tot, wenn man sich das Schnitzmesser in den Bauch rammt? Oder muss man nur ins Krankenhaus, wo sie einem die Eingeweide mit langen Nadeln zusammennähen? Das Schnitzmesser ist Teil des üblichen Russisch Roulette des Kindergroßziehens, welches dadurch verkomplizierrt wird, dass hundert Eltern von Fünfjährigen hundert Vorstellungen davon haben, was Fünfjährige können müssen oder dürfen sollen. Sollen beispielsweise Fünfjährige allein eine mittelstark befahrene Landstraße überqueren dürfen? Ich bin dagegen, was aber damit zu tun haben könnte, dass ich mit fünf auf einer mittelstark befahrenen Landstraße über den Haufen gefahren wurde, vier Wochen im Krankenhaus lag, dort von meinen Eltern nur einmal die Woche besucht ... weiter lesen ...
28.08.07

Die Nummer eins vom Wienerwald

| Comments (0) | 08/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Die Kinder sind ein paar Tage nicht da, Oma hat sie mitgenommen, und das hab ich weniger gern, als man mir zumuten würde. Ich hab es gar nicht gern. Ich hab die Kinder lieber um mich und in meiner Nähe, gut, wenn möglich: spielend, Bücher studierend, CDs hörend, zeichnend, malend, bastelnd, schlafend, ich bin eine Saumutter, die momentan am liebsten immer nur beim Richard Ford weiterlesen möchte. Aber kaum sind die Kinder nicht da, kann ich beim Richard Ford nicht weiterlesen, weil ich immer an die Kinder denke, und dass es mir lieber wäre, wenn sie da wären, in meiner Nähe, um mich herum, Matchbox-Autos neben dem Sofa herumschieben würden, süsses, gedämpftes Kindergeschnurre von sich gäben, behutsam Kuscheltiere über die Dielen hopsen ließen, ihnen Namen gäben wie Millililli Fitzikuhli und Hans Schneider, Häuser aus Vliesdecken und Stühlen bauten und ... weiter lesen ...
20.07.07

Spiel schön weiter

| Comments (0) | 07/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Eine Woche lang wurde der allgegenwärtige Vorarlberger Rasenmäher-Soundtrack von der Welt-Gymnaestrada übertönt, jetzt ist Sonntag, alles still, alle weg, enjoy the Silence. Die Gymnaestrada ist vorbei, was mir Recht ist, nachdem mich die Mimis eine Woche lang gezwungen haben, jeden Nachmittag punkt vier den örtlichen Marktplatz aufzusuchen, um dort bis lange nach Sonnenuntergang internationalen Gymnastiktruppen jeglichen Alters bei der Ausübung ihres Lieblingshobbies beizuwohnen. Eh sehr schön, aber ungefähr am vierten Tag hatte ich Gwen Stefanis bei Jazzgymnastikern über die Maßen beliebtes „Wind It up“ einmal zu oft gehört und sehnte den Sound of Rasenmäher heftig zurück. Am fünften Tag konne ich es keine Stunde länger ertragen, zwischen der Kletterluftburg und dem Kletterfelsen des Alpenvereins zu stehen, und meinen Kindern dabei zu zusehen, wie sie sich in langen ... weiter lesen ...
11.07.07

Wie das Soufflé zusammenfällt

| Comments (2) | 07/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Jetzt, wo Madonna und Al Gore die Welt gerettet haben, können wir uns wieder den wichtigen Dinge zuwenden, also meinen. Wobei, ich rette die Welt auch, ich reise mit dem Zug, was nicht alle Mitreisenden der 1. Klasse im P1010001_2.JPGgleichen Maße akklamierenswert finden, als sie unser ansichtig werden. Zwei kleine Kinder mit glockenhellen Stimmen und eine Mutter in fleckigen Hosen und mit einem wenig vertrauenserweckenden Mae-West-Spruch quer über der Brust: Wenn ich gut bin, bin ich gut, wenn ich schlecht bin, bin ich besser. Mehrere Passagiere springen auf, Panik im Blick, um sich dann des Umstands gewahr zu werden, dass die 1. Klasse bis auf den letzten Platz besetzt ist. Was eine kurze, trügerische Hoffnung in ihnen weckt, aber ätschibätsch, wir haben drei reservierte (und, falls mir wieder wer Journalistenprivilegien unterstellen will, mit meinem selbstverdienten Geld finanzierte) Plätze. Wieder einmal wabert dick wie Pudding die Frage durch den Waggon, ob man das eigentlich darf, Kinder in der 1. Klasse mitführen, und falls ja, wann das endlich verboten wird. Aber die Mimis geben ihren Mitreisenden allen Grund, taub vor schlechtem Gewissen über ihre miesen und grundfalschen Vorurteile Kindern gegenüber in ihren Ledersitzen ... weiter lesen ...
4.07.07

Die Scheißmutter schlechtin

| Comments (5) | 07/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Werden wir und wie werden wir die Pubertät überleben?, fragt der Lange, und das frage ich mich auch. Heute habe ich zum ersten Mal ein Tränchen verdrückt, weil mein Kind immer so gemein zu mir ist. Ja, peinlich; und während ich das Tränchen verdrückte, erinnerte ich mich mein spottsüchtiges Überich daran, wie ich mich über meine Schwester lustig machte, als sie mir erzählte, dass ihr Kind sie zum Weinen bringt. Ein Kind, haha! Das soll mir mal kommen, das Kind! Naja, aber das Schwestern-Kind war drei, der Hass von Dreijährigen ist unkonkret, amöbig und radikal situationsabhängig, das ist ein Hass so weich, mild und süß wie Grieskoch. Und: frei von Verachtung. Diesem Hass ist noch kein Verletzungswille immanent, der schlägt noch nicht den Putz von der Wand. Aber mein Kind ist fünf, das ist ein Unterschied. Der Hass einer Fünfjährigen kann schon mehr. Der ist mehrzellig. Der hat ... weiter lesen ...
20.06.07

Minus 60 Punkte

| Comments (0) | 06/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Eben hab ich für mein Müsli eine Orange geschält, filetiert, kleingehackt und in den Mistkübel geschmissen. Ich war in Gedanken. Ich dachte über Schopenhauer nach, weil mich Honzo dieser Tage mit Aphorismen eindeckt, und in diesen ging es darum, dass einem beim Lesen die Arbeit des Denkens zum Großteil abgenommen werde, Lesen also eher dumm mache, womit Honzo mich zu beruhigen trachtete. Ich weiß aber, dass Honzo es nicht begrüßen wird, wie ich Schopenhauers Gedanken, wie Rainald Goetz in seinem Blog schreibt, „brutalisiert und auf die letzte Banalität runter-reduziert“ habe. Das schreibt Goetz aber über die Unfähigkeit eines Spiegel-Redakteurs, einen komplexen Sachverhalt wiederzugeben, und das lesen Sie bitte selbst nach, sowie alles, was Goetz  in den letzten Monaten geschrieben hat, und was ich jeden Tag wie süchtig einsauge, ohne dass es meine fortschreitende Verdummung aufzuhalten im Stande wäre. Ich glaube aber nicht, dass es Alzheimer ... weiter lesen ...
14.06.07

Mir ist so fad

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Das kühlste, was ich diesen Monat oder dieses Jahrtausend gesehen habe, war, wie Amy Winehouse bei den MTV Movie Awards „Rehab“ vortrug. Ich glaube nicht, dass das in absehbarer Zeit zu übertreffen sein wird, auch wenn das, was Vesely über Dylans Zürcher Hallenstadion-Auftritt berichtet, auf einen schönen Lauf des Meisters schließen lässt. Gut, Amy Winehouse ist zu dünn, was in ihrem Fall aber eine maximierende Wirkung auf ihre eh schon riesige Stimme hat und ihr zudem ermöglicht, winzige, schwarze Kleider zu tragen, die ihre Millionen Peckerl prächtig zur Geltung bringen. Unten turmhohe High Heels, oben turmhohe Haare, dazwischen Tanzminimalismus und schlechte Laune, bloß nicht lächeln, könnte als Anbiederung ausgelegt werden. Zum Schluss klatscht Winehaus seitlich dreimal in die Hände, mit ihren ziemlich outen Friseurinnenfingernägelfingern, und es ist so sagenhaft lässig, dass man sich fragt: Weiß sie das? Woher weiß sie das? Hat sie das wo gesehen? Oder hat ihr das wer beigebracht, ein Choreograph, hat er gesagt, du, Amy, schau, ganz zum Schluss klatscht du dir dreimal in die Hände, so seitlich neben der Hüfte, das schaut endkrass cool aus, und wir machen dir vorher noch eine total oute Friseurinnenfrenchmanicüre, damit machst du sie alle platt, und sie hat gesagt, na gut, wenn du das sagst, dann mach ich das halt?
  Über so Zeug hirne ich, vermutlich, um mich ... weiter lesen ...
14.06.07

Zum hungrigen Carnivoren

| Comments (0) | 06/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Kommt mir auch schon wieder ewig her vor, dass ich von unserem Strand zur lokalen Konoba geschwommen bin, um einen Tisch zu reservieren: aus dem Wasser krabbeln, Bauch einziehen, über die Terrasse tropfen – 13 Personen, bitte – zurücktropfen, heimschwimmen. Kam gut an bei der restlichen Urlaubsgesellschaft. Brachte Boah-Punke. Es war aber überhaupt.... also, das beste an diesem Urlaub war: Alle Freunde, mit denen ich ihn machte, waren es hinterher immer noch. Das ist bitteschön nicht selbstverständlich und ein schönes Signal dafür, dass meine selbstgebastelten Demissbilligungs- und Ärgermanagementstrategien allmählich greifen.
  Immerhin kann man in so einem Urlaub auch andere Aggressionsbewältigungsmethodiken studieren, zum Beispiel am Horwath. Die ganze Woche lacht und scherzt der Horwath. Witzelt es klein, wenn er schon wieder den ganzen Planschbedarf allein vom Strand ins Haus geschleppt hat. Tut es mit einem Grinsen ab, wenn der Lange oder der Breuss schon wieder den ganzen Tag in dem einzigen Gartenklappsessel im Schatten kleben, den der Horwath aus einem Sperrgutcontainer rettete und extra für sich mit nach Kroatien nahm. Scherzt nur darüber, dass er schon zum dritten Mal an diesem Morgen die Espressokanne gefüllt und auf den Herd gestellt, aber selber noch keinen einzigen Kaffee erwischt hat. Zuckt völlig aus, als wir ihn an einem Mittag mit gefühlten 46 Grad im Schatten vorsichtig fragen, ob es schon der richtige Tag  ... weiter lesen ...
14.06.07

Darf ich vorstellen

| Comments (1) | 06/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Weil Hauen, Prügeln und Liebesentzug nicht funktioniert haben, wurde jetzt ein Belohnungssystem eingeführt und es gibt Sternchen fürs Zimmeraufräumen und Sternchen für Probieren exotischer Gemüse wie Karfiol und Sternchen fürs Schieferziehen (wobei ich glaube, sie jagen sich die Dinger jetzt selber rein; das Schieferaufkommen stieg in den letzten Wochen eklatant) und Sternchen dafür, dass sie bei Autofahrten nicht mehr fragen, wie weit es jetzt noch ist. Wie wir jetzt aus Kroatien heimgefahren sind, gab es davon acht pro Kind, was es zu einer weisen, weitsichtigen Idee machte, dass ich die Belohnung, die es für zehn Sternchen gibt, schon lange besorgt hatte. Ich gute, vorausschauende Mutter, ich.
  Wie wir daheim ankommen, ist die Belohnung nicht auffindbar, nicht im Dachboden, wo ich sie hundertprozentig versteckt habe, nicht in meiner Unterhosenlade und nicht auf einem der oberen Regalbretter, was unsere Heimkehr zu einer wenig idyllischen Angelegenheit macht. Ganz abgesehen davon, dass es in Wien kein Meer gibt und keinen Strand und nicht mehr drei Mal täglich Schleckeis, und dass der kleine Horwath und der kleine Breuss nicht bei uns wohnen, wodurch sich die Lebensqualität der Mimis ja sowieso schlagartig minimierte. Und obwohl die Mimis, nachdem sie mit Süssigkeiten und morgen-ein-Film-Versprechungen sediert wurden, mittlerweile schlafen, hirne ich noch immer darüber nach, wo diese verdammte Belohnung hingekommen ist. Das war so ein flaches ... weiter lesen ...
14.06.07

Jetzt räum doch mal das Auto auf

| Comments (0) | 06/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Ich könnte natürlich endlich das Auto aufräumen und seinen Inhalt protokollieren, was nur klingt, als wäre es eine leicht verdientes Kolumnengeld: In Wirklichkeit wäre es brutale Arbeit. Soll der Lange machen; das Auto ist ja eh sein Revier, und ich vermute – unter anderem, weil er das Auto unbedingt selber aufräumen WILL, dass er irgendwo zwischen dem Gerümpel im Kofferraum säckeweise Dinge versteckt, die er von Rechts wegen entsorgt haben müsste. CDs vor allem, weil ich ihm ein Limit gesetzt habe: Diese ganze Regalwand sei dein, aber mehr nicht; alles was diese Wand, die bei Gott riesig ist, überlappt, verlässt rapido die Wohnung. Tut es natürlich nicht; der Lange versteckt Sackerl voller CDs unterm Bett, hinterm Sofa, in seinem Kleiderschrank und in der Garderobe hinter den Wintermänteln. Und im Auto, wo er glaubt, dass ich sie unter all den Rollern, Kinderrädern, Schlafsäcken, Gummistiefeln, Fischernetzen, Bällen, Regenjacken, Pixi-Büchern, verschneutzten Taschentüchern, steifen Geschirrtüchern, Sitzerhöhungen, vergessenen Kindermützen, Kinderpullis, Turnschuhen, Sonnenbrillen, Gaffertaperollen, Strohmatten, Badehosen, Wolldecken, aus dem Wald eingeschleppten Stöcken, Verbandsmaterial, alten Stadtplänen, zerfledderten Landkarten, Kaugummipapierl, Fahrradpumpen, Blasebälgen, Springseilen, Hulahoopreifen, Bob-der-Meister-Heftln, Princess-Dings-Hefltn, feuchten ... weiter lesen ...
16.05.07

The Arsenic Hour

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Schön: auch andere Paare streiten. Ritters zum Beispiel haben zur Geburtstagsparty ihrer Tochter geladen, und ich bin nicht wahnsinnig glücklich über die Ansage, die Party finde im Wald statt. Gut ist, dass ich tags zuvor eine engagierte Auseindersetzung mit dem Langen hatte, in deren Verlauf der Lange so deppert wurde, dass ich etwas tat, was meinen Kindern strengstens verboten ist, und Begriffe verwendete, die gleichfalls. Allerdings führt der Zwischenfall überraschenderweise dazu, dass der Lange tags darauf Zucker ist und offenbar bereit, Buße zu tun. Also ruf ich die Ritterin an und sag: Ritterin, der Wald ist was für Väter, Mütter, sag ich, sollten derweil auf Balkonen sitzen und Alkohol missbrauchen. Wofür es übrigens in Amiland einen eigenen Begriff gibt, wie mir eine amerikanische Bekannte kürzlich erläuterte: the Arsenic Hour.
  Es sei, sagte diese Delia, die Stunde am späten Nachmittag, in der Mütter, und Delia sprach von All-American-Full-Time-Müttern in All-American-Kleinstädten, ihre Kinder und ihr Leben nur noch im Zustand der Somatisiertheit ertragen ... weiter lesen ...
13.05.07

Danke, Kinder, lassen wir das jetzt.

| Comments (0) | 05/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Meine Mutter hat den Muttertag schon vor Jahren abgeschafft: Danke, Kinder, lassen wir das jetzt. Sie braucht sowas nicht, sagt meine Mutter. Sie finde das eher lästig. Ehrlich gesagt habe sie das schon früher ziemlich unnötig gefunden, und als die  Phase der selbstgebastelten Muttertagspräsente von vier Kindern endlich vorüber gewesen sei, habe sie das, seid’s mir nicht bös, mit herzlicher Dankbarkeit erfüllt.
Natürlich habe sie sich über jedes aufgestotterte Gedicht, jedes schräg intonierte Lied, jede beschmierte Gipsschale, jeden schiefen Häkeltopflappen, jeden laubgesägten Kleiderbügel so aufrichtig gefreut,  wie man es von einer glücklichen Mutter erwarte, keine Frage. Aber jetzt sei sie über gleichmäßig übers Jahr verteilte Zeichen von Liebe, Zuneigung und  Respekt wesentlich glücklicher. Etwa in dem wir sie regelmäßig besuchen und anrufen und sie nicht über die Maßen mit Enkelkinder-Beaufsichtigungswünschen belästigen.
Denn meine Mutter ist der Meinung, dass sie sich nach mehr als 25 Jahren Kindervollversorgung inkl. beträchtlicher Aufopferung ein natürliches Recht auf ein wenig Selbstverwirklichung erworben habe, und falls wir ihr dafür unsere Dankbarkeit erweisen wollen, dann bitte, indem wir uns um unsere eigenen Kinder wenn möglich selber kümmern. Also, dass wir das nicht falsch verstünden, sie liebe ihre  Enkel, habe sie gern um sich und  nichts dagegen, hin- und wieder ein wenig auf einen oder zwei von ihnen aufzupasse, aber nicht auf einer täglichen Basis.
Das alles - besser: auch das alles - finde ich an meiner Mutter so großartig. Und auch zum Dank dafür rufe ich sie am Muttertag nicht an. Aber am Tag davor. Und am Tag danach.
9.05.07

Ich trag jetzt eh immer ärmel

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Es ist ein bisschen wie damals beim Tätowieren: Die Frage war nicht, ob ja oder nein, sondern wo und was. Der Schurl hatte es satt, das Pecken immer nur auf toter Sauhaut zu üben, er war bereit für lebende Menschen und ich war zufällig grad in der Nähe. Dabei hab ich mit meinem Oberarm noch Glück gehabt, jetzt mal im Vergleich mit dem Oberarm vom Mike oder dem Unterarm eines Wiener Flex-Chefs. Bei mir hatte der Schurl das mit den verschiedenen Hautschichten schon besser heraussen, nur die Linienführung, naja, aber ich trag ja jetzt eh meistens Ärmel.
 Daran erinnert mich jetzt das Gendermainstreaming meiner Tochter. Die Frage ist nicht mehr, wann der Zipfel nun endlich wächst oder warum buhuhu nicht, sondern wie und wann einer drangemacht wird. Meine völlig daherfantasierten Drastizismen, da müsse was aus dem Schenkel geschnitten und dann woanders anoperiert ... weiter lesen ...
6.05.07

Bitte zu Tisch

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Was ich im Kino definitiv nicht mehr sehen möchte (und eigentlich noch nie sehen wollte): Wie Männer Lebensmittel von nackigen Frauen schlecken, schlürfen, schlabbern. Finde ich eher ekelhaft. Mit Essen spielt man nicht, da halt ich’s mit den Ahnen. Oder besser: mit dem fertigen Essen. Davor, bei der Zubereitung, zum Zwecke der Optimierung des Menüs: gut. Aber wenn das Essen fertig ist, dann gehört es auf einen Teller und einen Tisch, nicht auf eine Frau, und deswegen will  ich diesen neuen deutschen Film „Eden“ schon in die Tonne treten, ohne ihn je gesehen zu haben. Obwohl Charlotte Roche die Hauptrolle spielt, oder besser: weil. Denn die frühere MTV-Moderatorin war unter den Fernsehgesichtern immer eins mit spürbar arbeitendem Hirn dahinter, was ja alles andere  selbstverständlich ist. Und jetzt lässt die sich in einem Film irgendein Dessert vom nackigen Leib  lecken... grusel: Zuviel Kult ums Essen.
Eh sind Essen und seine Zubereitung ein Thema: Und sollen es auch bleiben, weil die Fastfood-Industrie dringend ein Contra braucht. Weil der Umstand, dass viele Menschen nicht mehr essen, sondern sich nur noch dalli verpflegen, letztlich daran Schuld ist, dass die Fetten fetter und mehr werden. Weil immer mehr Kinder immer seltener von Tisch und Tellern essen, und immer öfter aus Karton-verpackungen.
Womit vielleicht auch das Jugend-Kampftrink-Problem  zusammenhängt: Viele Jugendliche haben halt nie gelernt, wie viel wovon gut für sie ist, beim Essen und beim Trinken. Neue Ausweise für Jugendliche und ihre  strenge Kontrolle können Heranwachsende schützen, aber sie können sie nichts über ihre Grenzen lehren. Das müssen andere viel früher tun: die Eltern. Wenn möglich bei  Tisch.
4.05.07

Live vom Thermophor

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Also lieg ich am Sofa auf meinem kleinen alte-Damen-Thermophor, Stufe 2, manchmal Stufe 3, lese Zeitschriften und sehe fern, weil ich nach den tollen Büchern der Damen Marisha Pessl und A. M. Homes ums Verrecken nicht in die „Dorfpunks“ von Rocko Schamoni reinfinde, so schnuckinger der Herr sonst auch sein mag. Ich sehe, was so kommt. Egal, was kommt. Ist nicht viel Erhebendes dabei, außer „Ellen“, „Dr. House“ und, darüber muss ich mich sehr wundern, „Vier Frauen und ein Todesfall“. Das ist lustig, entschieden lustiger als früher, ich lache mindestens sieben Mal, ein Spitzenschnitt für eine österreichische TV-Produktion, wofür, wie ich dann recherchiere, offenkundig Rupert Henning zur Verantwortung zu ziehen ist, bzw. seine Coautorenschaft. Das erklärt alles.
  Nach vier Tagen strengem Liegen, zwei Infusionen und ein paar feinen Pillen, die mir die gute Mutter Urban aus ihrer Arztpraxis vorbeigebracht hat, erlaubt mir mein Hexenschuss ... weiter lesen ...
18.04.07

Nur noch zwölfundachtzig Minuten

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Bis drei lege ich auf und trinke Bier, um halb vier bin ich im Bett, gegen vier kann ich endlich einschlafen, um acht schickt mir der Lange die Kinder ins Zimmer, um neun fahren wir ins Waldviertel. Die ganze Fahrt hindurch stellen die Kinder hinter mir ohne Unterlass Fragen aus dem wie-lange-wie-weit-Komplex. Mämäääää? Ja, Kinder. Müssen wir noch tausend Kilometer fahren? Nein, Kinder. Nur zweihundertzweiundzwanzig Kilometer?Oder sieben Miniarden? Mämäää, wie weit ist es noch? Etwa 80 Kilometer, Kinder. Ist das weit, 80 Kilometer?, wie lange dauert das?, 1000 Stunden?, oder zweihundertzweiundzwanzig? Oder sieben Miniarden?, Mämäääää!, wie lange ist eine Stunde? Zweihundertzweiundzwanzig Minuten? Oder zwölfundachtzig Sekunden? immer mit diesen glockenhellen Stimmen in der sicheren Schmerzfrequenz. Der Lange konzentriert sich stur auf den Verkehr und spielt dazu in tüchtiger Lautstärke das gesamte neue Fehlfarben-Album „Handbuch für die Welt“, zwölf lange Lieder lang quäkt mir Peter Hein das Gehirn schlammig, hinten die Kinder, vorne Hein und als wir nach eineinhalb Stunden endlich ankommen, macht der Lange mit den Kindern gleich einen Spaziergang zum Bach hinunter und rettet so sein Leben.
  Das war wohl die Rache. Der Lange fand, er habe mit dem abflussgebrechensbedingten Küchenumbau genug gelitten, während ich ja am Land zehn Tage Halligalli ... weiter lesen ...
6.04.07

Exklusiv für 13-bis 24jährige

| Comments (1) | 04/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Die Gesundheitsministerin sage, so war dieser Tage häufig zu lesen, dem jugendlichen Kampftrinken den Kampf an. Putziges Wortspiel, das man natürlich gerne in Bilder umgesetzt sehen möchte.
Welche Waffen wird Andrea Kdolsky  dabei einsetzen? Wird sie, ähnlich wie bei ihrem Olla-Aktionismus, ein Schnapsglas über jeden Finger stülpen und sich dabei fotografieren lassen, wie sie diese Insignien der Trunksucht  zerschmettert? Wird sie in Lokale mit jugendgefährdenden Billigschnaps-Angeboten gehen und  den Wirten ihren Fusel ins Gesicht schütten oder sie ihn gar selber saufen lassen?
Oder geht sie am 13. April nach Markt Piesting in Niederösterreich ins Cafe Lehn auf die Party der JVP und des NÖAAB und löst dort ihren „Getränke-Bon für einen Cocktail“ ein, den man aus der Einladung ausschneiden kann? Wenn sie den vertrunken hat, kann sie weitere „Getränke um Euro 1,-“  konsumieren: falls sie nicht weiß, welche, hilft ihr ein kleines Foto, das drei Gläser zeigt, eins mit was rotem, fruchtigem, eins das ausschaut wie ein Mojito, bei dem man  bei der Minze gespart hat, und eins, das stark einer Margarita ähnelt.  Aber, halt, nein: Die Ministerin kriegt gar nichts, denn sie ist für die JVP/NÖAAB-Sause zu alt. Die  Einladung gilt, wie fett vermerkt wird, „exklusiv für 13- bis 24-Jährige“.
Die Einladung wurde mir von der Mutter eines 13-Jährigen gemailt, der den Zettel nach Haus gebracht hat. Sie sei, schrieb die Frau, höchst irritiert davon, dass „eine Partei bereits 13-Jährige zu Saufgelagen einlädt“. Der Sohn jedenfalls habe die Einladung mit den Worten weggeschmissen, er fühle sich „zu jung für sowas“. Kluger Kerl. Wenn jetzt nur auch  noch die JVP so gescheit würde: Vielleicht hilft ihr die Gesundheitsministerin  mit einer putzigen Aufklärungskampagne dabei.
31.03.07

Gefährliche Wünscche

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Eine Kurzmeldung auf der „Aus-aller-Welt“-Seite der VN: In Neuseeland demonstrierten Tausende Eltern für das Recht , ihre Kinder weiterhin ohrfeigen zu dürfen: Selbst Kinder demonstrierten gegen ein geplantes Gesetz marschiert, das ihre körperliche Züchtigung durch Erwachsene verbietet. Noch eine VN-Nachricht, diesmal  aus dem Lokalteil: In Feldkirch wurde eine 35jährige Frau  verurteilt, weil sie ihre kleinen Töchter immer wieder mit   Schuhen, Besen und Gürteln verprügelt hatte.
Und eine weitere aktuelle Meldung, ich weiß nicht mehr, woher: 5400 Ehrenmorde wurden in der Türkei in den letzten fünf Jahren an Frauen verübt. Das sind 1080 Morde im Jahr, das sind fast drei Türkinnen täglich,  die von Mitgliedern  ihrer Familie, von Vätern, Brüdern, Cousins und Onkeln umgebracht werden,  weil sie in deren Augen unziemlich lebten. Drei  erschlagene, erschossene, erwürgte Frauen und Mädchen jeden  Tag; in einem Land, das Mitglied der EU werden will.
Die Neuseeländer sind der Meinung, der Staat mische sich mit dem Ohrfeigen-Verbot ungebührlich in Familiensachen ein: Es gibt in Österreich nicht wenige Erziehungsberechtigte, die diese  Ansicht voll und ganz teilen und sich die Freiheit wünschen, ihren ungezogenen Fratzen auch mal mit ein paar Watschen zu zeigen, wer der Sheriff im Haus ist. Eine Ohrfeige hat ja noch keinem geschadet.
Aber wenn der Staat sein Gewaltmonopol auch nur ein bisschen lockert, wenn er den Bürgern, den Müttern, den Vätern, den Brüdern und Onkeln erlaubt, das Recht und das Recht auf Gewalt auch nur ein bisschen selbst in die Hand zu nehmen: Wie weit ist es dann noch bis in die Türkei? Es gilt die alte Warnung: Immer aufpassen beim Wünschen. Es könnte in Erfüllung gehen.
29.03.07

Nicht selten nur ein Unfall

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Sie ist der sicherste und der gefährlichste Ort der Welt. Eine zu haben kann ein Segen sein, für viele ist es ein lebenslanger Fluch.  Sie kann ein Kraftwerk für Unmengen von Liebe sein, und für  unfassbar viel Hass und  Gewalt. Sie macht Menschen stark und sie zerstört sie für immer.Die Familie ist die beste und die furchtbarste gesellschaftliche Einheit.
Konservative Politik neigt dazu, das Vater-Mutter-Kinder-Familienidyll zu glorifizieren, es unterm Glassturz beschützen zu wollen. Aber ständig muss man sich fragen, ob die Familie als  gesellschaftliche Basisorganisation noch funktioniert.Ob Familie nicht oft nur ein Zufall ist und nicht selten ein unglücklicher. Ein Unfall.
In Wien wurde letzte Woche ein Vater von seiner Frau, seinem Stiefsohn und seiner Schwiegermutter in einer Gewaltorgie umgebracht: Die Tat läßt ahnen, dass ihr ein wenig glückliches  Familienleben voranging. In Deutschland haben ein 33jähriger Vater und eine 21jährige Mutter ihre 14 Monate alte Tochter verhungern und verdursten lassen; als der Mutter am Samstag etwas merkwürdig vorkam und sie mit ihrer Tochter zum Arzt ging, war das Kind bereits tot. Es spricht nicht unbedingt für die Familie als soziale Zelle, wenn manche ihrer Mitglieder  nicht einmal bemerken, dass andere nicht mehr am Leben sind. 
 Ist die Familie so kaputt, weil eine verrohte oder gleichgültige  Gesamtgesellschaft  keine regulierende,  reparierende Wirkung mehr auf ihre kleinsten Zellen hat? Oder sind schon so viele dieser Zellen zerstört und funktionsuntüchtig, dass darüber ganze  Bevölkerungschichten  verwahrlosen? Was lässt sich dagegen unternehmen? Wir haben wohl nichts Besseres als die  Familie: Aber wir müssen sie besser machen. Und sicherer.
14.03.07

Jaaa, suuuuuper

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Jetzt ist der Eislaufplatz endlich weg, und das ist gut, denn ich muss nicht mehr mit den Kinder eislaufen gehen und Sie können mich nicht mehr dabei betreten, wie ich vor dem Langen knie und ihm die Schuhe zubinde. Die öffentliche Brutalfeministin als private Dienerin des Herrn, das hätte Ihnen gefallen. Trotzdem führe ich zu meiner Verteidigung an, dass ich das nicht immer mache. Tatsächlich habe ich es nur dieses einzige Mal gemacht, denn der Lange hatte Hexenschuss und litt außerordentlich, woran ich unschuldig war, aber daran, dass er jetzt immer noch Hexenschuss hat, bin ich schuld, was das Leiden des Langen verschlimmert und verlängert. Ich bin schuld, denn ich hatte ihn zum Eislaufen gezwungen, ungeachtet der Tatsache, dass er es nicht kann. Was ich tatsächlich vergessen hatte, oder verdrängt, um mir den Albtraum zu ersparen, allein mit zwei eislaufunkundigen, aber unermüdlichen ... weiter lesen ...
11.03.07

Betrifft: Hundehaltung

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Schreiben vom  7.2. 2007 „an die Mieter des Hauses 19., Krottenbachstrasse 122.
Betrifft: Hundehaltung.
Liebe Hundehalter und Tiefreunde! Die meisten Hundebesitzer befolgen gewissenhaft die gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Hundehaltung. Leider gibt es immer wieder Grund zu Beschwerden und Unmutsäußerungen. Ein paar Richtlinien helfen, dem vorzubeugen und das Zusammenleben von Hundebesitzern und Nicht-Hundebesitzern zu erleichtern:
- Achten Sie darauf, dass Ihr Hund seine Notdurft nicht auf dem Gehsteig oder den Gehwegen des/des Wohnhaus/es/anlage, sondern im Rinnsal verrichtet.“
Es folgen drei weitere Punkte, Dank fürs Verständnis, und Hoffnung auf „Ihre Mithilfe, die Lebensqualität unserer Stadt für alle Bewohner zu erhalten! Mit freundlichen Grüßen, Ihre Hausverwaltung Stadt Wien - Wiener Wohnen.“
Danke, Leser D., für dieses schöne Schreiben, in dessen Licht  die putzige Gackerl-Sackerl-Kampagne der Stadt Wien, durch die Wiener Hundehalter endlich begreifen sollen, dass es   verboten und verantwortungslos ist, den Kot ihrer Hunde egal wo liegen zu lassen, nur noch wie Hohn wirkt. Die selbe Stadt Wien fordert die Gemeindebau-Hundehalter  dezidiert dazu auf, ihre Hunde ins  „Rinnsal“ koten zu lassen: Worunter das Österreichische Wörterbuch einen „schmalen Wasserlauf, dessen natürliches oder künstliches Bett“ versteht. (Vielleicht mit  kleinen Brücken für kotfreies Queren mit Kinderwägen, Rollern und Rädern, was man auf Wiener Straßen aber eher selten vorfindet.)
Es ist  also eine Aufforderung, Hunde auf  die Straße scheißen zu lassen. „Nimm ein Sackerl für dein Gackerl?“ Davon ist in dem Schreiben nicht die Rede; nicht ein einziges Mal.
7.03.07

Gut, reden wir darüber

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Richter meint, und einige Leser  teilen bzw. bestätigen diese Einschätzung meines Freundes, ich überforderte viele Leute mit meinem Liberalismus in Sachen Homosexualität. Richter meint, wenn man, wie er, als Kind im Internat mitbekommen habe, wie dort Buben belästigt, vergewaltigt, kaputt gemacht wurden, habe man zu Homosexualität  eine andere Einstellung. Er sei, sagt Richter, deshalb nicht homophob; rechtliche Gleichstellung für homosexuelle Paare: sofort. Aber dass sie Kinder adoptieren dürfen... hm. Damit habe er Schwierigkeiten. Er sei, als Freidenker und Realist, nicht stolz darauf, aber in seiner Normalität könne er das , wie andere eben auch, nicht ohne weiteres unterbringen. Ich sage: gut, Richter,  reden wir  doch darüber.
Ja, ich kann nachvollziehen, dass traumatische Erfahrungen zu  lebenslangen Aversionen führen können; wie bei Leser R., der als Junger  von Schwulen belästigt wurde und fortan sein Leben lang an Schwulenallergie laborierte. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass circa jede Frau irgendwann in ihrem Leben Opfer männlicher Belästigung wird, erträglich oder schlimm, aber die meisten Frauen schaffen es,  psychisch damit soweit fertig zu werden, dass der Männerhass sie nicht final ins Kloster treibt.  Und natürlich spricht  man, weil es viele  sexuell gestörte Kerle gibt,  heterosexuellen Männern nicht grundsätzlich die Fähigkeit ab,  ihre Kinder auf liebe- und verantwortungsvolle Weise  groß  zu ziehen.
Homosexuelle aber werden  für  Missetaten Einzelner generalbestraft; worüber man einmal reden sollte. Über die Diskrepanz zwischen den in diesem Zusammenhang gern strapazierten schöpfungsgeschichtlichen Männlein-Weiblein-Fortpflanzungsutopien und der Realität moderner Reproduktionsmedizin reden wir   dann ein ander Mal.
7.03.07

The Great Pretender

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Ich hatte eine Frage an Philipp den Geschiedenen: Ist er glücklicher jetzt, nachdem er sich für die Scheidung und gegen die kleinfamiliäre Genießerspießerei entschied, die er zusehends nur noch im Zustand der Totalsomatisierung ertragen hatte? Nicht glücklicher, sagt Philipp der Geschiedene, nein, glücklicher nicht, aber das hänge damit zusammen,  dass Glücklichsein für ihn keine biographische Kategorie sei. Aber sein Unglück fühle sich nun authentischer an; er könne mit seinem Unglück allein besser umgehen. Das exhibitionierte Familienglück mit all den Insignien der Einheit und Vollständigkeit habe ihn durchaus kurzfristig abzulenken vermocht, aber ständig sei er wie verkatert daraus erwacht, was nichts mit Substanz-Zufuhr zu tun gehabt habe, sondern damit, dass Familienglück auf ihn wie Fusel gewirkt und ihn deppert gemacht habe, wie aus einem Schnapstraum sei er daraus herausgeschossen, ganz ernsthaft mit Herzklopfen und dem Gefühl, dass das nicht er, Philipp, sondern ein Traum-Philipp sei in einer Traumexistenz aus Liebsein und Schönwaskochen und dem tödlichen Frust von Drei-Sterne-Hausfrauen, wenn das Soufflee zusammenpappt sei und mit einem Preisleistungsverhältnis zu edlen Weinen. Grauenhaft, grau-en-haft!; leider war es sein Dasein. Das habe er irgendwann ... weiter lesen ...
2.03.07

Oben schön, unten Flokati

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Oben ist das Stadthallenbad ist unter den öffentlichen Dädern eines der schönsten:  Durch die kühne Deckenkonstruktion aus roten Stahlträgern und Glas fällt üppig das Tageslicht, das Becken ist lang, das Bad wirkt, obwohl  über 30 Jahre alt, immer noch modern. Also oben.
Leider hat der berühmte, 2004 verstorbene Architekt Roland Rainer, nach dessen Plänen das Bad  zwischen 1972 und ’74 errichtet wurde, entweder fix damit gerechnet, dass bald alle Wiener Schulen eigene Hallenbäder haben würden. Oder er ahnte einfach nicht, dass im 21. Jahrhundert alle Mädchen zwischen drei und 18 dem Prinzessinnenlook verfallen und ihre Haare popolang tragen würden. Kurze Haare sind bei Teenagerinnen eindeutig nicht mehr angesagt, wie ein Lokalaugenschein im Stadthallenbad zeigt.
Der beweist weiters,  dass Frisurentrends in der Stadtplanung unbedingt berücksichtigt werden sollten.  Im Stadthallenbad  wandert man über eine Fliesenserpentine aus der prächtigen Halle in den brutal schlichten den  Bauch des Bades, und watet dort unweigerlich durch einen dicken Damenhaar-Flokati. So fleißig können die Kittelschürzendamen  gar nicht kehren, dass es einem die Mädchenfrisuren nicht in Büscheln um die Zehen wickeln würde.
Immerhin hat man, während man entweder auf eine freie Dusche (1972 fand man: ca . 20 Duschen sollten für ein Volksbad reichen; 2007 findet man: es macht nichts, wenn davon drei oder vier kaputt sind) oder einen Platz unter dem  großen Rohrfön wartet, genug Zeit, sich die Schülerinnen-Haartrachten aus den Zehenzwischenräumen zu kletzeln. Was exakt so grauslich ist, wie Sie es sich jetzt gerade vorstellen. Unten ist das Stadthallenbad eines der unschönsten.
1.03.07

Wie man eine Frau befriedigt

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Kürzlich lief eine dieser vielgelobten dänischen Krimiserien, in denen die Polizisten und Polizistinnen, während sie brutale Morde bearbeiten, ständig Beziehungsprobleme besprechen, mit Einsamer-Wolf-Ermittlern und schicken, hantigen Polizeichefinnen. In dieser hatte  der  Einsame Wolf  eine Affäre mit der schönen Ermittlerin, und die  Polizeichefin stand vor der Pensionierung. Also nahm sie sich die schöne Ermittlerin zur Brust und machte ihr klar, dass sie gute Chancen auf ihre Nachfolge habe, aber sie solle sich doch endlich einen soliden Kerl finden und sich ein paar Kinder machen lassen, denn „in diesem Job kannst du nur Karriere machen, wenn du auch einen Ausgleich hast“.
Soll heißen: glückliches Familienleben und berufliche Selbstverwirklichung, das macht man am besten gleichzeitig. Da schlenkert unsereins natürlich mit den Ohren, weil: sapperlott! Ist das überhaupt erlaubt? Die Frage drängt sich auch angesichts der Leserbriefe zur deutschen Krippendebatte gestern im KURIER auf, in denen fast durchwegs die Ansicht vertreten wurde, ein Kind, das die ersten drei Lebensjahre nicht ausschließlich von seiner Mutter (zur Not: vom Vater) betreut werde, nehme irreparablen Schaden. Was die Kinderpsychologie nicht bestätigt.
Gesellschaftlicher Konsens herrscht dagegen darüber, dass nicht genug Kinder geboren werden und der Kinderwunsch der jungen Frauen dringend irgendwie angezwirbelt werden sollte... aber wie? Viele fänden es halt immer noch am pragmatischsten, wieder allen Frauen ein unbezahltes Vollzeit-Hausfrau-und-Mutter-Modell als total befriedigend schmackhaft zu machen, das spart Steuergeld und  Arbeitsplätze. Aber, wie auch CDU- und ÖVP-Frauen klar machen: Die 1950er Jahre sind nicht nur lange vorbei; sie sollen es auch bleiben.
1.03.07

Absolutes Sperrrgebiet

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Jetzt erwische ich mich ständig beim Keppeln und schäme mich. Keppeln ist unter aufgeschlossenen Erziehungsberechtigen striktes No-No-Territorium, die moderne Erziehungsberechtigte keppelt nicht, sie kommuniziert. Sie kommuniziert mit ihrem Kind auf eine das Kind nicht überfordernde Weise. Sie sagt in kurzen klaren Worten, was sie will. Das Kind reagiert darauf, so sieht es die Pädagogik vor, aufgeschlossen und positiv, was ich so verstehe, dass das Kind tut, was ich will. Leider funktioniert es nicht. In den letzten Wochen habe ich wiederholt den Satz „Rede ich eigentlich gegen eine Wand?!“ ge ähm keppelt, genau so, wie ich ihn von meiner Mutter gekeppelt kriegte, und das ist natürlich... Absolutes Sperrgebiet ist das natürlich. Würdelos. Aber meine Kinder sind in die beunruhigende Phase getreten, in der sie über meine Schmähs nur noch bemüht grinsen (wozu hat man Kinder?? Wegen der Bedingungslosigkeit von Zuneigung und allzeit positiver Schmährezeption!! Das war nicht ausgemacht, dass das schon vor dem fünften Geburtstag vorbei ist!!) und mich, wenn ich etwas will wie Zähneputzen, aufräumen, anziehen, ins Bett gehen, einfach ignorieren, ohne ihre augenblickliche Tätigkeit auch nur ... weiter lesen ...
23.02.07

So viel zum Kaloriat

| Comments (0) | 02/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Nette Meldungskoinzidenz:  Restaurants in Hongkong belegen ihre Gäste jetzt mit Strafen, wenn sie nicht aufessen. Während Nichtaufessen für den österreichischen Durchschnittsmann offenbar von Vorteil wäre: Der schaffte es soeben, gleich hinter dem Griechen, auf Platz 2 der dicksten Europäer. 50,8 Prozent der heimischen Männer sind laut Eurostat, dem statistischen Amt der EU, übergewichtig.
Allerdings hat die Hongkong-Maßnahme nichts mit dem BMI der Hongkonger zu tun, sondern mit Müllvermeidung: 700 Tonnen Speisereste fallen in den Restaurants  täglich an, die möchte man lieber incorporieren.
Auch die heimische Männerbladheit hat mit Müllvermeidung zu tun: Mit vermeidbarer Müllaufnahme, denn übergewichtig werden die Leute  – und  jedes vierte österreichische Kind – nun mal deshalb, weil sie zu viel ungesundes Zeug aufessen und zu viel fernsehen.
 So ein Satz generiert stets gut gemeinte Belehrungsmails des Inhalts, dass das schlechte Zeug halt auch das billige Zeug, Übergewicht  folglich ein Minderprivilegiertenproblem sei. Nur wer es sich leisten könne, habe auch Zugang zu vernünftigen Nahrungsmitteln.
Der Legende vom Kaloriat widerspricht jetzt aber erstens die Eurostat: Denn in ganz EU-Europa sind die Männer durchschnittlich dicker als die Frauen, egal ob arm oder reich. In Österreich etwa sind die Frauen EU-durchschnittlich sogar am dünnsten.  
Zweitens ein kleiner Billa-Preisvergleich: 1 kg Pommes Frites: € 2,92, 1 kg Chips € 2.80, 1 kg Erdäpfel € 0,85.  1 Tiefkühlpizza € 2,29, 1 kg Karotten € 0,89. 1 kg Schwedenbomben € 9,91, 1 kg Bananen € 1,99. Gesund essen kostet nicht mehr, weniger fernsehen gleich gar nichts. Da geht es nicht ums Können; da geht es ums Wollen.

 

21.02.07

Kommt drauf an, was man draus macht

| Comments (0) | 02/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Bei den Finks gibt man nicht so viel auf Formen, das weiß ich zu schätzen. Wir sind zum Essen eingeladen, und Fink öffnet in gestreiften Pyjama-Hosen, einem Footballshirt und einem saublöden Tirolerhut, und bis auf den Tirolerhut, der irgendwann auf den Kopf von Finks Tochter wechselt, ändert sich daran den ganzen Abend nichts. Finks Aufzug konterkariert schön das Finksche Heim, das man sich ungefähr als 1-Million-m2-Loft vorstellen muss, in dem alle 30 Meter ein Grüppchen ausgesucht schöner Möbel auf einem fantastischen Parkettboden herumsteht und so weiter; es treibt mir unschöne Neidwimmerl auf. Fink flackt auf seiner100-Meter-Küchen-Leder-Bank hinterm 100-Meter-Eichentisch, während die schöne Frau Fink kocht, hervorragend übrigens. lmmerhin ist die Akustik scheiße, das kalmiert mich ein wenig. Zudem knallt mir die Finksche immer noch eine Dose von diesem Paris-Hilton-Häppchenprosecco ... weiter lesen ...
16.02.07

Tadellose Schenkentscheidung, Horvath

| Comments (1) | 02/07 | Kinder und andere Mitbewohner

 Der Horvath hat in seinem neuen Specksteintopf ein Kaninchen alla Cacciatore gekocht, von dem werde ich noch träumen. Mit Erbsen. Und selbstgemachten Nudeln. Die Nudeln macht der Horvath mit einem Gerät, das ich bei ihm bislang nicht gesehen habe: einer nagelneuen, zitronengelben Kitchen-Aid, sehr schick. Sehr schick, Horvath, sag ich, neu? Hab ich der Gattin zu Weihnachten geschenkt, sagt der Horvath, und das ist interessant, denn die Gattin ist berühmt für viele volkswichtige Fähigkeiten, und die Zubereitung von Nahrung gehört nicht dazu. Schicke Küchenmaschine hast du da gekriegt, sag ich zur Horvathischen, schon mal was damit gemacht? Nein, strahlt die Horvath, aber der Horvath! Du schenkst deiner Frau, die niemals kocht, eine Küchenmaschine?, sag ich zum Horvath. Ja, sagt der Horvath, und zwar weil: Letztes Jahr hab ich ihr Inline-Skates zu Weihnachten geschenkt, die hat sie noch kein einziges Mal benutzt, und vorletztes Jahr einen sauteuren Rock, den hat sie noch kein einziges Mal getragen, und heuer hab ich mir gedacht, schenk ich ihr doch was, das wenigstens ich brauchen kann, und sie hat ja auch was davon. Und wir auch, sag ich, und lob den Horvath sehr für seine Schenkentscheidung.
 Dann essen wir glücklich das Kaninchen (die Kinder glauben, es ist Huhn, essen aber trotzdem nichts davon), und führen ... weiter lesen ...
6.02.07

Ah, es könnte Februar sein

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 Man ist in diesem Winter schon froh, wenn es mal tüchtig regnet oder man eine schlimme Erkältung hat, damit man die Jahreszeit wenigstens ungefähr spürt. Ah, meine Nase läuft, es könnte Februar sein. Dem jungen Herrn, der vor zwei oder drei Wochen in kurzen Ärmeln auf dem Fahrrad an mir vorbeipedalte, konnte ich den Januar jedenfalls nicht ansehen, wenngleich ich finde,  dass der Herr übertrieb: So warm war’s nun auch wieder nicht.
Aber wegen mir braucht’s nicht schneien. Schnee sei auch nur aufgemascherltes Wasser, las ich kürzlich so ähnlich irgendwo, und so ist es nicht nur ehrlicher, dass auch im Moment Wasser vom Himmel fällt: Aus Regen wird auch nicht im Augenblick, in dem er Wiener Grund berührt, schwarzer, kiesversetzter Match: und mit dem wird einem dann von passierenden PKWs das Paletot paniert. Plus, der Regen tut  den Rosen gut; am  Balkon wollen die ersten ja schon wieder zum Blühen anfangen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das von den Rosen eine vernünftige Idee ist. Was, wenn doch noch Frost kommt?  
Die Kinder aber sind sauer, sie finden, es ist kein Winter wenn kein Schnee fällt und kein Schnee  liegt: Sie wissen es nicht besser, sie sind halt noch nicht so viele Winter durch den Wiener Gatsch gepflügt, noch keine unbewarnten Fensterbrettlawinen  glitschten ihnen unversehens in ihre Mantelkragen, sie haben noch nicht so viele bräunliche Schneedecken wegschmelzen und langsam die darunter verborgenen Hundstrümmerl freilegen sehen, bevor der Frühlingswind sie langsam trocknet,  zersetzt, zerkrümelt, zerstäubt und als besonders leckeren Feinstaub durch die Straßen weht... Der Regen spült den Dreck wenigstens weg, runter in den Gulli: braver, guter Regen. Wegen mir braucht’s wirklich nicht schneien.

 

1.02.07

Ich oder der Eierkarton

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Die Leser raten mir, die Sache mit dem Essen nicht so verbissen anzugehen; die Leserinnen auch. Ein bisschen lockerer solle ich werden, ein wenig entkrampfen. Kinder würden verblüffenderweise trotz Verstößen gegen das 5-mal-täglich-Obst-und-Gemüse-Paradigmas groß, und angesichts meines muckibepackten1,90-Meter großen kleinen Bruders, der bis über die Pubertät hinaus nur Nutellabrot und Nudeln mit nichts zu sich nahm, muss ich dem zustimmen. Leider neige ich nicht zur Lockerheit. Auch eines meiner Kinder tut das nicht, teilt vielmehr meinen Hang zum Missionarischen und marschiert jetzt, nachdem meine Gehirnwäsche vorübergehend bei ihm verfangen hat, durch den Kindergarten und erklärt den anderen Kinder, dass sie verlässlich blöd würden, ja, die Mutter habe gesagt, man werde ganz dumm, wenn man kein Müsli und kein Gemüse und Obst isst, sie esse jetzt immer Müsli und Obst und Gemüse und werde es deshalb dereinst vermutlich als Einzige ins Kanasium schaffen, leiderschneider, ätschibätsch.
 Das ist natürlich sehr peinlich für mich. Aber wie seine Mutter tendiert nun mal auch das Kind zur Fetischierung von ... weiter lesen ...
24.01.07

Das stand aber nicht im Rider

| Comments (0) | 01/07 | Kinder und andere Mitbewohner

 In Wirklichkeit essen unsere Kinder nämlich nichts. Was viel ist, verglichen mit den anderen Kindern, die gar nichts essen. Von all den Kindern, die ihren Eltern zufolge beim Essen total unkomplizert sind und eigentlich alles essen, kenne ich keines, das angesichts eines vollen Tellers nicht so lange meckert, bis sich darauf nur noch Pommes, Würstel, Pizza oder Nudeln mit nichts befinden. Mit nichts, hab ich gesagt! Weg die grausige Soße! Mein ganzes Elternleben lang hab ich noch kein Kind gesehen, das ein von den Eltern ohne Rücksicht auf die vertraglich fixierten Cateringvorlieben collagiertes Menü widerstandslos isst, außer es wurde zuvor mit schweren Drohungen eingedeckt, die Weihnachten und alle Geburtstage bis zur Volljährigkeit einschlossen. Und nie im Leben sah ich ein Kind vor einem vollen Teller sitzen, ohne umgehend mit dem Gemüsemanagement zu beginnen: Wenn ich statt dem Lauch, ... weiter lesen ...
17.01.07

Da geht noch was

| Comments (0) | 01/07 | Kinder und andere Mitbewohner

Das Abwasser steht, schlimm genug, und es steht, wo es nicht stehen sollte. Das Küchenabwasser steht in der Badewanne, und was sehen wir: gestern gab es Coq au Vin mit tüchtig Petersilie, dazu Reis und grünen Salat. War gut, nur ziehe ich es vor, die Reste davon nicht in der  Badewanne wiederzusehen, was ich dem Installateur am Telefon erkläre. Ich erkläre ihm nicht, noch nicht, dass ich nicht beabsichtige, die Rechnung für die Abflussreinigung vom Juli zu zahlen, ja, dass ich es ziemlich gewagt von ihm finde, diese Rechnung für die letzte Abflussreinigung überhaupt zu schicken. Aber der Installateur ist ein mutiger Mann, das konnte man schon letztes mal an seinen kecken, neuen Strähnchen sehen, sehr hübsch an einem Kerl, der wie ein Viva-Moderator aussieht, aber der Installateur sieht aus wie Elmar Oberhauser.
 Die letzte Abflussreinigung, für die der Installateur sich anschließend erlaubte, Euro 259, 20 in Rechnung zu stellen (Abwasserleitung mit Motorfeder gereinigt, Verstopfung dadurch behoben, Sifone bei Abwäsche, Badewanne und Waschtisch zerlegt, gereinigt und wieder zusammengebaut.) hatte zur Folge, dass der Sifon (Dichtheits- und Funktionskontrolle durchgeführt ) weiter tropfte, was allerdings zugegebenermaßen nicht der Grund dafür war, dass den Nachbarn unter uns wenig später zum zweiten Mal in zwei Jahren unser  ... weiter lesen ...
28.12.06

Murphys Gesetz

| Comments (2) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Ja, es kommt vor, dass ich mich mit  sturer Besserwisserei zur Idiotin mache, indem ich behaupte, ich hätte das und das gesagt, geschrieben oder nicht bestellt, worauf die Gegenseite mir prompt das Gegenteil beweist. Peinlich; und zur Festigung meiner Rolle als  charakterfeste Vertrauensperson wenig hilfreich.
Aber diesmal habe ich alles richtig gemacht. Ich habe rechtzeitig  drei Plätze 1. Klasse mit Tisch im Autoreisezug von Wien nach Feldkirch reserviert. (Es gibt Gründe für die 1. Klasse, z. B. eine  defekte Klimaanlage im 2.-Klasse-Kinderspielwagen letzten Juli auf gleicher Strecke; Außentemperatur: 34 Grad; Fluchtmöglichkeit mit Kindern und Gepäck: null; Hilfsangebote ... weiter lesen ...
27.12.06

Das wünsch ich mir

| Comments (0) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Weihnachten: vorbei; Geschenke: ausgepackt bzw. kaputt; Wünsche: für den Geburtstag aufsparen. Aber  halt, das neue Jahr. Da geht noch was.
Ich wünsch mir 2007 also einen Schnee, aber nur im Winter, und einen sonnigen Juni von März bis Oktober. Ich wünsche mir endlich hundegackifreie Straßen und Grünzonen und keine stinkigen Überraschungen nach der Schneeschmelze. Oder bei der Regierungsbildung. Ich wünsch mir ein Asylgesetz, das der Not von Flüchtlingen nicht mit Unbarmherzigkeit begegnet. Und eine  Bildungspolitik. Ich wünsche mir einen gerechteren Einkommensbericht, und dass auf den Spielplätzen nicht immer nur Mütter sitzen.  Mehr Bänke und Mistkübel wären fein, wobei mir vorkommt, als erfüllte die ... weiter lesen ...
22.12.06

Wie man Eltern glücklich macht

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Also heuer hab ich mir gedacht, machen wir doch Weihnachten mal meine alten Eltern glücklich. Obwohls enorm unalte Eltern sind, von der Sorte energetischer Pensionisten, die selbst für das Adjektiv „rüstig“ zu übermütig sind, pro Tag 30 Kilometer wegradeln, im Durchschnitt, bei der Schwester am Bau mithelfen und nebenbei noch die Buchhaltung vom kleinen Bruder erledigen. Trotzdem: Die Natur hat es so eingerichtet, dass am Heiligabend Eltern ihre Kinder und Großeltern ihre Enkel um sich scharen wollen, im Elektrokerzenschein, das ist Glück, oder. Also hab ich mir heuer gedacht, machen wir doch mal meine alten Eltern glücklich, fahren wir doch mal drei Tage früher raus, verbringen wir doch mal den Heiligabend bei ihnen, das erste Mal seit ewig. Und sonst sind die am Heiligabend ja immer allein.
  Wie ich das dem Langen mitteile, machen seine Mundwinkel naturgemäß keinen Hopser, was nicht am Verhältnis des Langen zu seinen Schwiegereltern liegt, sondern am Verhältnis des Langen zu Humanoiden aller Art. Je weniger davon um ihn sind, desto besser; am ... weiter lesen ...
21.12.06

An die Arbeit, Frauen

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Gut, die Sache mit der selektiven  Mutterverblödung in meiner gestrigen Kolumne war ein bisschen flapsig formuliert, denn, aufgepasst, es gibt viele blitzgescheite, geistig hellwache Hausfrauen. Zu denen gehörte ich nicht, denn von der Zeit, in der ich  daheim bei den Kindern war, profitieren die Wohnungshygiene,  meine Kochkünste (ich sagte ja: selektiv)  und meine Sauerstoffsättigung, aber meine geistige Fitness nicht.   Gilt nicht für alle,  klar. Und es mag auch, wie Ernst M. schreibt,  anspruchsvoller sein, ein „erfolgreiches kleines Unternehmen“ namens Familie zu führen, als Waren in eine Supermarktkassa zu scannen. Allerdings übersieht Herr M., wer an den Supermarktkassen sitzt und warum: häufig sind das nämlich Mütter, die  Teilzeit arbeiten, weil sie sich zusätzlich um ... weiter lesen ...
20.12.06

Konsens oder nicht

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Das Kindergeld, so wie es ist, hält die Frauen daheim, das ist mittlerweile Konsens. Natürlich finden das nicht alle schlecht.  Frauen, die zu Hause sind, belasten nicht den Arbeitsmarkt. Frauen, die zu Hause sind, ermöglichen es einzelnen Bundesländern, ihre Kinderbetreuungsangebote auf 50er-Jahre-Niveau zu halten. Frauen, die zu Hause sind, ermöglichen es ihren Männern, sich um Wichtigeres zu kümmern als den Abwasch.
Aber Frauen, die zu Hause bei den Kindern bleiben, machen sich halt auch vom erwerbstätigen Partner  abhängig (bis auf jene Sparkünstlerinnen, denen es tatsächlich gelingt, mit 436 Euro Kindergeld Unterkunft und Familie zu erhalten). Sie verlieren den Anschluss an ihre Arbeit und bleiben in ihrer Qualifikation hinter ihren Kollegen zurück. Sie verbringen alle Tage mit kleinen Kindern und anderen Frauen, die alle ... weiter lesen ...
19.12.06

Glücklich in der Aida

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Kürzlich saß ich mit den Kindern in einer Aida-Konditorei und war dort glücklich. Erstens wurden die Kinder von der Serviererin nett und höflich behandelt, worauf sich auch die Kinder nett und höflich benahmen, also weder den Kakao quer über den Tisch schütteten, noch herumschrieen. (Ich bemerke übrigens einen Zusammenhang zwischen nervösen Kellnern und nervösen Kindern; je gestresster der Ober über die Präsenz Minderjähriger, desto höher die Kakaoüberflutungsgefahr.)
Zweitens ist die Aida wie immer merkwürdig schön, und zwar obwohl dort offenbar ein wenig erneuert und aktualisiert wurde, zum Beispiel sind die Schürzen der Kellnerinnen und billig, das gilt für das Design genauso wie für die Kampagnen; und vor allem das Grün.
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19.12.06

Haus des Schreckens

| Comments (1) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Eines der Probleme, die aus dem totalen Kinder-TV-verzicht resultieren: man kann den Kindern nicht mehr mit Fernsehverbot winken, wenn. Oder wenn nicht. Die Erpressung mit drohendem Privilegien-Entzug muss also substituiert werden, und mit was, mit Belohnung für wenn nicht. Oder für wenn.
  Zum Beispiel könnte ein Kind Gefallen am Rülpsen finden, und weil eine rülpsende Vierjährige im Moment putzig und überhaupt nicht wie eine Person wirkt, die das Rülpsen, kaum dass sie es perfekt beherrscht, zu einer Vollbeschäftigung macht, wird ihr von ihrer dummen Mutter beigebracht, wie sich die Sache man mit einem bisschen Luftgeschlucke optimieren lässt. Natürlich bereue ich das in der Minute. Seit ich Kinder habe, bereue ich ständig, zum Beispiel, dass ich ihnen das Sprechen beigebracht habe. Jedenfalls rülpst das Kind dann den ganzen Tag, obwohl es selbst weiß, dass das umhöflich ist; dass das umhöflich, ist hat es im Kindergarten gelernt, aber es hat auch schon gelernt, dass die Regeln, die im Kindergarten gelten, nicht zwingend auch zu Hause gelten müssen. Es rülpst also und rülpst in einer Frequenz, die selbst Eltern überfordert, die in ihrem früheren Leben einer Religion anhingen, in der es als normal galt, periodisch auf ... weiter lesen ...
17.12.06

Arm, aber blöd

| Comments (0) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Kaloriat: Da hat sich wieder jemand, offenbar bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ein schönes Wort ausgedacht. Bezeichnen tut es eine übergewichtige Unterschicht, die zusehends zum gesundheitspolitischen Problem wird. Wie das deutsche Robert-Koch-Institut in einer Studie ermittelte, seien Kinder armer, ungebildeter Eltern drei mal so oft dick oder tatsächlich adipös, also fettsüchtig, also krank. 
  Und zwar, weil sich ärmere Leute, das meint jedenfalls die FAZ,  aus dem Verzehr von Chips und Burgern ein schnelles Glücksgefühl zapften, denn es ... weiter lesen ...
15.12.06

Sie haben ja so Unrecht!

| Comments (0) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Vor einiger Zeit vertrat ich die Idee, Kinder doch lieber ohne TV und Computerspiele  aufwachsen zu lassen.
 Sicherheitshalber spannte  ich schon mal den inneren Schirm auf, gegen das Unwetter, das die Leser zweifellos auf  mich herunterprasseln lassen würden. Da hatte ich mich aber getäuscht. Und zwar wie.
„Ganz Ihrer Meinung!“ schrieb Frau W., „Danke für Ihren unpopulären Beitrag“, meinte Herr H.,  „Bravo!“, rief Frau Sch. und „Sie haben ja sooo recht!“ Frau V.  Frau B. und Frau K. berichteten von positiven Erfahrungen mit dem TV-freien Aufwachsen ihrer  Kinder, Herr J. konnte meinen Ansichten viel abgewinnen, Frau T. freute sich über deren Deckung mit den ihren, Frau A., Herr Sch. und Herr P. teilten

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13.12.06

Alle mitmachen!

| Comments (1) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Heuer verzichten 80 Prozent der britischen Unternehmen auf Weihnachtsfeiern, 74 Prozent verbieten Weihnachtsschmuck: muslimische Mitarbeiter sollen nicht mit christlichen Ritualen  vergrätzt werden.  Dass man aus Rücksicht auf die Gefühle der muslimischen oder jüdischen Kollegen Weihnachten auslässt: das ist hier eher unvorstellbar.
  Dabei ist Idee, sich eine gewisse Sensibilität im Umgang mit den Gepflogenheiten anderer Religionen anzueignen, an sich nicht übel. Allerdings ist die Abschaffung der  ... weiter lesen ...
10.12.06

Außer Autofahren

| Comments (2) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

"Die Menschen, die mit dir leben, die dich lieben: Das ist deine Familie.“ Das sagt der 19jährige Cooper, der mit zwei Müttern aufgewachsen ist; einem lesbischen Paar, das sich seinen Kinderwunsch mit Hilfe einer Samenspende erfüllt hat. Meistens sendet MTV nur noch Füllmaterial  zwischen Klingelton-Reklame, aber manchmal ist der Musiksender so gut, dass man gefesselt davor sitzt:  wie am Donnerstag, am Abend des MTV-„Gay Day“, an dem  sich alles um Homosexualität drehte.
 Die Doku-Serie „True Life“ zeigte das Leben von Kindern gleichgeschlechtlicher Paare: Drei normale amerikanische Teenager, in normalen Teenager-Situationen: Die 17jährige Aidan, Tochter eines lesbischen Paares, braucht ein Kleid für ihren Abschlussball. Die 18jährige ... weiter lesen ...
7.12.06

Das Gedächtnis des Körpers

| Comments (1) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Großes, dramatisches Gehtsdirnoch, Jetzthatsdichaberkomplett plus extensives Vogelgezeige nach der letzten Kolumne. Bei der Glockenmarkt-Eröffnung* wurde ich tüchtig verlacht, der Freundeskreis ist genervt wegen der gestörten Kochangeberei und aufgebracht wegen meines Feldzugs gegen fernsehende Kinder; spinnst denn du, du gräbst uns doch die letzten Ruhe-Reserven ab, was soll jetzt plötzlich schlecht sein an pädagogisch wertvollem Kinder-TV. Das: dass ich pädagogisch wertvolles TV zwischenzeitlich für eine Contradictio in adjecto halte. Und dass ich finde, es könnten ruhig wieder mal ein paar frische Mindeststandards eingezogen werden, und wenn die bitte in meiner Umgebung nicht allzu offensiv unterschritten wü... Ja, ich halt eh schon mein Maul.
   Mit meiner Kocherei aber liege ich, wie mir die „Zeit“ diese Woche bestätigt, im Trend, denn „das Bürgertum“, so steht dort geschrieben, „inszeniert sich heute an seinen Herdplatten“. (So fertig bin ich, dass ich mich mittlerweile vom Begriff „Bürgertum“ erfasst fühle.) Die „Zeit“ hat ein gutes ... weiter lesen ...
6.12.06

Wem gehört das Grün?

| Comments (0) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Nicht alle Anrainer waren prinzipiell dagegen, als bekannt wurde, die Wiener Sängerknaben planten einen eigenen Konzertsaal im Augarten. Das Parkplatzproblem, ja: aber was man von dem Projekt in Zeitungen sah, wirkte zumindest architektonisch interessant. Zudem liegt der Augartenspitz, Ecke Castellezgasse/Obere Augartenstraße, praktisch brach: aus den  oberen Etagen der Anliegerhäuser sieht man  Parkplätze, Gestrüpp, einen Wassertank. Von unten nicht: Parkbesuchern ist der Spitz verschlossen.
Ein 430-Plätze-Saal hätte  also auch eine Öffnung des Spitzes für alle bringen können: der ließe sich ja  auch  für anderes nutzen, als nur für Sängerknaben-Konzerte.
 Einige der Anrainer gingen also letzte Woche offenen Herzens ... weiter lesen ...
4.12.06

Neues vom Kulturtechniksektor

| Comments (2) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Meine Verwinterung schreitet fort. Weil Sonntag ist, habe ich mit den Kindern Kekse gebacken (harte Sache, immer noch, und das bezieht sich nicht auf die Kekse). Rindfleisch in Rotwein und Knoblauch geschmort, für Montag, wenn die Horvaths und die Breusses nach dem Kindergarten kommen, dazu, thanks to „Babette´s“-Chefin Nathalie Pernstich und ihrem suprigen neuen Kochbuch „Schummelküche“ (avbuch), eine pipifeine Angeber-Hühnerleber-Paté, nur so als Vorspeise. Genauer: Nur so, mit etwas Weißbrot, als Nachmittagshappen zu den selbst eingelegten Balkontomaten, für die zwei Stunden, in denen die Eltern sich fürs richtige Essen warmmachen, während die Kinder... Ich möchte noch gar nicht daran denken, was die Kinder wieder vorzeigen weden. Der Breuss-Bub geht gerade durch eine ziemlich monomanische Epoche, eins meiner Kinder regrediert bei jedem Widerstand zum Schluchz- Baby: die Werdarfwas- und Wermitwem- und WeristderBestimmer-Agressionen bergen für das Publikum ein ähnliches Begeisterungspotential wie die Koalitionsverhandlungen. Das ist es, was mit Speisen und Fürs sonntägliche Familienessen bastle ich dann noch ein paar Ravioli mit
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3.12.06

Multitasking, vorweihnachtlich

| Comments (3) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Vor Weihnachten springt in den Menschen verlässlich der Altruismus-Detektor  an, ortet in ihnen eine Anlage zum  Gutsein, ein bisschen schlechtes Gewisses oder beides; dann tun sie Gutes oder spenden oder beides. Schlecht? Im Gegenteil: davon leben Hilfsorganisationen das ganze Jahr. Vor Weihnachten interessiert man sich zudem viel mehr als sonst für die Situation von Kindern;  und zwar auch fremden. Schlecht? Nein.
Es gibt aber auch Leute, denen Wohl und Weh fremder Kinder das ganze Jahr über nicht egal ist, und die sich einfach so, obwohl sie eigentlich gar nichts damit zu tun haben, etwas   überlegen, um das Wohl mehr und das Weh weniger zu machen.
Vor Weihnachten werden jetzt schon zum achten Mal Bilder zugunsten der Österreichischen Muskelforschung versteigert, u.a., um die ... weiter lesen ...
1.12.06

Baba, Krampus!

| Comments (0) | 12/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Bei uns  war Nikolo immer ein großes Fest mit vielen Kindern und vielen Großen; es gab Mandarinen bis zum Magendurchbruch (das war in den 1970ern noch was) und  Süßigkeiten und frischgebackenen Leberkäs soviel man essen konnte. Es gab keinen Krampus, nur einen lieben, harmlosen Knecht Ruprecht, der dem Nikolaus die Säcke trug. Der Nikolaus und sein Knecht waren stets Väter aus der Runde; die größeren Kinder wussten das, und die kleinen kamen auch bald drauf, und  das machte  überhaupt nichts. Das Lob für jedes Kind war  groß und reichlich und der Tadel hielt sich in engen Grenzen. Bei uns war Nikolo immer ein  schönes, großes Fest, deshalb will es mir  einfach  nicht gelingen, eine kritische Einstellung dazu zu kultivieren.
  Den Krampusbrauch dagegen könnte man, ginge es  nach mir, ganz  abschaffen. In den Tiroler ... weiter lesen ...
23.11.06

Audi oder Subaru oder so

| Comments (0) | 11/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Der Lange zum Beispiel gehört nicht zu den letztes Mal hier bemühten Matulesken, Gott seis in jeder Hinsicht gedankt, außer im Zusammenhang mit Rohrzangen u.ä. Der Lange hat zu den üblichen männerkonnotierten Feierabendexpressionismen eine eher kulturrelativistische Einstellung. Das Bubenmädchen hat eine Belohnung für ich weiß nicht mehr was verdient und wünscht sich einen Matchbox-Audi, der Lange geht los und kommt mit einem Matchbox-Subaru zurück. Audis habe es keine gegeben, das sei aber fast das Gleiche. Ja, insofern es auch vier Räder hat: Das Bubenmädchen natürlich plärr, und mit was, mit Recht. Sogar mir, die ich zu unserem Auto ein extrem unverspanntes Verhältnis pflege (fährt es: gut, fährt es nicht: Taxi), ist der Unterschied zwischen einem Audi und einem Subaru klar, und Entschuldige, Langer, aber das kannst du echt nicht bringen. Wieso nicht, es ist eh blau. Blau?, du redest wie ein ... weiter lesen ...
11.11.06

Von ganz, ganz innen

| Comments (2) | 11/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Wie wir kürzlich auf diesem Kindergeburtstag eingeladen waren, kam ich neben einer Mutter zu sitzen. Nona. Wir plauderten so. Man ist ja höflich, man will ja nicht schon beim Anschnitt des Geburtstagskuchens den schlechten Eindruck hinterlassen. Den schlechten Eindruck hinterlass ich lieber später, wenn die braven Mütter schon heimgegangen sind, während man selbst gerade mal deutlich eine Meinung formuliert, zu zu zu, ich weiß nicht: zu Elitekindergärten, zu den Koalitionsverhandlungen, zur Fischqualität in Wien, zu Müttern ohne Makel. Ja, zu Müttern ohne Makel, weil in irgendeinem Magazin hat immer grad eine wieder ihre fleckenlose Entspanntheit hergezeigt: ach, drei, vier Kinder, Haushalt und Beruf, das schafft man mit einem bisschen guten Willen, etwas Organisationstalent und vor allem ganz, ganz viel Liebe doch wie nix. Die zwei bis drei Kindermädchen und/oder Euromillionen, die der Gatte jährlich heimträgt, bleiben unerwähnt, weil die haben mit der Gelassenheit nichts zu tun, denn so eine Gelassenheit kommt von innen, wissen Sie: von ganz, ganz innen.
  Aber noch plaudern wir höflich; die Mutter neben mir ist sogar derart höflich, mich zu fragen, was ich so mache. Ich sags ihr halt, und sie sagt, ach Sie sind die?, und dass sie das manchmal liest, und mich, also jetzt vom Foto her, gar nicht erkannt hätte. Das ist schon ok, aber nicht ok ist, dass sie dann sagt, aber, naja, auf dem Foto sei ich halt doch wohl EINIGE Jährchen jünger als jetzt. Ich zeige ein fleckenloses gelassene-Mutter-Lächeln und sage jaja, stimmt, haha. In Wirklichkeit ist das Foto knapp zwei Jahre alt und ich bin ehrlich gesagt, schockiert, weil ich offenbar akkurat die Realität ... weiter lesen ...
3.11.06

Frische Luft wird doch eh überbewertet

| Comments (0) | 11/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Es ist doch so, sagt der Lange: Die meiste brutale Musik verliert nach einiger Zeit ihren Schrecken, schleift ihre Härten ab und verbrüdert sich irgendwann mit deinem Gehör, nur nicht Slayer und Mama Falkner. In einem Experiment, wie lange Eltern es aushalten, das pädagogisch Wertvolle über das schier Unpackbare zu stellen, legen die Kinder mal wieder ihre Hits von vor dem dritten Geburtstag auf: Sie spielen von Samstag früh bis Samstag spät ohne Unterbrechung die „63 Kinderlieder. Gesungen und gespielt von Pauline Falkner“. Aufgenommen vor zehn Jahren von ihrem Buben Hans-Peter, dem Attwenger, dem Narrischen, dem Elternquäler, der die Auswirkungen seiner jugendlichen Unbedachtheit allerdings schon demnächst von seiner eigenen Zweijährigen in ihrer ganzen Gnadenlosigkeit zu spüren bekommen wird. (Mit vier, Hansi, kann sie den CD-Player dann übrigens schon ganz allein bedienen.) Mama Falkner und ihrer schönen, hohen Stimme kann man nichts vorwerfen, ja, die Anschaffung der „63 Kinderlieder“ (fishrecords / hoanzl) muss man sogar empfehlen, jedenfalls ... weiter lesen ...
3.11.06

Sauberer Schabernack

| Comments (1) | 11/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Und nachdem Geena Davis die Welt vor einem Atomkrieg bewahrt hat, geht sie rüber in den Kinderflügel des weißen Hauses und liest ihrer jüngsten Tochter eine Gute-Nacht-Geschichte vor. „Ist jetzt alles wieder gut, Mami?“, fragt das Kind, und während sie das Licht ausmacht, sagt Mrs. President, „ja, Mausi, jetzt ist alles wieder gut.“ Denn Mami hat den Planeten gerade nochmal gerettet, das Böse in die Schranken gewiesen, dem Guten zum Sieg verholfen und jetzt gute Nacht und schlaf schön.
Sowas geschieht natürlich nur im Fernsehen, in  Sat1, wo in „Welcome Mrs. President“ US-Präsidentin Mackenzie Allen immer Dienstag Nacht beweist, dass es durchaus möglich ist, Kinder und Weltherrschaft unter einen

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26.10.06

Die Hunnen, sagt Roger

| Comments (2) | 10/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Und jetzt schlafen die Kinder ein zur Stimme von Beth Orton, die drüben im Zimmer, in dem die Mutter sitzt und arbeitet, wieder und wieder Leonhard Cohens „Sisters of Mercy“ singt, und eine schönere Art, einen langen Tag zu beenden, kann es doch gar nicht geben, oder. Und eine lange, anstrengende Woche, eine Woche, nach der ich mir sage: es muss anders werden. Die Kinder haben zu viele Termine. Die Kinder haben zuwenig Zeit, um einfach zuhause zu sein und zu spielen und sich zu langweilen. Aber. Wir sind so viel eingeladen. Und wir sind von so netten Menschen eingeladen, wo man nicht nein sagt, wenn die sagen: wie gings euch am Montag? Sondern wo man sagt, super, am Montag gings uns gut.
Am Dienstag, als ich mit Lotte und der Kaiserin vorm Palmenhaus in der Sonne sitze, radelt der Roger vorbei und bleibt stehen und trägt dabei eine sagenhaft lässige ... weiter lesen ...
26.10.06

Stehen lernen

| Comments (0) | 10/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Der K. aus H. schreibt, bitte keine Beschwerden über Post und Bahn mehr: Institutionenkritik sei grauenhaft unsexy, schreibt der K., und die Konflikte zwischen Rad- und Autofahrern seien übrigens auch längst   totgeschrieben und  auf Wiedersehn. Der K. wird es also nicht unbedingt goutieren, wenn ich heute eine Anregung von Leser Peter S. aufgreife , der meint, dass es in Wien nicht  nur, wie ich gestern beklagte, zu wenige Plätze gibt, sondern auch zu wenig Sitzplätze: Finde ich nämlich auch.
Wir wissen, warum, weil man es in Wien den Sandlern sehr unbequem machen will. Dass die bloß nicht auf die Idee kommen, sich  ... weiter lesen ...
19.10.06

Babyschritte, aber immerhin

| Comments (0) | 10/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Sie haben mir doch eh nicht geglaubt, dass ich es schaffe, mich nicht mehr in Sachen einzumischen, die mich eigentlich nichts angehen (wobei „eigentlich“ in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext natürlich sowieso relativ ist), die Hofingers auch nicht, und die Kaiserin sowieso nicht. Ha ha ha, hat die Kaiserin gesagt. Die Breussin hat es auch nicht geglaubt, allerdings musste ich die zurechtweisen, weil eine blöde Bemerkung über einen Vierjährigen, der noch immer nach den Brüsten seiner Mutter langt, wenn ihm das Essen wo nicht schmeckt, kein Einmischen ist, sondern deppertes Reden. Das muss man bitteschön unterscheiden, und dass ich nie mehr deppert reden will, habe ich nie gesagt. Ich muss auch von was leben.
Geglaubt – besser: gehofft - haben es die Horvaths,  die luden uns zum Essen ein, und die Vorspeise verlief reibunglosmit einer Konversation über den freundlichen und überaus kompetenten Herrn Manfred aus der lokalen Metzgerei, mit dem der Horvath und der Lange immer befriedigende Unterhaltungen über steirische Mufflons und ostschweizer Charolais-Kälber führen. Aber wenn ich beim Einkaufen an den Herrn Manfred gerate, brauche ich verlässlich gerade zwei Kilo Leberkäsbrät oder80 Deka gemischtes Faschiertes, und jedesmal hab ich ein total schlechtes Gewissen, dass ich den kompetenten Herrn Manfred, der sich mit so vielen Dingen auskennt, mit so einem Mist belästige, und ich werde total nervös, vor allem, wenn hinter mir ein paar Leute anstehen, die sich unbedingt mit dem Herrn Manfred über die Beiried vom steirischen Biorind beraten müssen. Letztes Mal hat der Herr Manfred gesagt, ich soll nicht so nervös sein, so eilig hat er es ja nicht, da ist mir dann auch noch der Schweiß ausgebrochen.
Das erzählte ich, obwohl bei den Horvaths auch Dinge geschahen, die einen Kommentar erfordert hätten, aber. Dann öffnete der Horwath einen unglaublichen Brunello und servierte ein herrliches Kalbsgulasch mit Nockerl, jeder Fleischbrocken hundertprozentig vom Herrn Manfred persönlich erwählt. Dann schenkte er vom Brunello nach, und am nächsten Morgen, wie ich mit Lotte und der Kaiserin schwimmen gehe, muss ich sagen, liebe Kaiserin, danke, dass du exakt um 19 Uhr 34 angerufen hast, weil das Gespräch war gerade an einem sehrsehr kritischen Punkt. Die Kaiserin sagt, lass mich raten, du hast dich in was eingemischt, was dich nichts anging, und ich hab gesagt, was heißt eingemischt, die Königsdisziplin vom Einmischen: Kindererziehung, Spezialgebiet: wieviel soll ein Vierjähriger fernsehen, und die Kaiserin sagt: Ich. Will. Es. Nicht. Wissen. Aber Lotte sagt, sie begrüßt, dass ich jetzt zumindest den Willen zeige zu reflektieren, wie ich mich eingemischt habe, da schimmere doch ein Charakteroptimierungswunsch durch, sagt Lotte, Babyschritte zwar, sagt Lotte, aber immerhin, dreißig Längen heute?, und die Kaiserin und ich sagen, okay, los.
19.10.06

Gut fürs Bruttosozialprodukt

| Comments (1) | 10/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Eine neue Regierung bringt vielleicht auch  neue, zusätzliche Partnerschaftsmodelle neben der Ehe. Wie eine wehrlose Baby-Katze  wurde die Ehe durch die letzten Legislaturperioden getragen; be-schützt, gestreichelt gehätschelt: Die fasst uns keiner an, der tut niemand was!
 Nein, der Ehe will eh niemand was tun, außer vielleicht die  Eheleute, die sie eingehen und  wieder auflösen: 45 Prozent der  Ehen werden ja wieder geschieden. Gut fürs Bruttosozialprodukt, denn das beschäftigt Standesbeamte, Hochzeitsplaner, Schneider,  Gastronomen, Anwälte, Richter, Mediatoren, Immobilienmakler und Umzugsunternehmen. Und, sehen wirs mal positiv: 55 Prozent der Ehen halten ja. Soll also heiraten, wer will, denn scheints ist die Absolvierung des Hochzeitsrituals   vielen Paaren einfach wichtig.
Auch homosexuellen Paaren, und nichts spricht dagegen, dass ... weiter lesen ...
8.10.06

Ist das wirklich so gaga?

| Comments (1) | 10/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Jetzt mal Reaktionen. Denn nach der „Alphatier“-Kolumne vom Mittwoch flogen die Watschen zahlreich. Au.
Stadträtin Ulli Sima schreibt, sie falle oft „um 10 halbtot ins Bett, wenn beide Kinder nach Hausaufgaben kontrollieren, Gute-Nacht-Geschichten erzählen und Schnuller bringen seelig schlummern“. Als Ministerin würde sie ihre Kinder überhaupt nur noch schlafend sehen: „Ist das unfeministisch? Vielleicht. Aber genauso unfeministisch finde ich die Ich-bin-eine-Powerfrau-und-es-ist-alles-eine-Sache-der-Organisation-Wonderwoman-Nummer.“ Stimmt. Margret G. schreibt dazu, Frauen seien „nicht die richtige Adresse für Forderungen, wie Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen seien“. Ja: aber ich erlaube mir dennoch, jene Frauen, die es bequemer finden, mal acht, neun, zwanzig Jahre bei den Kindern daheim ... weiter lesen ...
5.10.06

Du! Alphatier!

| Comments (1) | 10/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Sie habe,  sagte  die Wiener Stadträtin Ulli Sima in einem Interview nach der Wahl, sie habe „lange überlegt, aber ich habe eine zweijährige Tochter, die hat jetzt Vorrang“.
Ministrabilität tragen SPÖ-Funktionäre dieser Tage wie einen access-all-areas-Pass vor der Brust, aber natürlich winkt, das gehört zum guten Ton, ein jeder erst mal überrascht ab:  Minister? Moi??? Wie kommen Sie denn darauf?! 
Dass jemand gleich von vornherein erklärt, für so ein Amt nicht zur Verfügung zu stehen, ist erstens ungewöhnlich, zweitens ... weiter lesen ...
28.09.06

Aber was gehts mich an

| Comments (0) | 09/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Ich sitze noch keine Stunde mit der Gerti im Kaffeehaus, wird mein Tyranneibewältigungstraining schon arg auf die Probe gestellt. Mein Entschluss, nicht immer so rechthaberisch und erbarmunglsos missionarisch zu sein und nicht immer anderen Leuten meine Lebensprinzipien aufzuzwingen, ist nämlich unumstößlich. Aber der Weg dorthin ist hart und wird durch das Frühstück mit Gerti nicht leichter. In der Stunde, die wir jetzt hier sitzen, hat Gerti drei doppelte Espressi geext und vier oder fünf Tschick geraucht, normales Gerti-Programm, nur, Gerti ist jetzt schwanger. Bist du sicher, dass du das Kind willst, sage ich, und Gerti schaut so, denn sie ist, auch wenn sie bislang nur etwa 35 Gramm zugenommen hat, im sechsten Monat, die Frage stellt sich also nicht mehr. Aus medizinischer Sicht sind drei Espressi, hebe ich an, lass es dann aber, weil es saublöd ist, wenn eine Schreibse einer Ärztin etwasMedizinisches erläutert. Im Einklang mit meinem Toleranzexpanderprogramm sage ich dann also etwas wie: aber was geht’s mich an, und Gertis Blick läßt keinen Zweifel dran, dass sie das auch findet.

Bloß ist es mit der Besserwisserei so eine Sache, man kann es schlecht dabei belassen. Also still. Weil wenn ichs nunmal besser weiß - und heilige Hölle, ich kann auch nicht sagen, woran das liegt, aber das tu ich nun mal häufig - ist es praktisch unumgänglich, dass ich andere daran teilhaben und davon profitieren lasse. Das hat zwar, wie sich auch beim letzten Kindergarten-Elternabend wieder mal zeigte, eine suboptimale Wirkung auf meine Sympathiewerte, aber an irgendeinem Punkt der eigenen Biografie muss man einfach akzeptieren, wozu man also auf der Welt ist und wozu nicht. Also dass, jetzt zum Beispiel, Kate Moss auf der Welt ist, um als Stilikone angebetet zu werden und komme was wolle Pete Doherty zu vögeln, und nicht, um sie mit neuen Erkenntnissen in der Teilchenphysik oder im theoretischen Feminismus zu bereichern. Und ich sitze eben im Kindergarten-Elternabend, und ich weiß, es wäre jetzt viel gemütlicher, nicht das Maul aufzureißen und nichts beizutragen und mal keine Meinung zu haben, aber dann sage ich mir, dass ich nicht hier auf diesem Kinderstuhl hocke, um mein Harmoniebedürfnis auszuleben. Weil: mein Harmoniebedürfnis lebe im daheim aus. Soweit es der Lange und die Kinder halt zulassen, und wenn nicht, unter einem Kopfhörer. Elternabendbezüglich ist nun dagegen eine kleine Besserwisserei unvermeidlich, es geht hier um etwas Prinzipielles, und, Glück gehabt, Mutter Breuß und Mutter Rohrer springen mir bei, egal, wie sehr uns die Mütter von Jenny, Joey und Joel dafür verachten. Kritik ist nun mal kein Beliebtheitwettbewerb. Das wollte ich den Literaturkritikern letztes Mal und den Kabarettisten immer schon sagen, aber hier ist es jetzt zugegebenermaßen sau deplatziert.

Dem Kanzler aber, der den Unentschlossenen ganz zum Schluß noch 40 Gründe nennt, warum sie ihn wählen sollen, teile ich folgendes mit: Die in Grund 21 („Weil er mit Begeisterung Musik macht“) verpackte Anspielung an die schlechten Menschen, die keine Lieder kennen, ist seit HipHop und Musikantenstadl unbrauchbar. Und dass Sie „ein Freund“ (39) sind, ist schön, aber als Information unvollständig, weil: von wem? Und wie zeigt sich das? Dass sie Elisabeth Gehrer wieder zur Unterrichtsministerin machen? Schön für Freundin Gehrer, sehr sehr schlecht für Österreich. Soviel weiß ich sicher besser.

Und auch, dass eine Schwangere definitiv keine drei doppelten Espressi hintereinander trinken und auch nicht so viel rauchen sollte. Auch wenns mich überhaupt nichts angeht und extrem gegen den gesamten Antirechthaberismuskanon verstößt, aber schmecks.
19.09.06

Bei uns ist nichts frei

| Comments (1) | 09/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Was macht man, wenn man nach der Nachmittagsvorstellung von "Cars"  noch was trinken will? Es regnet; die Kinder (4, 4, 4, 5, 6) wollen noch nicht heim, die Erwachsenen sind hungrig: Wir gehen ins Kaffeehaus.
Das ist ein Fehler, wie der Ober uns mit  Bei-uns-ist-nichts-frei-Miene gleich wissen lässt: Ja, bitte? Ja, bitte, was könnten wir hier wohl wollen? Einen Tisch und zehn Stühle, wenn's genehm ist, und dann eine Karte, herzlichen Dank. Es ist in diesem hübsch schäbigen Kaffeehaus nämlich so gut wie alles frei; dennoch dürfen Sie  uns ruhig in restgästeschonender Distanz platzieren, das ist okay. Aber wenn Sie dann so freundlich wären, diesen angewiderten Ausdruck von ihrem Gesicht zu nehmen. . .  Das sagen wir nicht; das hoffen ... weiter lesen ...
30.08.06

Das Leben kann so eine blöde Sau sein

| Comments (3) | 08/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Mich plagen andere Sorgen, weil ich hab zwölf Paar Jeans und davon sind augenblicklich elf Paar untragbar und die anderen sollten eher mal gewaschen werden. Neue Jeans müssen her. Aber das Jeanskaufen ist bekanntlich eine blöde Sau, weil Jeans in Jeansladenkabinen unbeurteilbar sind: Man sieht immer erst zu Hause und zu Hause erst nach drei Tagen, ob der Arschgott, an den man in der Jeansladenkabine selbstverständlich das rituelle Gebet richtete, gnädig war oder nicht. Diesmal: nicht.
Aber ich kann ja keine Jeans umtauschen, auf das eines der Mimis irrtümlich Kakao geschüttet hat, und die vom anderen irrtümlich mit einem offenen Edding gestreift wurde. Mit einem Buntstift passiert sowas übrigens nie. Mit einem Buntstift bemalen sich auch verlässlich nie den Esstisch; wahrscheinlich auf Basis der Resulate frühkindlicher Effizienzanalyse, die auch vorsieht, dass ein Kind immer erst aufs Klo muss, wenn es angezogen und angeschnallt im Auto sitzt. Und dass es sich wochentags morgens gern wecken lässt, am Wochenende aber schlag sechs Uhr munter wird. Und dass es nur dann Frühstück will, wenn man es ... weiter lesen ...
26.08.06

Den Elendsstaffellauf unterbrechen

| Comments (0) | 08/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Ein deutscher Modellversuch greift aktiv in den Alltag von Risikoeltern ein – um das Leben ihrer Kinder zu schützen.

In Deutschland läuft derzeit ein Versuch, der das Leben von Kindern von Risikoeltern sicherer und glücklicher machen soll – oder überhaupt retten. Denn nachdem sich in den vergangenen Jahren die Medienberichte von misshandelten, verwahrlosten, missbrauchten und verhungerten deutschen Kinder häuften, wollten die Behörden nicht länger zuschauen und abwarten: Abwarten, bis wieder ein Kind tot oder halbtot aufgefunden wird, weil seine Eltern mit seiner Pflege komplett überfordert waren. Oder: zu dumm oder zu drogensüchtig, um ihren Verpflichtungen als Eltern nachzukommen, zu betrunken oder zu bösartig, um sich um ihre Kinder zu kümmern oder auch nur noch begreifen, was ein Kind braucht und was ihm schadet. Zu kaputt dafür – oder selbst von den eigenen Eltern zu kaputtgemacht.

In diesen Kreislauf will man nun, wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ kürzlich berichtete, im Rahmen eines Modellversuchs, der derzeit in Düsseldorf läuft, eingreifen: Einerseits um Kinder von Risikoeltern ein sicheres, behütetes Aufwachsen zu ermöglichen, andererseits um den verheerenden Elendsstaffellauf zu beenden. Denn es sind, wie Psychologen und Soziologen seit Jahrzehnten beobachten, immer wieder die Kinder von misshandelten, missbrauchten, selbst vernachlässigten ... weiter lesen ...
9.08.06

Bitte, dann mögen Sie sie halt nicht

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Eins muss ich jetzt mal sagen, es ist besser geworden mit dem Hundedreck auf den Straßen, Applaus, anbetungswürdiges Brigittenauer Mütterrudel. Und Applaus für die sich vermehrenden Hundebesitzer, die beim Gassigehen demonstrativ ein Sackerl tragen, weil sie sich nicht dem Verdacht aussetzen wollen, sich der kriminellen Straßenverscheißung schuldig zu machen. Applaus für 12.gif den hübschen Herrn, den ich kürzlich dabei betrat, wie er das Trümmerl, das sein Hund vor unseren Kindergarten gesetzt hatte, unaufgefordert entfernte. Es zeigt sich: Das Unrechtsbewusstsein im Zusammenhang mit Hundekot steigt allmählich. Das ist gut; deshalb applaudieren wir hier auch dem Kollegen S., dem die Steigerung der Gacki-ins-Sacki-Moral in seiner Hund-und-Herrl-Kolumne ein stetes Anliegen ist. Und er hat, auch wenn ich die Windeln meiner Kinder immer selbst besorgt und bezahlt habe, Recht: Herr Bürgermeister, Frau Stadträtin, es müssen mehr Gackerlsackerl-Spender her, an jede Ecke eins, auch wenns stadtbildgestalterischproblematisch ist. Sie können ja einen Gackerlsacker-Spender-Wettbewerb ausschreiben, und dann wieder wen gewinnen lassen, der mit demselben Entwurf schon mal was anderes gewonnen hat, wie bei der Plakatkampagne, wo das Siegerhundefoto schon mal für ... weiter lesen ...
26.07.06

Wann kommt nochmal die Moral?

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Honzo sagt, wo Natur ist, muss man sie auch zulassen, aber mir reichts jetzt. Sie sollten mal meine Beine sehen, also lieber nicht. Rot, verbissen, verschwollen; was total gelegen kommt, jetzt, wo man sich alle Tage im Bikini präsentieren muss. Wo ich sitze und liege, werde ich von Ameisen gebissen. Sie sind überall. In Wald und Wiese: gut, soll sein. Auf meinem Balkon: gerade noch okay. Zwischen den Polstern auf der Balkon-Bank: hmmm. Im Bett: nein. Auf meinem Schreibtisessel: Es reicht.

Überhaupt, und das richtet sich an die Evolutionsbiologinnen unter meinen Lesern, weil früher wars doch so. Da haben doch nur die roten Feuerameisen gebissen, vor denen war man auf der Hut, das brannte, das juckte, aber die schwarzen waren harmlos. Die taten nichts. Aber jetzt sind auf einmal die schwarzen die üblen Giftbeisser, ja, es scheint überhaupt keine harmlosen Ameisen mehr zu geben, den Ameisen scheint die Evolotion seit den Neunzehnsiebzigern jeglichen Pazifismus und alles devote ... weiter lesen ...
17.07.06

Was würde Larry David tun?

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Die Kinder sind fünf Tage bei Oma in den Ferien, und selbstverständlich machen wir all die Sachen, die Erwachsenen in Anwesenheit ihrer Kinder streng verboten sind: Wir sitzen jeden Tag schon um halbsieben in Unterhosen vor dem Fernseher, zupfen mit fettigen Fingern Pizza und Cheeseburger aus dem Karton und schauen uns acht bis bob-schuhzehn Folgen von „Curb your Enthusiasm“ in Serie an. Ja, geil. Es geht da um Larry David, einen „Seinfeld“-Produzenten mit ungesundem Hang zur Rechthaberei, und in Anbetracht eines Konflikts um einen Liegestuhl im Kongressbad ein paar Tage zuvor, konstatierte ich beunruhigende Parallelen zu meiner eigenen Charakterkonstruktion. Ja, ich hab den Streit angefangen. Ja, ich war im Unrecht, obwohl andererseits wirklich alle Welt weiß, dass ein Liegestuhl ohne Badetuch ein freier Liegestuhl ist, egal ob er zwischen zwei akut bewohnten Liegestühlen eingekeilt ist oder nicht. Ja, die beiden dummen Schnepfen hatten Recht, als sie sich den Liegestuhl, kaum dass ich mich für zwanzig Sekunden von ihm entfernte, wieder ... weiter lesen ...
12.07.06

Mieten ist doch irgendwie charakterlos

| Comments (0) | TrackBacks (1) | 07/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Die Wohnungen, in die ich dieser Tage eingeladen werde, sind dazu angetan, die ungutesten Aspekte meiner eh schon beklagenswerten Tierkreisdisposition zu herauszuarbeiten. 150 qm Architekten-Neubau mit Riesenterrasse und grünem Rieseninnenhof, 200 qm Loft mit Terrasse und Garten, 400 qm Altbau mit einer Art Privat-Au. Neid. Willauch. Warumhabendiewasichnichthabe. WarumistdasSchicksalsogemeinzumir. Das Übliche. Aber das Wohnen mit Wiese steht im Moment nun Mal in meiner Prioritätenliste ganz oben; hat wohl was mit der Hitze zu tun und damit, dass mir die Kinder alle Tage zur Kenntnis bringen, dass sie auch so einen Garten wollen wie der Jakob und die Fritzi, nicht nur so einen popeligen kleinen Balkon wie wir. Einen Gar-ten. Ja, ich habs kapiert. Mir steht der Sinn allerdings mehr nach einer Wochenendhütte am Land, in der richtigen Natur sozusagen, und Honzo ... weiter lesen ...
4.07.06

Mir kein Dessert, danke

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Trotz des Ungemachs bezüglich seines Bulldingshundes lud der Herr Kabarettist den Langen und mich zur Feier seines Geburtstages. Und kürzlich erst hatten wieder mit irgendjemandem, der sie gleichmaßen großartig fand, über die großartige Möetly-Crüe-Bio „The Dirt“ gesprochen, da fanden wir, das sei für einen Kabarettisten mit Stil und Geschmack ein feines Präsent. Also überreichten wir das Buch mit so zittriger Vorfreude auf die unvermeidlich folgende Verzückung, als sei es ein Packen Fotos unserer Kinder. Erst als der Kabarettist das Geschenk enthüllte, fiel uns spontan ein, dass es der Kabarettist gewesen war, mit dem wir jüngst so begeistert über die schöne Möetly-Crüe-Bio konversiert hatten. Scheißpeinlich, wenn Sie mich fragen.

Dafür musste ich dann wieder mal erklären, warum ich denn immer so schiarch über mein Familienleben schriebe. Für alle, die neu dazugekommen sind: Weil der Unterhaltungswert der idyllischen Familie als solche unterirdisch ist. Weil Sie es in Wirklichkeit zero amüsant finden, Familien beim Miteinander-Liebsein zuzusehen. Weil Sie sich dagegen an ... weiter lesen ...
19.06.06

Sitzen lernen

| Comments (0) | 06/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Das ist der Sommer, in dem ich nicht mehr aufstehe. Diesen Sommer bleibe ich sitzen. Diesen Sommer wate ich nicht mehr knietief durch das seichte, verseichte Wasser städtischer Kinderbecken: Ich bleibe sitzen und schaue meinen planschenden Kindern zu, und solange nicht geröchelt und leblos auf dem Wasser getrieben wird, sehe ich keinen Grund, mich vom Liegestuhl zu erheben. Diesen Sommer tauche ich nicht mehr stundenlang Schaukeln an, höcher! noch höcher! Nein. Ich sitze auf einer Bank im Schatten, lese Feuilletons oder unterhalte mich mit den anderen Müttern, die diesen Sommer auch sitzen bleiben. Gut, heuer laufen wir gebückt hinter Kinderfahrrädern her, jaaa! supaaaaa!, priiiiiiima machst du das, ganz toll, du musst nur lenken!, lenken!!, LEN-KEN!!!, aber sonst bleiben wir sitzen. Und ok, wir dürfen noch einmal die schon vergessenen Wonnen der Wasserrutschen erleben, und noch einmal, und noch einmal, und noch einmal, und ... weiter lesen ...
14.06.06

Hat Jelinek ihren Hund nicht weggegeben?

| Comments (0) | 06/06 | Kinder und andere Mitbewohner

ziege.jpgUm vier lasse ich am Rande der Schwulenwiese die Füße in den Zürichsee hängen, um acht sitze ich in Wien vor meinem Computer und denke über die Fortsetzung der Hundekolumne nach. Das ist nicht leicht, wenn man direkt von einem Gelände kommt, auf dem Badetuch an Badetuch extrem gutaussehendes Männermaterial herumliegt und Muskelmasse präsentiert. Hunde, Kinder und der Vatertag, an den mich der Lange per SMS aus Wien erinnert, spielen dort eine überaus untergeordnete Rolle. Die Kerle verwirren mich so, dass ich meinen Flieger grad noch so kriege, und anderntags ausgeruht in den täglichen Morgen-Infight mit meiner Tochter gehen kann. Das zieh ich nicht an. Dann das. Das zieh ich nicht an. Dann das. Das ziehe ich SICHER nicht an. So, letzte Chance: das. Nein.

Dann brülle ich, sie soll sich doch selber was suchen. Dann schmeißt sie sich heulend aufs Bett. Dann materialisiert sich in meinem Kopf eine Liste von ... weiter lesen ...
10.06.06

Halten Sie mir ihren Hund vom Leib!

| Comments (0) | 06/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Das Thema „Hund und Kind“ kläfft aufgrund seiner eklatanten Unerschöpflichkeit nach Prolongierung. Und weil ich auf meine letzte Kolumne nicht nur ein Protestmail bekam, aber eins davon mit einem Foto, das eine Leserin zeigt, die ihr glückliches Antlitz an einen Bullterrier presst. Das Mail ist, wie in solchen Fällen üblich, anonym und enthält die üblichen Anfeindungen, die man sich bieten lassen muss, wenn man die Möglichkeit nicht ausschliesst, dass Kinder von Hunden gebissen werden und sie deshalb lieber von Kampfhunden fernhält. Da ist man gleich, wie formulierte das die Dame?, eine stümpferhafte Verbreiterin von Vorurteilen.

Und ich sag jetzt mal zurück: blöde Kuh. Schlecken Sie doch Ihren Hund ab, aber halten Sie ihn mir vom Leib. Denn das geht mir langsam sehr auf den Geist: Ich beschimpfe nämlich ... weiter lesen ...
14.04.06

Jetzt durch hier.

| Comments (0) | 04/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Das Osterwochenende verbrachten wir mit Freunden auf einem Bauernhof; wir hatten drei Flaschen Wein mit, zwei Flaschen Prosecco und zwei 6er-Tragl Bier, aber das Duschgel und die Zahnbürsten für die Kinder hatten wir vergessen. Plus das ganze Zeug, dass ich für die Osternester besorgt hatte. Das bedeutet entweder, dass wir Alkoholiker sind, denen die Fähigkeit, eine Tasche fürs Wochenende zu packen, abhanden kam. Oder dass uns ein einfaches Wochenende am Land massiv überfordert. Letzteres gilt uneingeschränkt für die Kinder, denen man beim Waldspaziergang ständig ... weiter lesen ...
7.04.06

Trag ich eigentlich eine Sonnenbrille?

| Comments (0) | 04/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Von Murakami hab ich immer noch nichts gelesen, aber am Sonntag, vor der Nachmittagsvorstellung vom „Räuber Hotzenplotz“ in einem kleinen Vorstadt-Kinocenter, stecke ich meinen Kopf vollständig in eine Magnum-Popcorn-Tüte und stehe einfach herum wie eine ganz normale One-Minute-Sculpture von Erwin Wurm. Entschuldige, was MACHST du da?, fragt Mutter Hofinger. Die Fellners, sage ich, hinter dir. Nun ist die Chance, dass die Fellners meine Visage erkennen, gleich Null, trotzdem: Man will ja kein Risiko eingehen. Weil typisch. Extra gehe ich nie an Orte, wo ich Leute treffen könnte, die Gründe haben, mich zu ohrfeigen; aber kaum ... weiter lesen ...
13.03.06

Enjoy the silence

| Comments (0) | 03/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Sagen wir mal, es besteht der Verdacht, dass das Kind den kleinen Plastik-Eisbären aus dem Naturhistorischen Museum im Auto verloren hat, weil es später, bei der Heimfahrt vom Spielen beim Max, eingeschlafen ist: Das Kind, das aufgrund der expandierenden Tageslänge nun wieder gern um sechs Uhr früh an seiner Mutter rüttelt, wird von 06 Uhr 01 bis 08 Uhr 15 , während Mutter diverse Kleidungsstücke an Leiber klettet, die Worte „Eisbär“, „verloren“, „vielleicht“ und „Auto“ gefühlte 61 Millionen Mal in nur milde variierenden Satzgefügen untergebracht haben. Ja. Sicher. Ja. Ihr findet ihn. Ja. Ja. Ja. Liegt dort. Bestimmt. Um 8 Uhr 16 rinnt Mutter innen an der Wohnungstür runter, während draußen ... weiter lesen ...
8.03.06

Sind Sie ein Spießer

| Comments (0) | 03/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Apropos Spießer. Kollege Misik hat im letzten „Standard“-Album einen hübschen Essay über das neue Spießertum verfasst, der nur einen Makel aufweist: Er beantwortet nicht die zentrale Frage, was denn nun die Insignien der klassischen Spießerei sind. Was exakt zeichnet den gemeinen Spießer aus, welche Dinge hütet, welche Haltungen pflegt er? Trägt er zuhause Filzpatschen, zwingt er seinen Säugling in eine Religionsgemeinschaft, wäscht er jeden Samstag sein Auto, hat er ein Biokistl-Abonnement, wäscht er nie sein Auto, besitzt er eine Gemüsebürste, bezieht er ein „Du“-Abo, hat er einen Buena-Vista-Social-Club-Klingelton, zieht er seine eigenen Tomaten und lässt es alle wissen, besitzt er von Nirvana das Unplugged-Album (und nur das Unplugged-Album), ordnet er seine Bücher ... weiter lesen ...
27.02.06

In the ghetto

| Comments (0) | 02/06 | Kinder und andere Mitbewohner

Die Sichtung der aktuellen Nachrichtenlage bestätigt den Trend, dass Grazer ihre Babies offenbar signifikant öfter misshandeln, und sie scheinen signifikant depperter zu sein. Nehmen wir mal die Grazerin, die am Wochenende mit ihrem zerstörten Sohn ins Krankenhaus kam und die lebensgefährlichen Verletzungen des vier Monate alten Säuglings damit begründete, dieser sei gestürzt. Manche Leute sind zu dumm und zu degeneriert zum Kinderhaben. Im speziellen Fall – die Mutter drogensüchtig, das Kind schon bei der Geburt abhängig, der Säugling offenbar nicht nur akut, sondern chronisch misshandelt - fragt man sich zudem, wo eigentlich das Jugendamt schon wieder war. Müsste man bei so einer Familie nicht alle drei Tage nachsehen, ob alles ok ist? Oder besser täglich? Und falls das aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, sollten diese Gründe aus der Welt geschafft werden, und zwar dalli. Es handelt sich hier um ein Problem, das aktuelln den deutschen Feuilletons heftig abgehandelt wird: Dass erstens zuwenige Leute Kinder kriegen, zweitens die falschen. Die Gründe dafür, warum eine hohe und wachsende Zahl von Akademikern (und vor allem Akademikerinnen) keine Kinder will, wird rauf- und runtergebetet: fehlende Kinderbetreuung, falsches Kindergeldsystem, verfehlte Arbeitsmarktpolitik, allgemeiner Werteverfall. Im „Wochenende“ der „Süddeutschen Zeitung“ wurde noch ein weiteres Argument eingebracht: Es ist den Akademikern scheints nicht vermittelbar, dass es schön ist, Kinder zu haben. Die bedingungslose Liebe von Kindern, die hundert täglichen Gründe für Gelächter, das ständige Staunen über die überraschende Präsenz von Glück, kommt im akademischen Wertekatalog offenbar nicht vor. Damit soll übrigens nicht angedeutet werden, gebildete Leute seien bessere Eltern als ungebildete; allerdings: wenn Wissen tatsächlich zu Bewußtsein führt, müssten man hoffen dürfen, dass das Bewußtsein darüber, dass und warum man Kinder nicht misshandeln darf, bei gebildeteren Leuten höher ausgeprägt sein müsste. Andererseits kommen in den „Supernanny“-Sendungen vielleicht auch nur deshalb nie Akademiker-Familien vor, weil die auf das Geld, das man dort fürs Vorgeführtwerden bekommt, nicht angewiesen sind... Ich weiß es nicht. Vielleicht sind aber einfach auch die anderen Eltern Schuld. Eben erreichte mich das Mail einer jungen Leserin, die meinte, seit sie eine Zeitlang als Kellnerin im Dschungel-Café gearbeitet habe, sei sie völlig sicher, dass sie nienienie eigene Kinder wolle. Im Dschungel habe sie Mütter und Kinder irreversibel hassen gelernt: ständig Flascherl aufwärmen, immer über Krabbelkinder steigen, sogar dreckige Windeln vom Tisch entsorgen müssen und dann mieses Trinkgeld kriegen. Das wirft bei mir mehrere Fragen auf: Erstens, warum Mütter so oft der Meinung sind, sie dürften sich, aus Gründen der Demographiepolitik oder was, mehr erlauben als andere. Zweitens aber frage ich mich, warum man ins Dschungel-Café arbeiten geht, wenn man mit Kindern und ihren Bedürfnissen nichts zu tun haben will. Es ist nämlich selbstverständlich, dass das Personal im drei-Hauben-Lokal jeden Furzwunsch der Gäste ohne zu murren erfüllt, und in einem dezidiert familienfreundlichen Café muss man halt mit Mutterkindfurzwünschen leben können, und wenn man das nicht kann, soll man in einem der 3920 Wiener Lokale, in denen Eltern mit Kindern nicht gern gesehen sind, arbeiten. Das ist nämlich das Problem: Dass Kinder in den meisten Lokalen so unerwünscht sind, dass die paar anderen Lokale zu mütterüberrannten Gettos werden. Ich geb dort übrigens immer mörder Trinkgeld.
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