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Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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 moblog  picture - 17. June 2008 08:08 
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10.11.09

Den Teil mit der Parkbank lasse ich vielleicht aus

| Comments (1) | 11/09 | Mode & Design

Nur Stunden, was heißt, Minuten nach Erscheinen der letzten Kolumne erhielt ich ein freundliches Mail vom freundlichen Herrn Stermann, in dem er mir freundlicherweise folgendes schriftlich bestätigte: Ich war definitiv nicht gemeint. Mit dieser angeflaschelten Journalistin mit der Zauselfrisur. In diesem seinem Anzengruber-Sauftext. Das beruhigte mich ungemein, und ich ließ es in diversen Internet-Foren und Live-Gesprächen nicht unerwähnt, bis selbigen Abends kurz vor Mitternacht bei der Viennale-Abschlussparty, als ich, nachdem ich auch dort mehrere Menschen, die nicht danach gefragt hatten, über Stermanns Quasi-Freispruch informiert hatte, auf dessen Kumpel Grissemann traf, der irgendetwas sagte wie: Ha ha, so so, aber der Stermann hat mir gesagt, dass er beim Schreiben speziell an dich gedacht hat, doch, hat er.

Ich sagte: Sagamal, Grissemann, findest du eigentlich, dass ich eine versoffene Funzen bin?, und verließ die Viennale-Party, ohne Grissemanns Antwort abzuwarten, mit einem schmalbrüstigen Schauspielschüler an der Hand. Dann hätte mich Grissemann eigentlich um vier Uhr früh schlafend auf einer Parkbank betreten sollen, aber ich ließ diesen Teil angesichts der frostigen Temperaturen lieber aus, sonst wäre ich jetzt erfroren und könnte diese Kolumne nicht schreiben. Und ich könnte nicht den Deutschen und ein paar Korrektoren dieser Stadt erklären, dass es sich, wie mir das Österreichische Wörterbuch schriftlich und hoffentlich stabil unwiderlegt bestätigt, beim Ausdruck „betreten“ um altes Wiener Amtsdeutsch handelt: Das ich mir letztes Mal herauskorrigieren habe lassen, weil das, falls es überhaupt existiere, kein Schwein verstehe, wie mir wiederholt versichert worden war.

Aber auf Versicherungen gebe ich sowieso nichts mehr. Man hat ja gesehen, wie viel sie wert sind. Vielleicht lässt sich die ganze peinliche Angelegenheit aber doppelt profitabel verwerten, als ich ja erstens in der göttlichen Position bin, jede mir widerfahrende Demütigung unmittelbar in bares Gerstl verwandeln zu können. Zweitens kann sie als Beweis dafür herhalten, wie ungemein rockbitchig ich im Grunde meines Herzens eben bin, also voll im Trend, wenn man sich die ganzen angejahrten Damen mit 1.-Bezirk-Strähnchen-Frisuren und voll hoaten Preis-auf-Anfrage-Motorradjacken so anschaut, die gerade überall auf cool aus der Zeitung äugen; Oida. Oder auf den Covern eigener Magazine ihre bislang mühsam unterdrückte ur-oage-Rockerbrauthaftigkeit mithilfe eines Visagisten, einer Stylistin, einer Chanel-Bikerjacke und eines professionell gestylten 300-Euro-Zauselkopfs auch endlich einmal freilegen dürfen. Eh nur diese Saison, fürs Frühjahr hat Stella McCartney Blümchen und Rüschen verordnet. Dann verräumen die Bankergattinnen die Lederjacken im Schrank und föhnen wieder; nur ich, ich bin immer noch zerzaust.
13.10.06

Das geht sich schon aus

| Comments (0) | 10/06 | Mode & Design


Wenn ich mir bei Ikea einen Tisch kaufe irgendetwas aus gepresstem Abfall um 19,90 vermesse ich mich nicht. Der passt wie reingezimmert dorthin, wo ich ihn hinimaginiert habe. Wenn ich mir mein erstes Möbelstück maßschneidern lasse, einen schmalen Schreibtisch aus schönem Holz in einem eleganten Metallgestell, der genau in die Lücke zwischen Sofa und Wand passt, dann ist er fünf Zentimeter zu breit. Ich bin fassungslos, die Frau des Schreibtischdesigners ist fassungslos, der Schreibtischdesigner ist fassungslos, weil er nicht glauben kann, wie jemand so deppert sein kann, nur in Tischplattenhöhe zu messen und nicht am Boden, wo doch jeder Trottel die Wände in Altbauten kennt, und, sind wir uns ehrlich, selbst wenn das am Boden gemessen worden wäre, ginge sich das im Leben nicht aus. Es handelt sich hier einen eindeutigen Fall von Messversagen auf Kundenseite. Der Schreibtisch an sich ist perfekt, seine Optik leidet nur sehr darunter, dass er eher überzählig in einem Wohnzimmer herumsteht, das von einem großen Eck-Sofa, einem großen Esstisch mit sechs fetten Sesseln und meinem großen Schreibtisch bereits weitgehend zur Unbegehbarkeit verdammt ist: das Spielzeug noch nicht eingerechnet, das jeden Zentimeter der Grundflächengesamtheit unserer Wohnung knöcheltief bedeckt, ausgenommen das Spielzimmer. Das war ein Witz: das Spielzimmer auch.

Erst nachdem der Schreibtischdesigner und seine Frau mit ungesund verdrehten Augen abgezogen sind, kommt mir die Idee, und ich hole die Stichsäge und kürze das Sofa eckseitig um fünf Zentimeter. Das klingt jetzt ruinöser als es ist: Tatsächlich entspricht das Ensemble samt Schreibisch jetzt in etwa dem innenarchitektonischen Äquvivalent einer SPÖ-Regierung mit einem Gusenbauer im Kanzleramt. Als hätte er immer schon da reingepasst; ich hab doch gesagt, dass sich das schon ausgeht, und dass einer nur Kanzler wird, indem er es ist... So wie der Tisch ja auch erst Schreibtisch wird, indem der Lange ihn benutzt.

Aber der Lange braucht keinen Schreibisch. Ich brauch keinen Schreibtisch, sagte der Lange. Eh nicht, er hatte ja meinen. Aber ein Schreibtisch ist eine überaus persönliche Sache, vor allem ein derart brutal unordentlicher Schreibtisch wie meiner, ständig bringt mir der Lange meine Unordnung durcheinander, das geht so nicht weiter. Ich brauch keinen Schreibtisch, sagte der Lange, so wie er gesagt hat, dass er keinen eigenen Laptop braucht (Doch. Brauchst du. Definitiv.) und früher einmal definitiv kein so ein saublödes Schischi-Deppen-Handy gebraucht hat, wieso schenkst du mir so einen Scheiß?

Der Designerschreibtisch (der Lange: aha, schön, aber ich brauch ihn echt nicht) wird innerhalb von zwanzig Minuten unter Substance"- und "Rave-up"-Sackerl, Zettelhaufen, alten Zeitungen, CD-Stapeln und dem Laptop des Langen samt dranmontiertem Langem faktisch unsichtbar. Jetzt fügt er sich perfekt in unser Wohnzimmer ein.




30.08.06

Das Leben kann so eine blöde Sau sein

| Comments (3) | 08/06 | Mode & Design

Mich plagen andere Sorgen, weil ich hab zwölf Paar Jeans und davon sind augenblicklich elf Paar untragbar und die anderen sollten eher mal gewaschen werden. Neue Jeans müssen her. Aber das Jeanskaufen ist bekanntlich eine blöde Sau, weil Jeans in Jeansladenkabinen unbeurteilbar sind: Man sieht immer erst zu Hause und zu Hause erst nach drei Tagen, ob der Arschgott, an den man in der Jeansladenkabine selbstverständlich das rituelle Gebet richtete, gnädig war oder nicht. Diesmal: nicht.
Aber ich kann ja keine Jeans umtauschen, auf das eines der Mimis irrtümlich Kakao geschüttet hat, und die vom anderen irrtümlich mit einem offenen Edding gestreift wurde. Mit einem Buntstift passiert sowas übrigens nie. Mit einem Buntstift bemalen sich auch verlässlich nie den Esstisch; wahrscheinlich auf Basis der Resulate frühkindlicher Effizienzanalyse, die auch vorsieht, dass ein Kind immer erst aufs Klo muss, wenn es angezogen und angeschnallt im Auto sitzt. Und dass es sich wochentags morgens gern wecken lässt, am Wochenende aber schlag sechs Uhr munter wird. Und dass es nur dann Frühstück will, wenn man es ... weiter lesen ...
23.08.06

Oh Gott, wenn der Dragan das sieht

| Comments (0) | 08/06 | Mode & Design

Das Mädchen auf dem Wahlplakat wirkt nicht froh. Sie sitzt neben Wolfgang Schüssel auf der Albertinatreppe, zupft unentspannt an ihrem rotweißroten Plastikarmband rum und lacht verlegen: Es ist ihr anzusehen, dass ein begeistertes, animiertes, bisschen verführtes Lachen von ihr erwartet wird, so als hätte Schüssel gerade eine für einen Kanzler extrem locker-amüsante Bemerkung gemacht, und es ist ihr anzusehen, dass sie das dazugehörige Lachen auch ehrlich gern bringen würde, aber irgendwie gelingt es nicht. Vielleicht sagt Schüssel was Peinliches. Vielleicht sagt er was zu Nettes. Vielleicht sagt er etwas, das sie offensichtlich dazu bringen soll, begeistert zu lachen, und die Durchschaubarkeit macht sie unrund. Vielleicht rückt er zu sehr ran. Vielleicht wäre sie lieber das andere Mädchen auf der Treppe, das mit einem hübschen Burschen ihres Alters flirten darf. Vielleicht findet sie, dass so ein Plastikarmband an einem Mann über 25 etwas lächerlich aussieht. Vielleicht tut ihr Schüssel leid, weil er junge Mädchen dafür bezahlen muss, sich mit ihm auf Treppen zu setzen. Vielleicht ist sie eine unterbezahlte Altenpflegerin aus der Slowakei, die nebenbei bisschen modelt und überhaupt nicht versteht, was der merkwürdige kleine Mann mit dem ... weiter lesen ...
16.08.06

Diesmal mit Deo-Erlass

| Comments (4) | 08/06 | Mode & Design

tittenDie Breussin wirkt nicht mal irritiert. Obwohl ich im Kino an ihr dranpicke, als wollte ich was von ihr: aber vermutlich kann sie den Kerl an meiner anderen Seite, von dem ich größtmöglichen Abstand zu gewinnen suche, bis zu sich rüber riechen. Himmel, die Auswahl von Deodorants in den westlichen Industriestaaten ist nun wirklich unendlich, warum gibt es immer noch Leute, die akkurat keins benutzen? Und Duschgels offenbar auch nicht?
Natürlich dauert der Film zwei Stunden, und ist ein ziemlicher Scheißfilm, weil offenbar die Kritiker, die „Volver“ praktisch durch die Bank super fanden, sich nachher an nichts erinnert haben, als an Peneolope Cruzes Melonentitten. Ja, das ist jetzt überspitzt, aber Entschuldigung, was soll an diesem Film so toll sein? Allerdings: was hab ich erwartet, der Film ist von Pedro Almodovoar. Und tatsächlich hab ich mir ja mal geschworen, mir nie wieder einen Film von Almodovar anzusehen, weil ich dem sein Frauenbild ... weiter lesen ...
28.07.06

Männer in Unterhosen

| Comments (2) | 07/06 | Mode & Design

Die Hitze und ihre Folgen auf die Ästhetik im öffentlichen Raum: Was dürfen Männer alles zeigen?

Es gibt wichtigere Sachen, über die man jetzt schreiben könnte. Über den Krieg im Libanon, die vielen toten und verletzten Zivilisten, die zerstörten Existenzen. Über die in den USA entstehende öffentlich abrufbare Sexualtäter-Datenbank. Über eine hübsche Russin, die für ihren schönen Gesang eine österreichische Staatsbürgerschaft geschenkt gekriegt, während gleichzeitig Wissenschaftler aus Österreich ausgewiesen und Familien gnadenlos auseinandergerissen werden. Über Elisabeth Gehrers Drohung, als Wissenschafts- und Unterrichtsministerin auch der nächsten Regierung zur Verfügung zu stehen. Über Erwin Pröll, der immer noch nicht genug Haiderei in der Regierung hatte und über eine Fortsetzung von schwarz-orange halluziniert. Über den neuesten Skandal im Radsport und ob man Doping nicht einfach erlauben sollte.

Trotzdem diesmal: Männer in zu kurzen Hosen. Männer in Socken und Sandalen. Männer in labberigen T-Shirts. Männer ohne labberige T-Shirts, mitten im ... weiter lesen ...
27.03.06

Ich bin im Herzen ein Punk-Rebell

| Comments (2) | 03/06 | Mode & Design

In der aktuellen „Freizeit“ hält Trend-Lady Isabella Klausnitzer mit verständlichem Besitzerstolz ihre Balenciaga-Tasche in eine Kamera und erklärt im dazugehörigen Text, solche Taschen würden vor allem von „’Ich bin im Herzen ein Punk-Rebell“-Fashionistas’ getragen. Dieses ungemein fesselnde Verständnis von Punk und Rebellentum vermag selbst eine allem Ideologischen gegenüber längst abgestumpfte Spießersau wie mich zu interessieren: Ach, das ist also Punk, diese drei verstörenden Lederriemen an einer 1150 Euro-Tasche? Ich hatte es immer für eine ungewaschene und ziemlich reiche-Schnepfen-feindliche Jugendbewegung aus den späten Siebzigern gehalten. Aber aha. Man lernt ja nie aus. So also. Aber ehrlich wahr, ich lass mir von ... weiter lesen ...
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