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| 09/06
| Presse-Kommentar
Immer mehr Leute haben eigene Blogs im Netz: als öffentliches Tagebuch oder als Privatzeitung mit eigener Meinung.
Ein Weblog, auch „Blog“ genannt, ist was Feines: eine Art Internet-Tagebuch, kostet nicht viel und kann von jedem, der will, ins Netz gestellt werden – zugänglich für alle, die die zugehörige Adresse kennen. Was man dort reinschreibt ist jedermanns eigene Sache: Erlebtes, Gesehenes und Gedachtes, Gefundenes, Fotografiertes und Gefilmtes, mehr oder weniger Intimes, je nachdem, was man von sich selbst preisgeben und anderen an Privatem zumuten möchte.
Der großartige deutsche Schriftsteller Rainald Goetz nutzt diesen Vorzug des Internets seit Jahren. Schon 1999 veröffentlichte Goetz seinen „Abfall für alle“ (Suhrkamp), ein Jahr Netz-Tagebuch
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| 08/06
| Presse-Kommentar
Auch wenn die Regierung partout keine Pflegenotstand sehen möchte: Das Altwerden muss ein Thema bleiben - vor allem der Würde-Aspekt.
Die Pflegedebatte verebbt schon wieder – besser: sie wird von der Regierung mit einem vielstimmigen „Es gibt keinen Pflegenotstand“-Mantra zum Verebben gebracht. Es ist Wahlkampf. Es gibt wichtigere, Dinge, über die man reden möchte.
Denn: Alte, vor allem pflegebedürftige Menschen sind eine denkbar uninteressante Wählerschicht. Jedenfalls keine, die man mit zielgruppenorientierten Themen umgarnen muss: Entweder gehen die Alten gar nicht mehr wählen, oder sie wählen, was sie immer schon gewählt haben oder sie sind schon so senil, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie ankreuzen. Alte Menschen sind eine undankbare Zielgruppe, und der Pflegenotstand – wir wissen schon, es gibt keinen – zudem kein Thema, bei dem die Regierung sich besonders bekränzt hätte.
Andererseits ist es ein wichtiges Thema. Aber: Es interessiert
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Boboville - Residenz Verlag
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| 08/06
| Presse-Kommentar
In der Pflegedebatte bieten sich momentan eigentlich nur zwei Lösungen an: Entweder Frauen werden ausgebeutet, oder Frauen werden schlimmer ausgebeutet.
Im Rahmen der Pflegenotstandsdebatte wurde eine Zahl immer wieder genannt: von den 80 Prozent der Pflegepatienten, die zuhause betreut werden, werden 80 Prozent von Frauen versorgt. Denn: Nach wie vor ist das Pflegen und Versorgen von Hilfsbedürftigen eine praktisch ausschließlich weibliche Domäne. Vor allem, wenn solche Pflege unter- oder ganz unbezahlt ist.
Ja: Es wäre besser, wenn alle pflegebedürftigen Personen in Österreich von ausgebilden, gutbezahlten und sozialversicherten PflegerInnen versorgt werden würden. Aber das ist nun mal nicht möglich, da private Haushalte meist nicht in der finanziellen Lage sind, eine legale Rund-um-die-Uhr-Versorgung ihrer alten und dementen Angehörigen zu finanzieren. Die öffentliche Hand wiederum verfügt momentan nicht über die Mittel, eine solche Versorgung soweit zu subventionieren, dass sie für Privatpersonen
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| 08/06
| Presse-Kommentar
Der Mück-Bericht bestätigt die Beschwerden von ORF-Mitarbeiterinnen, der ORF-Chefredakteur agiere frauenfeindlich. Der versteht nicht mal das Problem.
„Sehr geehrte ORF-Generalintendantin, als regelmäßige ZiB-Seherin fällt mir schon länger ein Herr Mück auf, der immer wieder Politisches kommentiert. Seine Nase ist eine Beleidigung für mein Auge. Und muss er wirklich jedem zeigen, wie alt und schlaff sein Gesicht geworden ist sind: so wie der immer da sitzt, sieht man seine labbrigen Backen groß im Bild.“
Ist natürlich unvorstellbar, dass man sowas ernstlich in einen Brief oder die Zeitung schriebe. Genauso unverstellbar ist es, dass ein Chef so mit einer Mitarbeiterin spricht. Geschieht aber. Im ORF. Chefredakteur Werner Mück soll der Moderatorin der „Pressestunde“ gesagt haben, „sie sei eine Beleidigung für sein Auge gewesen, müsse sie wirklich jedem zeigen, dass sie so viel zugenommen habe, so wie sie dagelehnt sei, habe man ihren Hintern groß im Bild gesehen“. Mück streitet die „Beleidigung des Auges“ ab, eine solche Bemerkung widerspreche seiner Erziehung; der Rest seines Ausfalls
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| 07/06
| Presse-Kommentar
Die Hitze und ihre Folgen auf die Ästhetik im öffentlichen Raum: Was dürfen Männer alles zeigen?
Es gibt wichtigere Sachen, über die man jetzt schreiben könnte. Über den Krieg im Libanon, die vielen toten und verletzten Zivilisten, die zerstörten Existenzen. Über die in den USA entstehende öffentlich abrufbare Sexualtäter-Datenbank. Über eine hübsche Russin, die für ihren schönen Gesang eine österreichische Staatsbürgerschaft geschenkt gekriegt, während gleichzeitig Wissenschaftler aus Österreich ausgewiesen und Familien gnadenlos auseinandergerissen werden. Über Elisabeth Gehrers Drohung, als Wissenschafts- und Unterrichtsministerin auch der nächsten Regierung zur Verfügung zu stehen. Über Erwin Pröll, der immer noch nicht genug Haiderei in der Regierung hatte und über eine Fortsetzung von schwarz-orange halluziniert. Über den neuesten Skandal im Radsport und ob man Doping nicht einfach erlauben sollte.
Trotzdem diesmal: Männer in zu kurzen Hosen. Männer in Socken und Sandalen. Männer in labberigen T-Shirts. Männer ohne labberige T-Shirts, mitten im
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| 07/06
| Presse-Kommentar
Die Beliebtheit des Finanzministers wirft ein schlechtes Licht auf das Politikverständnis der Österreicher.
Wer Karl Heinz Grasser ist, was Grasser tut, wie Grasser die Welt sieht, woher Grasser kommt und wohin Grasser will, wie Grasser sich selbst großartig findet und wie Grasser sich das Dasein richtet, vor aller Augen, wie er die Unwahrheit sagt und es nachher ungeniert als Missverständnis darstellt: Das hat so ein schamlose Dreistigkeit; man tut sich schwer, eine Metaebene zu finden, von der aus man Grasser kritisieren könnte. Denn was willl man kritisieren? Dass sich ein Politiker, nimmt, was er kann? Und wer will ihn kritisieren? Neidige Journalisten? Neidige Politikerkollegen? Eine neidige Opposition?
Mit großer Selbstverständlichkeit agiert Grasser nach dem Prinzip, dass nur eine Instanz ihn richten könne: die Wähler. Und dass er sich keine Sorgen zu machen und sein Auftreten und Handeln nicht zu überdenken braucht, so lange die Wähler es nicht tun. Und richtig, sie tun es nicht.
Das ist beängstigend. Die Homepage-Affaire, der empörende
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| 07/06
| Presse-Kommentar
Mit ihrem „nein“ zum Ortstafelkompromiss zeigt die SPÖ, dass sie kurz vor der Wahl doch noch aufgewacht ist.
Zwei Ereignisse prägten diese Woche innenpolitisch; das eine erwartbar, das andere weniger. Der Termin für die Nationalratswahlen – 1. Oktober – wurde bekanntgegeben, und: die SPÖ stimmte gegen den Ortstafelkompromiss.
Das kommt einigermaßen überraschend, denn erst vor wenigen Tagen hat Bundespräsident Heinz Fischer in der ORF-„Pressestunde“ die von Jörg Haider und Wolfgang Schüssel ausbaldoverte Ortstafel-Lösung als „vorsichtig positiv“ beurteilt. Allerdings war das, bevor den Slowenenverbänden klar wurde, dass sie von Haider mit der Öffnungsklausel über den Tisch gezogen und von Schüssel dazu benutzt worden waren, sein
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| 07/06
| Presse-Kommentar
Rainhard Fendrich will jetzt Volksschüler dazu benutzen, sein kaputtes Image zu reparieren. Eine „Geschmacklosigkeit“ nannte es die „Presse“ schon gestern völlig zu Recht: Rainhard Fendrich möchte in Zukunft ein Anti-Drogen-Aushängeschild werden und soll dergestalt auf wehrlose Volksschüler losgelassen werden. Da ist man direkt froh, dass man keine Kinder in der Unterstufe hat. Denn es ist recht ekelhaft, wie Fendrich kleine Kinder benutzen möchte, um sein durch jahrelangen Kokainmissbrauch tüchtig angeknackstes Image zu reparieren. Vielleicht sollte er sich noch ein bis zwei kleine Kuschelhunde zulegen: Sowas kommt bei den reiferen Ladies auch immer gut an. Denn welchen Volksschüler interessierts, wenn Fendrich sagt: Kinder, tuts keine Drogen nehmen? Schon im Allgemeinem ist Fendrichs Vorbildfunktion unterdurchschnittlich; im Speziellen – als Idol oder auch nur Ansprechpartner für kleine Kinder – ist er vollkommen
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| 06/06
| Presse-Kommentar
Was uns in der Ortstafelfrage als Durchbruch präsentiert wurde, ist nicht mal ein fauler Kompromiss. Was macht die SPÖ? Die Ortstafelfrage ist entschieden: Der Kärntner Landeshauptmann jubelt, die Regierung ist hocherfreut, der Kanzler meint: „Wir haben es zu einem guten Abschluss gebracht“. Nein, das Verfassungsgerichtshof-Entscheid (290 zweisprachige Ortstafeln) wird nicht umgesetzt. Nein, der von der Bundesregierung vor einem Jahr beschlossene Plan (158 Tafeln) wird nicht umgesetzt. Nein: Es wird in ganz Kärntnen 141 zweisprachige Ortstafeln geben, gerade mal 64 mehr als bisher, und das erst bis 2009. Kein Wunder, dass sich Jörg Haider als Sieger feiern lässt.
Und kein Wunder, dass Verfassungsrechtler die Sache stark kritisieren: Der Staatsvertrag wurde nicht erfüllt, die Lösung gehe „an der Judikator des VfGH vorbei“. Wo also kann der Kanzler also den „guten“ Abschluss erkennen?
Das einzige, was
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| 06/06
| Presse-Kommentar
Das Rauchen wird in immer mehr Ländern immer stärker geächtet. Gut so. Mittlerweile habe ich ungefähr 105.000 Zigaretten nicht geraucht; 105.000 rote Marlboro, nicht irgendein leichtes Kraut. Das sind, glaub ich, ein paar Kilo Teer, die sich nicht in meiner Lunge ablagerten, und es ist ziemlich viel Nikotin, das nicht in meinen Organismus gelangte. Es ist ein gutes Gefühl. Vor viereinhalb Jahren habe ich mit dem Rauchen aufgehört, und, von den ersten paar Wochen mal abgesehen, bin ich darüber jeden Tag froh.
Ich war eine militante Raucherin. Ich rauchte permanent und, wenn möglich, überall; durchaus rücksichtslos. Ich hielt Rauchen für ein Menschenrecht. In der Früh
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| 06/06
| Presse-Kommentar
Der Kanzler distanzierte sich von der McDonalds-Kampagne mit seinem Konterfei. Aber nicht von McDonalds. Langos. Toastlangos. Debrelangos. Schinken-Käse-Toast. Pommes. Würstel mit Senf. Wurstsemmerl: Mahlzeit, liebe Kinder, wünscht: euer Bürgermeister.
Denn das ist neben Eis und Süßigkeiten das Speisenangebot des Kioskes auf der Kinderwiese des städtischen Kongressbades in Wien Ottakring. Das Bad wurde heuer schön renoviert, aber am Speisenangebot hat sich nichts geändert. Es gibt beim Kleinkinderbecken kein Stück Obst zu kaufen, keinen Salat, kein Joghurt. Wer sich und seine Kinder dort an einem langen Badetag einigermassen vernünftig ernähren will, bringt sich das Essen selber mit.
Wenn ausgerechnet in jenen städtischen Einrichtungen, in denen sich Kinder und Jugendliche ganze Tage aufhalten, nur mieser, ungesunder Trash serviert wird, kann die Stadtregierung noch so viele Kampagnen zur gesünderen Ernährung der Wiener Bevölkerung lancieren: Lippenbekenntnisse. Das ist jetzt nicht nett, zugegeben: Aber viele Vertreter österreichischer Politik sind als Ernährungsvorbilder ungeeignet. Der Bürgermeister: dick. Die Gesundheitsstadträtin: dick. Die Unterrichtsministerin: dick. Die Gesundheitsministerin und der Kanzler
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| 06/06
| Presse-Kommentar
Autofahren muss man lernen. Das Gefühl für den richtigen Umgang mit Kindern dagegen soll einem wachsen wie ein Wimmerl. Tut es aber nicht immer. Erziehungskurse sind derzeit unter Eltern sehr beliebt: das Problem ist, dass sie von denen, die das am dringendsten brauchen würden, nicht belegt werden. Nicht freiwillig. Wer seine Kinder vernachlässigt oder misshandelt, kommt ja normalerweise eher nicht auf die Idee, eine Erziehungsberatung in Anspruch zu nehmen. So jemand ruft höchstens die Fernseh-Nanny zu Hilfe; besser wie nix.
Was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass Eltern, die einen Erziehungskurs besuchen, den nicht brauchen würden: Selbst den begeistertsten und liebevollsten Eltern wächst das Gefühl für den richtigen Umgang mit Kindern ja nicht von selbst wie ein Wimmerl. Das Großziehen
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| 06/06
| Presse-Kommentar
Soll Handke den Heine-Preis bekommen oder nicht? Wer auf keinen Fall einen Preis verdient hat: die Heine-Preis-Jury.Jetzt sagt Peter Handke: „ Es handelt sich bei Srebrenica um das schlimmste ‚Verbrechen gegen die Menschenlichkeit’, das in Europa nach dem Krieg begangen wurde.“ Ok. Denn in seinem 1996 veröffentlichten Buch “Gerechtigkeit für Serbien“ klingt das anders. Da trifft Handke eine Dorfbewohnerin, die ihm erzählt, sie entbehre „bitter das Zusammensein mit ihren muslimischen Freunden“ ob aus Visegrad oder Srebrenica, und sie sei „überzeugt, dass es wahr sei, dass dort bei Srbrenica im Sommer dieses Jahres 1995 die Tausende umgebracht worden seien.“ Das lässt sich noch immer so interpretieren, dass Handke das damals nicht hundertprozentig war: überzeugt davon, dass der Massenmord tatsächlich stattgefunden hatte. Aber vielleicht ist man, wenn man es so liest, keiner der „redlichen Leser“, für welche Handke in einem vorgestern in der „Süddeutschen Zeitung“ abgedruckten Essay Stellung nimmt zur Debatte um den Heine-Preis.
Aber: Handke hat aus seiner teilweise pathologischen Serbenverehrung nie einen Hehl gemacht und sich für besonders geisteskranke Aussagen sogar entschuldigt. Das ist nun mal die Einstellung
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| 05/06
| Presse-Kommentar
Die Justizministerin will das Eherecht reformieren: Denn Frauen, die ihre besten Jahre nicht der Familie opfern, sind auch nach der Scheidung keine Opfer.Justizministerin Karin Gastinger hat wieder eine gute Idee: Sie möchte das Eherecht ändern. Jeder Ehepartner solle, so Gastinger, für seine finanzielle Versorgung selbst zuständig sein. Gatten und Gattinnen, Mütter und Väter sollen auch während der Ehe ihre jeweilige ökonomische Autonomie beibehalten, weshalb, falls diese Ehe geschieden wird, keiner der Partner Anspruch auf Unterhalt hätte.
Die Idee ist gut, das lässt sich ausgezeichnet anhand des Beispiels erörtern, das ÖVP-Justizsprecherin Maria Fekter anführte, um zu beweisen, dass Gastingers Idee miserabel sei. Fekter bemühte das Schicksal der ersten Frau des verstorbenen Bundespräsidenten Klestil. Edith Klestil hatte zugunsten der Karriere ihres Mannes ihre eigene aufgegeben und ihr Leben seinem Wohl und der Erziehung der Kinder gewidmet, und plötzlich waren die Kinder aus dem
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| 05/06
| Presse-Kommentar
Wird das Amt des österreichischen Vizekanzlers an den ehemaligen FPÖ-Schreckensklubobmann Peter Westenthaler verschachert? Alles ist möglich. Für viele Österreicher ist die aktuelle Debatte um einen möglichen Vizekanzler Peter Westenthaler der Klassiker eines zweischneidigen Schwertes. Einerseits ist es eine beängstigende Vorstellung, dass der gebräunte Oberintervenierer Peter Westenthaler jeden Moment Vizekanzler werden könnte – dass wir also in einem Land leben, in dem es nicht ausgeschlossen werden kann, dass solche verkommenen Figuren ganz an die Spitze gespült werden. (Allerdings wurden wir letztes Jahr schon von der Nachricht geschockt, dass Westenthaler das „Große Goldene Ehrenzeichen mit dem
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| 05/06
| Presse-Kommentar
Während Disney sich aus dem „Happy Meal“ verabschiedet, greift die FAZ die Fernsehköche an. Ausgerechnet.Wenn es nach Disney geht, gibt es bei McDonnalds demnächst kein „Happy Meal“ mehr, jedenfalls nicht wie bisher mit Spielzeug zuaktuellen Disney-Filmen. Das wird viele Kinder weltweit betrüben, aber meine nicht. Doch, sie kennen das, sie hatten das schon exakt einmal, sie fanden es cool, aber obwohl eine Burger-Bude auf dem Heimweg vom Kindergarten liegt, waren meine Befürchtungen, es würde jetzt täglich davor gezappelt werden, unbegründet: Sie kommen nicht auf die Idee, das Essen dort als eine täglich mögliche Routine zu betrachten. Vielleicht, weil sie es gewohnt sind, dass ihre Nahrungsaufnahme im Wesentlichen aus einem Mittagessen im Kindergarten, sowie Frühstück und Abendessen zuhause am Küchentisch besteht
Daran ist, damit bin ich bekanntlich nicht allein, vor allem Jamie Oliver schuld, der
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| 05/06
| Presse-Kommentar
Schön, dass die Leute im Internet so mutig ihre Meinung sagen. Unter Psyeudonym halt.Nachdem ich mich letzte Woche die Meinung vertrat, dass es sinnvoll wäre, wenn den Kindern wieder Manieren beigebracht würden, gab es ein paar Reaktionen: Freunde verspotteten mich. Meine Kinder benahmen sich extra schlecht. Ein Leser rief an, um mich auf den Mist aufmerksam zu machen, den Jugendliche jedes Wochenende im Wiener Burggarten hinterlassen (stimmt, und mich regen besonders die Bierflaschen-Scherben rund um die Sandkiste auf). Es gab Leserbriefe. Und es gab ein paar Reaktionen - postings - auf der „Presse“-Homepage: Herr oder Frau „Wow“ hofft, dass mein „neuer alter Ansatz nicht gleich im Keim erstickt“ werde „und die Alt68er noch mal zum Schaden aller zuschlagen“. (Ich denke, letztere Befürchtung ist unbegründet.) Herr
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| 04/06
| Presse-Kommentar
Sollen unseren Kindern wieder Manieren beigebracht werden? Es spricht vieles dafür.Haben unsere Kinder keine Manieren mehr? Und würde es was ändern, wenn sie wieder welche hätten? In der Schweiz scheint man momentan zum Schluss zu kommen: ja. Vor allem auch angesichts dessen, was an deutschen Schulen derzeit passiert, wieviel Gewaltbereitschaft unter Heranwachsenden Usus ist. Und auch wenn es im ersten Augenblick etwas naiv wirken mag, auf gewalttätige Jugendliche mit der Forderung nach der Einführung eines neuen Umgangsformen- und Wertekanons zu reagieren: es lohnt, darüber nachzudenken. Weil es vor allem auch die Eltern in die Pflicht nimmt.
Kürzlich berichtet die „Neue Zürcher Zeitung“ über verschiedene Ansätze, den Schweizer Kindern wieder Manieren beizubringen. Eine Managementtrainerin bietet etwa in einem
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| 04/06
| Presse-Kommentar
Vor den Karrierefrauen: Eine britische Professorin löste eine erregte Feminismus-Debatte aus. Allerdings mit perfiden Thesen.Ein britischer Magazin-Artikel hat über Großbritannien hinaus zu einer hitzigen Debatte über die gesellschaftliche Rolle der Frauen und die Folgen ihrer Veränderung geführt. Diese Debatte zeigt unter anderem, wie verdammt notwendig ein streitbarer Feminismus nach wie vor ist. Eigentlich würde man meinen, Feminismus werde überflüssig, wenn Frauen erst paritätisch an der Macht sind, wenn ihre Chancen und Gehälter denen der Männer entsprechen. Das Gegenteil ist der Fall: Im Augenblick, in dem die erfolgreiche Karrierefrau kein seltenes, schutzwürdiges Phänomen mehr ist, sondern Normaliät, wird sie offensichtlich pronto als Gefahr wahrgenommen: Die britische Autorin Alison Wolf („Does Education Matter?“) etwa sieht durch die Karrierefrauen, grob gesagt, den Fortbestand der Menschheit gefährdet.
In ihrem Essay „Working Girls“ im britischen „Prospect Magazine“ hat Wolf, Professorin für
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| 04/06
| Presse-Kommentar
In der deutschen Gebärdebatte hat die „Zeit“ jetzt die Schuldfrage geklärt. Die Natur wars.Die deutschen Feuilletons sind immer noch voller Gebärdebatte, Frauen gegen Männer und umgekehrt. Wobei man nicht immer den Eindruck hat, dass alle von der gleichen Sache sprechen. Das Problem haben wir in Österreich auch.
In der letzten „Zeit“ etwa antwortete Ulrich Greiner auf die Mutterschaftsentzauberung, die Iris Radisch zuvor veröffenlicht hatte: In ihrem Text „Der Preis des Glücks“ kritisierte die Literaturkritikerin, dass jungen Frauen gerade das Kinderkriegen diktiert werde, ohne auch je auf die Nachteile hinzuweisen. Denn natürlich sei das Mutterglück mit einem massiven Arbeitsaufwand verbunden, welcher nun mal mehrheitlich an den Frauen hängenbleibe.
Eine Frau, die Kinder bekommt, müsse, schreibt Radisch richtig, ihr Leben ändern, ein Mann nicht. Ein Mann, der ein Kind bekommt, könne sich auch weiter selbstverwirklichen, eine Frau nicht. Und: Ein Vater sei ein Vater, so lange es ihm Spaß macht, danach „kann er für sein
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Boboville - Residenz Verlag