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| 08/06
| Tagesanzeiger-Kolumne
Dann kränke ich mich und es fällt mir ein, dass ich, als Manu nicht wusste, ob sie den Job annehmen soll oder nicht, einen ganzen Abend mit ihr an meinem Küchentisch sass und wir sprachen über den Job, über die Fürs und Widers, und gekocht hatte ich ihr auch. Überhaupt kochen ihr der Lange und ich ständig was, immer wieder sind Manu und Gruber zum Essen bei uns eingeladen, und dann sitzen sie bei uns am Tisch und essen Vorspeise, Nachspeise und Dessert und trinken Wein, gut, einen Wein bringen sie immer mit, aber wann bin eigentlich ich das letzte Mal an Manus Tischchen gesessen und hab von Manus Tellerchen gegessen und aus ihrem Becherchen getrunken? Dass muss, ohne Scheiss, 2000 gewesen sein, nein warte!, 1999 war das!, lange, bevor ich die Mimis hatte und lange bevor mich Köppel nach Zürich geholt hat und ich anfing, diese Kolumne zu schreiben, ja: 1999 war das, und es gab Osso Bucco und danach gabs nie wieder was. Nicht bei Manu, aber bei uns schon, immer wieder, aber wir, wir haben ja die Mimis und
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| 05/06
| Tagesanzeiger-Kolumne
Das Wochenende wird ein Wahnsinn, der fängt schon am Mittwoch an, als der Lange um halb acht die Meinung äußert, es sei heute wirklich zu kalt für ein Kindergeburtstagspicknick im Park. Das ist der erste konkrete Party-Beitrag des Langen, der bislang eine Aussitzen-Taktik verfolgte, mit dem Ziel, dass die Kinder, wenn man sie gut ablenkt, auf ihren Geburtstag vergessen könnten. Während ich mit dem Horwath, dessen kleiner Horwath dieser Tage auch vier wird, seit Wochen über Ort und Zeit der Party konferiere, täglich die aktuellen Wetterprognosen analysiere und das Menü bespreche: Schnitzerl, Hacktätschli, Erdäpfelsalat, Saft, Sekt, Bier, und natürlich Schoggikuchen. Dann hab ich, nach langem Hin- und Her mit dem Horwath, Einladungsmails mit Tag (Mittwoch), Ort und Ausweichtermin (Freitag) verschickt, falls es regnen sollte, dann die Mails von 13 oder 14 Müttern beantwortet, die wissen wollten, was ist, wenns auch am Freitag regnet. Keine Ahnung.
Ja, am Mittwoch ist es kalt, aber am Freitag soll es zudem regnen, und während der Lange dem Horwath ein SMS schreibt, dass es zu kalt sei, schreib ich dem
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Boboville - Residenz Verlag
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| 04/06
| Tagesanzeiger-Kolumne
Der Lange zielt, schiesst, der Ball springt vor dem Kind auf und dem Kind an die Stirn, bong. Oje. Das wird das Vater-Tochter-Verhältnis nicht wesentlich optimieren. Das Kind brüllt augenblicklich los, und aus einer gewissen Erfahrung heraus lässt sich jetzt mehrererlei prophezeien: Es wird damit so bald nicht aufhören, da kann der Lange sich, womit er im Moment beginnt, noch zehn mal vor dem Kind in die Wiese werfen, und er kann auch noch tausend Entschuldigungen stammeln: Das Kind ist empfindlich, und das Kind ist nachtragend, sehr sehr nachtragend. Jetzt liegt es wimmernd auf dem Rücken, kleine, verzweifelte Schluchzer entfahren seiner Kehle, dazwischen trostloses Geheul: es ist entsetzlich misshandelt und verletzt worden, und es wird nun
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| 04/06
| Tagesanzeiger-Kolumne
Ins Restaurant kommen wir so gut wie nie. Also mit den Kindern. Zuletzt haben wir es versucht, warte mal, das muss über ein Jahr sein. Sie rannten durchs Lokal, bliesen alle Kerzen aus, schütteten Orangensaft quer übers weisse Tischtuch und beschimpften ihre Pasta: Was ist das grausliche Grüne da?? Die Kellner waren unglaublich nett. Der Lange und ich genierten uns fürchterlich. Danach nahmen wir die Kinder nie wieder abends mit in ein Restaurant. Wir essen jetzt zuhause.
Einige unserer Bekannten sind aber der Meinung, das Leben müsse auch mit Kindern genauso weitergehen wie vorher. Sie finden, dass es notwendig sei, die Gesellschaft
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