So. Jetzt hammas. Ja, ich
bin sitzengeblieben. Wegen einer einzigen Fünf in Mathematik, was heutzutage
erfreulicherweise nicht mehr möglich ist, so wie es demnächst nicht einmal mehr
möglich sein soll, überhaupt sitzenbleiben zu können. Wobei: Ich bin, was die
Kinder nie zu erfahren brauchen, eigentlich gern sitzengeblieben. Also, jetzt
nicht im damaligen akuten Moment, als die Nachricht daheim den Eltern zu
überbringen war. Aber im Rückblick und aus der Entfernung der Jahre betrachtet,
hat es eigentlich überhaupt nicht geschadet. Denn, wie sich auch jetzt zeigt,
wo es allmählich um die Gymnasiumswahl der eigenen Kinder geht: So lange sich
Schulen ihre Lehrer nicht aussuchen dürfen, ist die Schulwahl eher zweitrangig,
weil die Kinder noch in der besten Schule an einen für seinen Beruf nicht
geeigneten Pädagogen geraten können. Während ein hervorragender Lehrer auch in
einer Anstalt minderen Rufs der Schüler Lust an Bildung und Wissen zu wecken
imstande ist. Weil ich, zum Beispiel, hatte nach dem Sitzenbleiben in Deutsch nur
noch Einser, was, wie ich behaupte, meine der-Lehrer-war-Schuld-Theorie doch
recht anschaulich untermauert.
Den gelben Ordner habe ich
den Kindern jetzt doch entzogen, zur Abwendung verfrühter Debatten über die
Anzahl von Mutters abgebrochenen Universitätsstudien. Denn im Unterschied zu
Karl-Theodor zu Guttenberg fällt es mir eher leicht, an dieser Stelle folgendes
zu verkünden: Ich habe mich entschlossen, auf den Doktortitel dauerhaft zu
verzichten.